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Niederlausitz als Land der "kleinen Fürsten"

Groß ist das Interesse am Niederlausitzer Adel. Bis zum 25. Mai wird die Sonderausstellung "Herrschaftszeiten!" im Sänger- und Kaufmannsmuseum gezeigt.
Groß ist das Interesse am Niederlausitzer Adel. Bis zum 25. Mai wird die Sonderausstellung "Herrschaftszeiten!" im Sänger- und Kaufmannsmuseum gezeigt. FOTO: jgw
Finsterwalde. Eine Sonderausstellung im Finsterwalder Sänger- und Kaufmannsmuseum zeigt gegenwärtig die Geschichte des Niederlausitzer Adels. Die Präsentation ,,Herrschaftszeiten!" stellt ein umfassendes Bild der großer Standesherrschaften vom 13. Jahrhundert bis in die Gegenwart vor. Jürgen Weser

Die Exposition "Herrschaftszeiten!" ist im vergangenen Jahr als große Korrespondenzschau zur Landesausstellung im Schloss Branitz in Cottbus als Projekt des Europäischen Parkverbundes Lausitz entstanden. Sie lockte mehr als 22 000 Besucher an. Besucherrekord einer Sonderausstellung in Branitz!

Das große Publikumsinteresse an der eigenständigen Kulturlandschaft der Niederlausitz mit ihren speziellen Herrschaftsverhältnissen scheint auch in Finsterwalde vorhanden zu sein. Jedenfalls war schon zum Beginn der Ausstellungseröffnung Stühlerücken auf dem Plan. Wegen des unerwarteten Besucherzuspruchs musste in den großen Veranstaltungsraum gewechselt werden - sehr zur Freude von Dr. Rainer Ernst als Leiter des Museumsverbundes und Olaf Weber als ,,Filialleiter" in Finsterwalde. Gemeinsam mit Dr. Simone Neuhäuser als Kuratorin der Cottbuser Ausstellung und Autorin des fundierten Begleitbandes hatten sie die Ausstellung vorbereitet.

Mit einem Vortrag führte Simone Neuhäuser durch die ehemaligen Herrschaften Lübbenau, Sonnewalde, Lieberose, Drehna, Straupitz und Pförten (Brody) oder Soltau. Dabei machte sie die Niederlausitz als Land des Adels deutlich und, wie es zu den Standesherrschaften mit Hauptsitzen und Dörfern gekommen war. Für die Untertanen waren die Grafen zu Solms in Sonnewalde, die Lynars, die gräfliche Familie von Promnitz oder die Edlen Herren von Bieberstein die ,,wahren Herrscher der Region", die ,,wie kleine Fürsten regierten" und die Entwicklung der Niederlausitz über Jahrhunderte maßgeblich beeinflussten. Olaf Weber referierte über die anderen Herrschaftsverhältnisse für Finsterwalde, wo die adlige Standesherrschaft bereits 1625 endete und die Region lange Zeit auch nicht zur Niederlausitz als politisches Gebilde gehörte.

Bei der Spurensuche adliger Existenzen stießen die Ausstellungsbesucher auf entdeckenswerte Kleinode in Kirchen, Schlössern und Gärten. Natürlich war das Interesse zunächst auf die Geschichte der Herrschaften in Sonnewalde und Drehna gerichtet. ,,Es gibt immer noch Neues über die Solms", ist Hubert Schade als Sonnewalder Museumsleiter begeistert. ,,Die Branitzer Ausstellung hat uns im vergangenen Jahr zusätzliche Besucher gebracht", berichtete er.

Drehna als ,,junge Herrschaft" gehört mit dem restaurierten Schloss und dem Park zu den ,,gegenwärtig attraktivsten" Anlagen, erklärt Neuhäuser. Vor allem das heutige Brody als größte Herrschaft im 19. Jahrhundert locke heute zu einem Ausflug und zu Parkseminaren, schwärmt die Kuratorin.

Auch wenn die Finsterwalder Ausstellung auf in Branitz gezeigte Schauobjekte aus Platzgründen verzichten muss, bietet sie mit umfangreichen Schautafeln, Bildmaterial, Leihgaben von Kirchen und aus Privatbesitz einen wunderbaren Einstieg in die Geschichte der Niederlausitzer Adelsgeschlechter. Das findet auch Gabriela Weidner, die als Grafikerin und Gestalterin die Branitzer und Finsterwalder Exposition mit verantwortet hat. Besonders die historisch nachgestalteten Postsäulen geben in der Ausstellung Richtung und Tipps für zukünftige Ausflüge.

Das Museum ist in der Lange Straße 6 bis 8 in Finsterwalde.