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| 17:33 Uhr

Brandenburger Waldschulen sollen reihenweise geschlossen werden
Nicht ganz dicht

Hier kommt die Jugend mit der Natur in Berührung: Bei den Waldjugendspielen in Lübben erkunden Kinder den Wald.
Hier kommt die Jugend mit der Natur in Berührung: Bei den Waldjugendspielen in Lübben erkunden Kinder den Wald. FOTO: Waldschule
Lübben. Die Landesregierung will bei der Waldpädagogik sparen und Schulen schließen. Das würde die Waldschule „Zum Specht“ bei Lübben betreffen – und weitere Einrichtungen in der Lausitz. Von Steven Wiesner und Stephan Meyer

Seit einiger Zeit schon wurde darüber getuschelt, mittlerweile sind das Problem und seine Zahlen konkret. Das Personalbedarfskonzept der Landesregierung für das Jahr 2020 sieht vor, Geld und Stellen einzusparen. Vor allem im Bereich der Waldpädagogik. 14 Waldschulen und 35 Mitarbeiter gibt es aktuell in Brandenburg. Die neue avisierte Aufstellung jedoch hat eine drastische Reduzierung auf nurmehr drei Schulen und vier Mitarbeiter zum Ziel. Verfechter der Umweltkultur gehen deswegen auf die Barrikaden – oder die Borken.

Benjamin Raschke ist einer der Lautsprecher der Bewegung, die sich für den Erhalt der Waldschulen und deren Bildungsauftrag stark machen will. „In den Waldschulen wird Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen die Bedeutung der Umwelt praxisnah wie sonst an kaum einem anderen Ort vermittelt“, sagt der Landtagsabgeordnete und umweltpolitische Sprecher der Grünen. „Wir müssen dafür kämpfen.“

Eigentlich plädiert der 35-Jährige, der in Lübben geboren und in Schönwalde aufgewachsen ist, vielmehr für einen Ausbau der gegenwärtigen Struktur. Jetzt aber geht es erstmal darum, den Status quo zu verteidigen. „Mit den Waldschulen erreichen wir im Jahr mehr als 70 000 Besucher.“ Zwei Millionen Euro koste die Unterhaltung aller 14 Schulen pro Jahr. „Ich sehe keine Notwendigkeit, bei der Waldpädagogik zu sparen. Da gäbe es andere Bereiche.“

Sollte das Konzept tatsächlich beschlossen werden im Dezember, würde das wahrscheinlich auch die Waldschule „Zum Specht“ in Börnichen von der Landkarte radieren. Und mit der Waldschule Kleinsee in Peitz sowie dem Grünen Lernort in Baruth vermutlich noch zwei weitere Einrichtungen in der Lausitz.

Auch der Lübbener Stadtverordnete Frank Selbitz würdigte unlängst den Einfluss der Waldschule Börnichen. „Sie leistet seit Jahrzehnten hervorragende umweltpädagogische Arbeit für die Menschen im Landkreis. Von Kindern bis Senioren werden die Angebote genutzt“, sagt er. Mehr als 5000 Gäste zählt die Waldschule „Zum Specht“ jährlich. Vor allem Kinder kommen hier mit der Natur in Berührung und werden für Flora und Fauna sensibilisiert. „Wir können uns einfach nicht erlauben, diese Schulen zu schließen“, betont Benjamin Raschke.

Mit Diskussionen und Änderungsanträgen könne er zwar etwas Stimmung machen, alleine wird er die Waldpädagogik aber nicht retten können. Am 5. September tagt der Umweltausschuss des Landesparlaments in Potsdam. „Da brauchen wir so viele Menschen und Besuchergruppen aus Lübben wie möglich“, sagt Raschke. „Denn wenn die Schule einmal dicht ist, ist sie dicht.“