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Nicht nur ein Ergebnis von Bits und Bytes

Lübben.. Alltäglich war das nicht, was am Sonnabendnachmittag in einer angenehm kühlen Paul-Gerhardt-Kirche den rund 50 Besuchern geboten wurde. Bei der Präsentation der 3. CD mit dem Titel „Die Orgellandschaft der Niederlausitz“ wurden sie mit knapp 90 abwechslungsreichen Minuten mit Informationen und Orgelmusik vom Feinsten versorgt. Von Krino Müller

Sehr durchdacht und im steten Wechsel wurde in ansehnlichen Happen die Präsentation aufbereitet und aufgeteilt. Die Hauptaufgabe kam natürlich Lothar Knappe als Organisten zu. Da es sich bei der CD nicht nur um eingespielte Titel von der Schuke-Orgel in der Paul-Gerhardt-Kirche in Lübben (erbaut 1906) sondern auch von Orgeln aus anderen Orten handelte, hatte er die schwierige Aufgabe übernommen, beispielsweise in Burg oder Lübbenau aufgenommene Titel für die Schuke-Orgel aufzubereiten. Denn, so sagte Knappe später in seinem Redepart, sei „Orgel nicht gleich Orgel“ . Die Unterschiede in den Klangfarben seien das Besondere.
In den Nachmittag eingeführt hatte Pfarrer Olaf Beier, als er mit den Worten aus einem Lied von Paul Gerhardt „Du, meine Seele singe“ der CD-Präsentation voran stellte. Diese neue Idee, verriet der Pfarrer, könne viel erzählen. Es sei die dritte CD in einer vom Großräschener Rudolph Böhnisch initiierten Reihe, auch wenn es die zweite noch nicht gebe. Gerade die Paul-Gerhardt-Kirche sei ein guter Ort, das Ergebnis einer Vision, die Böhnisch hatte, nämlich Orgeln der Niederlausitz vorzustellen, zu präsentieren. Das deshalb, weil auf der CD Bearbeitungen zu Liedern des vor 327 Jahren verstorbenen kirchlichen Liederdichters zu hören sind.
Wie aus der Vision, die Niederlausitzer Orgellandschaft auf CD zu brennen, Wirklichkeit wurde, schilderte Rudolph Böhnisch selbst den Zuhörern. Der gelernte Geologe und „Orgelfan“ hat sich intensiv mit dem Thema befasst. Seinem Engagement sind auch die Großräschener Orgelkonzerte zu verdanken, die in diesem Jahr mit dem 100. Konzert ein Jubiläum feiern.
Ihm sei es um die Dokumentation der Kircheninstrumente in dieser Landschaft gegangen, so, wie das in anderen Landschaften bereits geschehen sei. Insgesamt acht CDs solle es geben. Bei der Suche nach den Orgeln in den Kirchen der Niederlausitz sei deutlich geworden, dass nicht jede Orgel auch bespielbar gewesen sei. Oft habe es am Geld gefehlt, die Orgel zu restaurieren. In Lübben, lobte er, sei die Orgel vor dem Rausreißen gerettet worden. Bei der Einweihung nach der Restaurierung sei er dabei und dankbar gewesen, dass es Menschen gegeben habe, die für die Schuke-Orgel spendeten. Ebenfalls auf der CD, die durch ein 32-seitiges Textbuch ergänzt wird, sind die Neu Zaucher, die Straupitzer, die Burger, die Zerkwitzer, die Wilhelm-Sauer- und die Jehmlich-Orgel in Lübbenau, vertreten. Nachdem die Zuhörer Liedbearbeitungen auf der Schuke-Orgel zu hören bekamen, befasste sich Albrecht Böhnisch, der Theologiestudent, eingehend mit der Orgellands chaft Niederlausitz unter geschichtlichen Aspekten.
Auch der Organist durfte für kurze Zeit das Orgelspielen lassen, um dem Publikum die Unterschiede der Orgeln zu verdeutlichen. Eigentlich, so Knappe, hätten sie „neben Kleinigkeiten nur den Namen gemeinsam“ . Im Gegensatz zu anderen Instrumenten bedürfe eine Orgel längerer Vorbereitung zum Erkennen der Facetten eines Klangbildes, ehe man sie spielen könne. „Im Idealfall gelingt es, die passende Musik zum Instrument für ein Konzert zu finden.“ Garantiert sei das wegen der Klangfarben nicht. Zu dieser CD sagte er, dass sie mit Musik der Gegenwart (etwa 30 Jahre alt) beginne und ende.
Musikalischer Höhepunkt des Nachmittags war dann, als Knappe acht Variationen zu „Geh aus mein Herz und suche Freud'“ spielte, die ein Hamburger Komponist auf Wunsch von Knappe geschrieben hatte. Wer genau hinhörte konnte ohne große Schwierigkeiten die Motive des Originals heraushören.
Den Abschluss des Redeteils bildete der Beitrag des „Technikers“ Knut Becker. Er machte klar, welche Herausforderung die Aufnahmen von „Orgel und Raum“ gewesen seien. Er sprach von „einem Erlebnis, sich in die Arbeit zu stürzen“ . Becker betonte aber auch, dass die CD ein „Ergebnis der gemeinsamen Freude an der Arbeit und nicht von Bits und Bytes“ gewesen sei.
Dank an alle, die das Entstehen dieser CD unterstützt haben, stattete Rudolph Böhnisch zum Ende der Veranstaltung ab, als er an Pfarrer, Kantoren und Gemeindekirchenräte die erst am Freitag frisch „gebrannten“ CDs überreichte.