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Neun Nationen unter einem Dach

Flüchtlinge, Mitarbeiter und Gäste haben das Sommerfest gemeinsam gefeiert in der Gemeinschaftsunterkunft in Lübben.
Flüchtlinge, Mitarbeiter und Gäste haben das Sommerfest gemeinsam gefeiert in der Gemeinschaftsunterkunft in Lübben. FOTO: asd1
Lübben. Menschen aus neun Nationen leben derzeit in der Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge in der Friedrich-Ludwig-Jahn- Straße in Lübben. Andreas Staindl / asd1

Sie stammen aus Syrien, Somalia, Eritrea, Afghanistan, Pakistan, Tschetschenien, Armenien, dem Iran und dem Sudan. 65 Kinder, Frauen und Männer sind es insgesamt. "Wir haben noch freie Kapazität", sagt Anna Lorej. Die Einrichtungsleiterin hat mit Bewohnern und Gästen Sommer-und Begegnungsfest gefeiert. Der Landkreis Dahme-Spreewald beteiligte sich finanziell.

Haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter hatten das Fest gemeinsam mit den Flüchtlingen vorbereitet. "Die Ehrenamtlichen sind eine große Hilfe", sagt Anna Lorej. "Sie begleiten die Flüchtlinge im Alltag." Petra Kaschner ist eine von ihnen. "Ich will den Flüchtlingen helfen, sich zu integrieren. Ohne uns Bürger funktioniert das nicht." Sie trifft sich asylsuchenden Frauen und Kindern zum Erfahrungsaustausch in Lübben. "Die Treffen sind immer gut besucht." Petra Kaschner hat sich bewusst für die Unterstützung von Flüchtlingen entschieden. "Das Engagement für Randgruppen liegt mir am Herzen", sagt sie. Trotz Enttäuschungen gibt sie nicht auf. "Das Verhalten mancher Flüchtlinge, etwa, wenn es um Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit geht, deckt sich nicht mit meinen Vorstellungen", sagt sie. "Das mache ich auch unmissverständlich klar. Aufgeben kommt für mich dennoch nicht in Frage."

Annabell Mai arbeitet als Sozialpädagogin in der Gemeinschaftsunterkunft. "Ich werde von den Bewohnern akzeptiert", erzählt die 23-Jährige. "Sie vertrauen mir, etwa dann, wenn es um das Ausfüllen von Anträgen geht." Familien mit Kindern wohnen in dem einen, alleinstehende Männer in dem anderen Haus der Gemeinschaftsunterkunft. "Ich bin hier noch nie belästigt worden", sagt Annabell Mai. "Im Gegenteil: "Viele Bewohner bedanken sich mit netten Worten, wenn ich ihnen helfe." Omar Abdalrahman lebt seit etwa eineinhalb Jahren in Lübben, erst im Heim, inzwischen in einer eigenen Wohnung in Lübben-Nord. "Ich möchte wie früher als Friseur arbeiten", erzählt der 28-Jährige aus Aleppo in Syrien. Ein Praktikum in einem Friseur-Salon in Lübben habe er schon absolviert: "Frauen zu frisieren ist neu für mich." Derzeit absolviert er einen Kurs an der Volkshochschule Dahme-Spreewald. "Viele unserer Bewohner gehen einer Beschäftigung nach", sagt Anna Lorej. "Sie lernen Deutsch oder machen Praktika, einige haben auch feste Arbeit. Die Kinder gehen zur Schule oder in Kitas."

Slavik Asoyan hat sich für den Bundesfreiwilligendienst in der Kreissportjugend des Landkreises Dahme-Spreewald entschieden: "Ich liebe Sport", sagt der 19-Jährige aus Armenien. "Deshalb macht mir die Aufgabe großen Spaß." Er geht mit anderen Mitarbeitern der Kreissportjugend etwa in Kindergärten, leitet dort Mädchen und Jungen sportlich an. "Ich möchte gern Sozialarbeiter oder Erzieher werden", sagt Slavik Asoyan. Ines Margraf nimmt Flüchtlinge an die Hand, geht mit ihnen etwa auf Wohnungssuche. Ihre Erfahrung: "Es ist unheimlich schwer, eine Wohnung zu finden." Sie engagiert sich im Projekt "Patenschaften" der Diakonie, hat zudem das Fest am Freitag mitgestaltet.

Der Ortsverband des Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) Luckau/Dahme betreibt die Gemeinschaftsunterkunft in Lübben. "Einige Bewohner leben schon seit 2016 hier", sagt die Einrichtungsleiterin. Obwohl Menschen aus neun Nationen auf engstem Raum zusammenleben, gebe es keine größeren Probleme. "Drei Frauen sind derzeit schwanger", erzählt Anna Lorej. "Sie haben deshalb Verständnis dafür, dass Familien mit Kindern Ruhe im Haus haben wollen. Auch andere Flüchtlinge halten sich daran."

Das Sommerfest haben ohnehin alle gemeinsam gefeiert. Kulinarisch war es ein Streifzug durch die Speisekarten verschiedener Länder. Das Fest war aber auch Gelegenheit, den ehrenamtlichen Helfern danke zu sagen und miteinander in Kontakt zu kommen. Das ist trotz teils heftigen Regens gut gelungen. Einige der vorbereiteten Spiele wurden kurzerhand in die Gebäude verlegt. Eine Abwechslung für die Flüchtlinge war das Fest auf jeden Fall.