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| 19:21 Uhr

155. Stollenreiten in Neu Zauche
Neu Zaucher Jugend bewahrt alte Traditionen

 Das Holzstammsägen erwies sich als die erhoffte Gaudi während des Stollenreitens gestern Nachmittag in Neu Zauche. Das Stollenreiten fand gestern zum 155.Mal im Oberspreewalddorf statt.
Das Holzstammsägen erwies sich als die erhoffte Gaudi während des Stollenreitens gestern Nachmittag in Neu Zauche. Das Stollenreiten fand gestern zum 155.Mal im Oberspreewalddorf statt. FOTO: Andreas Staindl
Robert Lehmann gewinnt das 155. Stollenreiten am Sonntagnachmittag in Neu Zauche. Elf Paare waren in diesem Jahr dabei und halten den sorbischen Brauch lebendig. Von Andreas Staindl

Am Ende ging es denkbar knapp zu. Doch die vierköpfige Jury legte sich fest: Robert Lehmann ist der Sieger des diesjährigen Stollenreitens gestern Nachmittag in Neu Zauche (Lieberose-Oberspreewald).

Er setzte sich im Finale gegen Benny Trogisch durch, der wenige Meter vor dem Ziel fast schon wie der sichere Sieger aussah. Der Zweitplatzierte hatte schon im vergangenen Jahr knapp das Nachsehen. Damals musste er sich Michael Leo geschlagen geben (die RUNDSCHAU berichtete). Auch diesmal ritt er knapp am Sieg vorbei.

Acht Reiter hatten sich an der 155. Auflage des Stollenreitens im Oberspreewalddorf beteiligt. „Wir sind stolz auf die jungen Männer, die sich der Herausforderung stellen“, hatte Maria Krautz zu Beginn der Veranstaltung gesagt. Sie gehört zu den Organisatoren des Stollenreitens, für das traditionell die Jugend den Hut aufhat.

Elf Paare waren in diesem Jahr dabei. Acht Reiter, drei Nichtreiter sowie die jeweiligen jungen Damen in ihren Trachten. Herausforderungen hatten alle von ihnen zu meistern. Das Reiten der jungen Männer ist der Höhepunkt. Geritten wird traditionell ohne Sattel. Doch während die Reiter früherer Generationen auf eigenen Pferden unterwegs waren, werden die Vierbeiner inzwischen von Reiterhöfen und Privatbesitzern gestellt, um die Tradition überhaupt am Leben zu erhalten. „Wir sind dankbar dafür, freuen uns auch über die anderen Unterstützern des Stollenreitens“, sagt Monique Kuschka, die wie Maria Krautz die Jugend des Dorfs anführt.

Etwa 650 Meter lang war die Wettkampfstrecke gestern auf dem Stoppelacker. Die jeweils zwei Schnellsten der beiden Vorläufe erreichten das Finale. Wer nicht dazu gehörte, ritt um die Tabakspfeife – den so genannten Trostpreis. Mirko Mroos gewann dieses Rennen wie schon im Vorjahr.

Die jeweiligen Partnerinnen der Reiter verfolgten die Rennen im Zielbereich. Sie waren anschließend während der Siegerehrung der besten Reiter gefragt. Das Umhängen der Eichenlaubkränze erwies sich in diesem Jahr aber für die Reiter fast schwieriger als der Ritt über das Stoppelacker selbst. Die Pferde waren sichtlich nervös und ließen sich nicht für das obligatorische Siegerfoto überzeugen. Das gab es diesmal halt ohne Vierbeiner.

Die Zeit drängte, auch vor den jungen Damen stand noch eine Herausforderung. Sie mussten diesmal einen Holzstamm sägen und gemeinsam mit ihrem männlichen Partner beweisen, wie gut beide auch während anstrengender Arbeit harmonieren. Nur das Paar, das die Säge gleichmäßig und dennoch schnell durchzog, hatte Chancen auf den Sieg in diesem Wettbewerb. Die Besten schafften das in weit unter einer Minute.

Frank Jerol moderierte auch diese Herausforderung gewohnt unterhaltsam. Das Publikum war begeistert, was die Jugend des Dorfs auf die Beine stellt. Es war am Sonntag erneut sehr zahlreich an den Acker in Richtung Wußwerk gepilgert. Sie folgten den Blasmusikanten, jungen Damen in Trachten und Reitern auf Pferden am Nachmittag zum Stoppelacker etwas außerhalb des Dorfs. Mit einem Gottesdienst hatte das Stollenreiten am Vormittag begonnen. Bei Blasmusik klang die Veranstaltung am Abend aus.

Das Stollenreiten hat bereits eine lange Tradition in Neu Zauche. Es war früher der Abschluss der Getreideernte. Die Bauern wollten mit dem außergewöhnlichen Wettbewerb herausfinden, wer das schnellste Pferd besitzt. Heute bewahrt die Jugend des Dorfs im Amt Lieberose-Oberspreewald diesen sorbischen Brauch.  

 Das Holzstammsägen erwies sich als die erhoffte Gaudi während des Stollenreitens gestern Nachmittag in Neu Zauche. Das Stollenreiten fand gestern zum 155.Mal im Oberspreewalddorf statt.
Das Holzstammsägen erwies sich als die erhoffte Gaudi während des Stollenreitens gestern Nachmittag in Neu Zauche. Das Stollenreiten fand gestern zum 155.Mal im Oberspreewalddorf statt. FOTO: Andreas Staindl