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| 15:44 Uhr

Naturschutz in der Innenstadt
Geschützte Unordnung im Hain

 Mit der Mobilitätsachse will die Stadt den Weg vom Bahnhof zur Innenstadt durch die geschützte Natur im Hain für Besucher und Einwohner attraktiv machen.
Mit der Mobilitätsachse will die Stadt den Weg vom Bahnhof zur Innenstadt durch die geschützte Natur im Hain für Besucher und Einwohner attraktiv machen. FOTO: LR
Lübben. Als Rest-Auwald steht der Hain unter Naturschutz. Die geplante Mobilitätsachse ändert daran nichts. Die ersten Pläne für den attraktiven Weg zur Innenstadt sollen im Mai vorliegen. Von Katrin Kunipatz

„Es sieht liederlich aus im Hain“, beschwert sich eine Leserin am RUNDSCHAU-Telefon. Umgestürzte Bäume blieben einfach liegen. Dazwischen wachsen überall junge Bäume nach. Wer einen so schönen Park im Zentrum der Stadt habe, der sollte diesen auch pflegen, zumal das alte Holz Schädlingen Nahrung biete, so die Leserin.

Tatsächlich sieht es im Hain wild aus. Ursprünglich wuchert die Natur hinter dem nicht einmal kniehohen Geländer, das die breiten Wege begrenzt. Und es ist so beabsichtigt. „Beim Hain handelt es sich nicht um einen Park, sondern um ein Naturschutzgebiet, einen Rest-Auwald“, erklärt Ralph Stolpe, Leiter des Baubetriebshofs auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Deshalb würden nicht alle Bereiche beräumt. Beispielsweise gibt es Totholzhecken, die Kleinstlebewesen als wichtige Lebensräume dienen, so Stolpe.

Bei der Pflege und Unterhaltung müsse die Stadt im Hain deshalb dem Naturschutz und dem Naturerleben gleichermaßen gerecht werden. „Dabei ist dem Naturschutz der Vorrang zu geben“, sagt der Leiter des Baubetriebshofs. Das Resultat kann man jetzt zum Frühlingsbeginn erleben. Im Hain empfängt vielstimmiges Vogelgezwitscher den Spaziergänger, der gerade noch die Geräusche der fahrenden Autos auf der Breiten Straße im Ohr hatte. In der Ferne klopft ein Specht emsig an einen Baumstamm. Wer genau hinsieht, entdeckt eine Meise, die sich gerade eine Baumhöhle als Brutstätte herrichtet.

Aber es seien einige Wege im Hain nicht begehbar, bemängelt die Anruferin. Dem widerspricht Ralph Stolpe. „Die offiziell ausgewiesenen Wege sind derzeit vollumfänglich nutzbar und ordentlich hergerichtet“, sagt er. Tatsächlich ist alles sauber, Müll oder Hundehaufen liegen nicht herum. Andere Trampelpfade, die außerhalb der angelegten Wege entstanden seien, wurden und werden wieder zugemacht, so Stolpe. Denn Naturschutzgebiete dürfen in der Regel nur auf ausgewiesenen Wegen betreten werden. Zumal die Stadt ihre Verkehrssicherungspflicht auf diese ausgewiesenen Wege beschränke. Im Zusammenhang mit der zwischen Bahnhof und Breiter Straße geplanten Mobilitätsachse auch die kleinen Plätze stärker definiert und so die Natur erlebbar gemacht werden.

Voraussichtlich im April werde das beauftragt Planungsbüro erste Unterlagen zur Mobilitätsachse bei der Stadtverwaltung vorlegen, so Pressesprecherin Dörthe Ziemer. Im Mai würden die Entwürfe im Bauausschuss vorgestellt und im Herbst könnte die Planung abgeschlossen und die Umsetzung der Baumaßnahme in mehreren Abschnitten vorbereitet werden. Wie Ziemer weiter erläutert, sei es gemeinsamer Wunsch von Stadtverwaltung und Stadtverordneten 2020 an der Friedensstraße mit den Bauarbeiten zu beginnen.

Nicht in die Pläne zur Mobilitätsachse einbezogen ist der Platz, auf dem mit rötlichem Schotter der Standort der ehemaligen Hospitalkirche markiert ist. Jedoch überwachsen Moos und Gras an einigen Stellen den Grundriss, bemängelt die Anruferin. Ein Umstand, der der Stadtverwaltung bekannt ist. Jedoch könne das Unkraut in der Nähe der Berste nicht mit chemischen Mitteln bekämpft werden, so der Baubetriebshofchef. Im Sachgebiet Stadtplanung werde an einer Neugestaltung des Platzes gearbeitet. Ziel sei es, den Grundriss der Kirche wieder sichtbar zu machen und dem Gelände als Übergang von der Innenstadt zum Hain neue Aufenthaltsqualität zu geben. Wie und wann dies passieren soll, sei jedoch noch offen, so die Stadtverwaltung.

 Abgesägte Bäume bleiben im Hain liegen. Hintergrund dieser scheinbaren Unordnung ist der Naturschutz.
Abgesägte Bäume bleiben im Hain liegen. Hintergrund dieser scheinbaren Unordnung ist der Naturschutz. FOTO: LR / Katrin Kunipatz
 Abgesägte Bäume bleiben im Hain liegen. Hintergrund dieser scheinbaren Unordnung ist der Naturschutz.
Abgesägte Bäume bleiben im Hain liegen. Hintergrund dieser scheinbaren Unordnung ist der Naturschutz. FOTO: LR / Katrin Kunipatz