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| 16:19 Uhr

Neue Ausstellung
Von wegen „wendische Tartarei“!

Marga Morgenstern sowie Margit und Dieter Fürst (v.l.) gehörten zu den Gästen der Ausstellungseröffnung am Donnerstag im Lübbener Stadt- und Regionalmuseum. Gezeigt wird die Schau „Musenhöfe an Oder und Spree“, die für Lübben mit zwei Tafeln ergänzt wurde.
Marga Morgenstern sowie Margit und Dieter Fürst (v.l.) gehörten zu den Gästen der Ausstellungseröffnung am Donnerstag im Lübbener Stadt- und Regionalmuseum. Gezeigt wird die Schau „Musenhöfe an Oder und Spree“, die für Lübben mit zwei Tafeln ergänzt wurde. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau
Lübben. Neue Ausstellung im Lübbener Museum beleuchtet kulturelle Salons auf dem Lande. Von Ingvil Schirling

Gepflegte Konversation, musizieren und Theaterspielen – dieser gesellige Zeitvertreib fand in der Romantik nicht nur in den bekannten Berliner Salons statt, sondern auch abseits der großen Schlösser auf den Gütern und Landhäusern adliger Familien auf dem Lande. Deren Treffen, Netzwerke und ganz persönliche Geschichten beleuchtet die neue Sonderausstellung im Museum Schloss Lübben, die am Donnerstag eröffnet wurde.

Die Ausstellung wurde erarbeitet vom Kleist-Museum Frankfurt (Oder) und für Lübben von Philip Kardel als wissenschaftlichem Mitarbeiter um zwei große Tafeln erweitert. „Wir haben damit den Blick der Niederlausitz hinzugefügt“, sagte er und erinnerte daran, dass dieser Landstrich – insbesondere der Lübben betreffende Krummspreesche Kreis – zuweilen als „wendische Tartarei“ bezeichnet wurde. Das bedeutet so viel wie Einöde, vor allem in kultureller Hinsicht. Der Hinweis ließ Marga Morgenstern, die zur Ausstellungseröffnung in den Wappensaal gekommen war, schmunzeln – besonders, als Philip Kardel nachschob: „Doch war auch die Niederlausitz nie von allen Musen verlassen.“

Denn die gesellschaftlichen Treffen dienten neben der Unterhaltung auch der gegenseitigen Inspiration, und so verwandelten sich die Schlösser und Herrenhäuser derer von Houwalds in Straupitz, Sellendorf und Lübben, Schulenburgs in Lieberose, Lynars in Lübbenau oder Solms in Sonnewalde zwischen dem Ende des 18. und Mitte des 19. Jahrhunderts regelmäßig in „Musenhöfe“, die heute der Ausstellung ihren romantischen Titel gaben.

„Christen und Juden, Frauen und Männer, Adlige und Bürgerliche fanden dabei zueinander“, so Kardel weiter. „Standes-, Geschlechts- und Religionsgrenzen konnten zumindest teilweise überwunden werden.“

Die Ausstellung erinnere an die Entdeckung „der Langsamkeit und des Nachdenkens“, ordnete Carsten Saß (CDU) ein. Der Kulturdezernent des Landkreises kritisierte in seinem Grußwort, dass dies heute eher ins Gegenteil verkehrt sei und regte an, das Neuhaus, „dieses Schätzchen, das mal ein Musenhof war“, beispielsweise für Gesprächsreihen wieder mehr zu nutzen. Der Landkreis hatte die Ausstellung als Projekt des Museums-Fördervereins finanziell unterstützt.

Lübbens Fachbereichsleiter für zentrale Dienste Michael Hase entgegnete, dass das Neuhaus noch immer ein Musenhof, ein Haus der Künste sei. Dort hat die Kreismusikschule ihre Räume, wurde kürzlich das 25-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft gefeiert und finden Konzerte statt. Nach den Verkaufsversuchen im Jahr 2016, die Hase zufolge letztlich auch deshalb scheiterten, „weil Lübben damit keinen Zugriff auf einen wesentlichen Teil seines Erbes und seiner Kultur mehr gehabt hätte“, soll es nun wieder neu belebt werden. „Das setzt ein inhaltliches und Sanierungskonzept voraus“, so Hase, das perspektivisch 2020 nach der künftigen Ausrichtung für das Museum erarbeitet werden soll.

Die Ausstellung „Musenhöfe an Oder und Spree“ ist mittwochs bis sonntags von 10 bis 17 Uhr zu sehen.