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| 18:48 Uhr

Tag der offenen Tür
Neuer Glanz, altes Aroma

Tag der offenen Tür, Kläranlage
Tag der offenen Tür, Kläranlage FOTO: LR / Steven Wiesner
Lübben. Vier lange Jahre lang war das Lübbener Klärwerk aufwendig saniert worden. Nun konnten sich die Besucher beim Tag der offenen Tür von der 5,5 Millionen Euro teuren Anlage überzeugen. Von Steven Wiesner

„Der Mensch besieht sein Spiegelbild nicht im fließenden, sondern im stillen Wasser“, soll der chinesische Mystiker Dschuang Dsi mal gesagt haben, und man möchte ihm kaum widersprechen. Noch mehr Freude aber dürfte der Mensch an sauberem Wasser haben. Und als umso wichtiger ist die tägliche Arbeit von Bert Dörre und seinen Kollegen von der Stadtentwässerung Lübben (SEL) einzuordnen.

Von genau dieser konnten sich am Freitag auch alle Einwohner höchstpersönlich überzeugen beim Tag der offenen Tür. Natürlich gibt es einladendere Orte als eine Kläranlage. Das Lübbener Exemplar erstrahlt dieser Tage zwar in neuem Glanz, das Aroma aber ist geblieben, und es wäre auch sonderbar, wenn es hier nach Chanel Nummer Fünf und nicht nach Elefantengehege duften würde. Insofern hielt sich das Anstehen und Gedränge auf der Anlage in Grenzen. „Wir sind nicht der Sommerschlussverkauf in der Shoppingmall“, weiß auch Werkleiter Dörre.

Die eine oder andere Besuchergruppe fand dennoch den Weg zum Klärwerk, um den hiesigen Arbeitskreislauf nachempfinden zu können. Und der ist spannender als erwartet. 690 000 Kubikmeter Schmutzwasser fließen hier pro Jahr aus der Kanalisation durch die Anlage und nach der minutiösen Reinigung zurück in die Spree, während der Schlamm herausgefiltert und der Kompostieranlage zugeführt wird. Eigen- und Fremdkontrollen bezeugen die Qualität des Wassers. „Da wir uns hier in einem umweltgeschützten Biosphärenreservat befinden, sind die Auflagen auch strenger als anderswo“, erklärt Bert Dörre, der seit vier Jahren als Werkleiter fungiert.

Er hat also auch die Rekonstruktions- und Sanierungsphase miterlebt, die vor genau vier Jahren begonnen hatte und vor zweieinhalb Wochen mit der Abnahme der Anlage beendet wurde. Hier und da kann eine solche Maßnahme auch mal nur die Hälfte der Zeit in Anspruch nehmen. „Bei uns hat alles so lange gedauert, weil der laufende Betrieb gewährleistet werden musste“, erklärt Bert Dörre.

Nun aber ist die für 5,5 Millionen Euro aufgepäppelte Kläranlage fertig – und sie hat auch Astrid Knöhfel überzeugt. Sie war eine der Besucherinnen und nutzte den Tag der offenen Tür, um mal am Arbeitsplatz ihres Gatten vorbeizuschauen. „Man will das ja alles mal sehen und erklärt bekommen“, sagte sie. „Das ist schon interessant.“

Ihr Mann ist Instandhaltungsmechaniker für Wasser und Abwasser und einer von zehn Werksarbeitern. Vier erhalten den Kreislauf auf der Anlage aufrecht, die anderen sechs machen sich im Kanalnetz die Hände schmutzig. Dörre: „Das sind die Jungs, die die Drecksarbeit machen. Und die machen sie verdammt gut.“ Und nur deshalb kann sich der Mensch in Lübben auch weiterhin in sauberem Wasser spiegeln.

Werksmitarbeiter Daniel Knöhfel (M.) lässt eine Besuchergruppe in die Kanalisation schmulen. 40 bis 50 Gullydeckel öffnet er am Tag.
Werksmitarbeiter Daniel Knöhfel (M.) lässt eine Besuchergruppe in die Kanalisation schmulen. 40 bis 50 Gullydeckel öffnet er am Tag. FOTO: LR / Steven Wiesner