Flanieren unter Arkaden – unter anderem mit dieser Idee war vor über 15 Jahren die Neubebauung des Marktes in Lübben beschlossen werden. Dabei sollten die Säulengänge im Erdgeschoss der Häuser Markt 6 und Hauptstraße 57 auch ein Denkanstoß sein. Einwohner und Touristen wollte man so an die historische Situation und die ursprüngliche Ausrichtung des Marktes erinnern.

So richtig aufgegangen ist das Konzept nicht. Flaniert ist zwischen den Säulen fast nie jemand. Stattdessen verwandelten sich die Arkaden – zum Ärger einiger – in Abstellbereiche für Tische und Stühle oder sogar für Kartons. Bis schließlich ein Geschäftsinhaber seine Ladenfläche bis zu den Arkaden ausdehnte und Schaufenster zwischen den Säulen anbringen durfte. Die ursprünglich gewünschte Luftigkeit ist zumindest in diesem Bereich nicht mehr gegeben.

Stadtverordnete erlauben Glas zwischen Säulen

Per Beschluss erlauben die Stadtverordneten nun, dass auch die übrigen offenen Arkaden an der Lübbener Hauptstraße geschlossen werden dürfen. Sie einigten sich vor wenigen Tagen in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung.

Hintergrund dieser Entscheidung ist der Wunsch des gegenüberliegenden Bäckers in das Eckgeschäft am Markt umzuziehen. Zusätzliche Sitzplätze sollen zwischen den Säulen eingerichtet werden, damit die Gäste abgeschottet vom kühlen Wind und fern vom Straßenlärm gemütlich Kuchen und Kaffee genießen können. Deshalb stellte Bäcker Bubner einen Bauantrag, unter anderem um eine Verglasungen zwischen den Säulen anzubringen.

Lübben

Im Bauausschuss diskutierten die Stadtverordneten eifrig. In der folgenden Stadtverordnetenversammlung erläuterte Baufachbereichsleiter Frank Neumann noch einmal den Sachstand. Bevor die Entscheidung mit zehn Ja-Stimmen, bei fünf Enthaltung für die Verglasung viel. Jedoch sieht der Beschluss vor, dass die Verglasung der noch übrigen Arkaden einheitlich geschehen solle. Ein Gestaltungsvorschlag des Finsterwalder Architekturbüros Langer liegt im Rathaus bereits vor.

Eigentümer fürchtet Zwang zur Verglasung

Dies wiederum macht Lübbener Werner Schniese aus Luckau Sorgen. Er hat das Gebäudes an der Ecke Markt und Hauptstraße bauen lassen und ist auch der Vermieter des Dönerimbisses. „Mit mir hat noch gar niemand über die Arkadenverglasung gesprochen“, erklärt er gegenüber der RUNDSCHAU. Keinesfalls wolle er im Bereich des Imbisses, der immerhin zwei Drittel der noch offenen Arkaden umfasst, Scheiben anbringen. Für den Imbiss sei es nicht nötig. Tische und Stühle stehen zwischen Säulen und Schaufenster. Dies funktioniere seit Jahren gut.

Gegenüber der RUNDSCHAU versichert Stadtsprecherin Dörthe Ziemer, dass die Verglasung der Arkaden eine Befreiung von der bisherigen Festlegung im Bebauungsplan darstelle: „Ein Zwang leitet sich daraus nicht ab.“ Jedoch fordert die Kommune bei einer Komplettverglasung eine einheitliche Gestaltung. Die verschiedenen Bauherren oder Eigentümer müssten sich also absprechen. Für bauliche Veränderungen müsse jedoch jeder einen eigenen Bauantrag stellen und jeder dementsprechend auch die Kosten für den Umbau seines Objektes tragen, so Ziemer.

Wann letztlich der Umbau im Eckgeschäft beginnt, sei noch offen. Bäckerei Bubner wolle keinen Zeitplan nennen, da man sich noch in der Antragsphase befinde. Das ein Bauantrag vorliegt, bestätigt auch Baufachbereichsleiter Neumann. Genehmigt werde dieser vom Bauordnungsamt des Landkreises, so Ziemer. Die Stadt werde dabei jedoch angehört.