Von Ingvil Schirling

Es sieht ganz nach moderner Gemütlichkeit aus, was auf den Plänen des Finsterwalder Architekturbüros Langner zu sehen ist: Hinter der Glasfront des Eckhauses am Lübbener Markt, zur Hauptstraße hin, sitzen Gäste, lassen sich zum Kaffee ein Stück Kuchen schmecken und blicken auf das Leben auf dem Lübbener Markt.

Soweit die Vorstellung auf Papier – die Wirklichkeit sieht im Moment noch anders aus. Zwischen Ladengeschäft und Arkaden ist ein Stück freier Raum.

Warum die Bebauung, links der Hauptstraße in Richtung Marktplatz, mit Arkaden und zurückgesetzten Ladengeschäften so ist, wie sie ist, erklärte Frank Neumann als Fachbereichsleiter Bauwesen während des jüngsten Bauausschusses. Wo die Arkaden beginnen und die Geschäfte zurückgesetzt sind, war einmal das Ende der Bebauung und der Beginn des Marktplatzes, der sich großflächig bis Kirche erstreckte.

Nicht jeder wollte kleineren Marktplatz

Viele Diskussionen hatte es damals gegeben, ob der Markt zugunsten von Läden und Wohnraum verkleinert werden sollte; nicht alle fanden das gut. Doch die große Mehrheit entschied sich im September 2002 für das abgestimmte Blockkonzept. Es erinnert an dieser Ecke an die historische Linie der Bebauung und schafft gleichzeitig Sichtachsen. Das Konzept gibt aber auch genaue Gestaltungsvarianten vor, die darin klar festgelegt sind. Und genau deshalb braucht es für die anvisierte Gemütlichkeit eine Ausnahme.

Ob die Stadtverordneten diese erteilen, ist noch offen. Die Sondierung im Bauausschuss fiel eher verhalten aus: zwei Abgeordnete votierten dafür, drei enthielten sich. Und es war gut, dass Architekt Kurt Langer bei der öffentlichen Beratung mit dabei war, denn es gab viele Fragen zum Detail: Wo werden die Eingänge sein? Wie viel Platz ist tatsächlich zwischen dem künftigen Ende der Verglasung und jetzigem Ladenbeginn? Der Eingang in das Eckgeschäft erfolgt vom Markt aus, erklärte Kurt Langer, im verglasten Raum werde Platz für eine Reihe Tische mit vier Stühlen sein. Doch wer wird dort künftig für Gemütlichkeit sorgen?

Kein Geheimnis

Bauamtsleiter Frank Neumann warf die Antwort ein: „Es ist ja kein Geheimnis, dass die Bäckerei Bubner sich dort erweitern will.“ Diese verfügt über ein sehr kleines Geschäft mit wenigen Tischen genau gegenüber, an der Ecke Hauptstraße/Judengasse. Zieht sie um, hätte sie im Eckhaus mehr Platz.

Die Verglasung aber hängt nicht ausschließlich an den Plänen der Bäckerei. Der Eckladen steht schon seit einiger Zeit leer – ursprünglich auch wegen seiner Größe. Mit dem Nachbarraum sei er bereits zusammengefasst, erklärte Frank Neumann. Doch für die Verglasung spricht ganz allgemein die Vergrößerung des Raums.

Es gibt schon eine Ausnahme

Ein Teil der ursprünglich offenen Arkaden ist bereits mit Ausnahmeregelung geschlossen, für die jetzigen Pläne wurde ein Gesamtkonzept gefordert, dessen Entwurf, wie es in der Beschlussvorlage heißt, den Gestaltungsvorgaben der Stadt entspricht. Der Grundgedanke, an die historische Bebauungsgrenze zu erinnern, bleibe erhalten.

Spannend wird nun, wie sich der Hauptausschuss am Montag, 14. Oktober, ab 17 Uhr im Rathaus dazu positioniert. Die Entscheidung treffen die Stadtverordneten voraussichtlich am 24. Oktober. Sie müssten diese Abweichung von der Gestaltungsregel offiziell zulassen.