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| 19:24 Uhr

Vom Hirschkäfer bis zur Dünenspringspinne
Naturfotograf Sebastian Hennigs fängt Lieberoser Wildnis mit Kamera ein

 Naturfotograf Sebastian Hennigs entdeckt ein vielfältiges Leben in wüsten Gebieten, beispielsweise diese Schlingnatter.
Naturfotograf Sebastian Hennigs entdeckt ein vielfältiges Leben in wüsten Gebieten, beispielsweise diese Schlingnatter. FOTO: Andre Schaefer / Andre` Schaefer
Lieberose. Fotograf Sebastian Hennigs beobachtet mit der Kamera das vielfältige Leben auf Truppenübungsplätzen wie in der Lieberoser Heide. Von Ingrid Hoberg

Wüsten sind schön und voller Leben – das zeigen allseits beliebte Naturdokumentationen, die per Fernsehbild aus fernen Gegenden der Erde ins Wohnzimmer kommen. Eine unerwartete Artenvielfalt bietet sich aber auch in allernächster Nachbarschaft – auf ehemaligen Truppenübungsplätzen. Naturfotograf Sebastian Hennigs (38) hat sich davon faszinieren lassen, auch bei Lieberose.

Und er gibt diese Eindrücke, die er fotografisch brillant festhält, gern weiter. Erst kürzlich zeigte er in der Darre beim 4. Tag der Lieberoser Heide, was ihn in der wilden, vom Menschen nicht gehegten Natur beeindruckt. Seine Aufnahmen versetzten auch die Zuschauer, die ihre Region und die Natur eigentlich gut kennen, in Erstaunen.

Manches Tier, manche Pflanze ist nur noch selten zu finden. „Große Sandflächen sind prägend für die ehemaligen Übungsplätze – solche sandigen Dünen gab es nach der Eiszeit. Die Artenvielfalt ist enorm“, erklärt er in seiner Fotoshow „Explosives Erbe“. Nach dem Sand kommt die Heide, danach eine Landschaft mit Birken, die zu den Pionierbaumarten gehören. Eine beeindruckende Heidelandschaft ist die Reichers­kreuzer Heide, ehemals Teil des Truppenübungsplatzes, gehört sie heute zum Naturpark Schlaubetal.

Sebastian Hennigs hat viele Tierarten dokumentiert: Hirschkäfer, Moorfrösche, Smaragdeidechsen. „Die Blauflügelige Sandschrecke lebt hier, die Dünenspringspinne und Urzeitkrebse, die in vielen Bundesländern als ausgestorben gelten“, sagt er. Die filigranen und durchscheinenden Krebse sind eigentlich Flussauentiere. Pfützen, die sich nach einem Regen schnell in den Löchern von ehemaligen Panzerfahrstraßen bilden, ersetzen den kleinen urzeitlich anmutenden Tieren die aus der Landschaft verschwundenen Flussauen.

Solche Wunder der Natur entdeckt der Fotograf. „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht“, erzählt der Berliner, der sich seit früher Jugend im Naturschutz engagiert. Im Ruhrgebiet aufgewachsen, war er schon zeitig im Naturschutzbund aktiv. „Mit zehn Jahren bekam ich meine erste Kamera“, sagt er. Seitdem lässt ihn die Naturfotografie nicht mehr los. Später absolvierte er eine Ausbildung als Fotograf, studierte Geowissenschaften und arbeitete auch als Bildjournalist in den verschiedensten Bereichen.

Seit zehn Jahren lebt und arbeitet er in Ostdeutschland und entdeckte schnell die ehemaligen Truppenübungsplätze als Naturlandschaft.

Dort ist er meistens allein mit seiner Kameratechnik unterwegs – mit Genehmigung der Eigentümer, denn die Flächen sind nicht öffentlich zugänglich, zum Teil noch munitionsbelastet. Für die Lieberoser Heide ist die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg Ansprechpartner. Nach Abzug der sowjetischen Truppen in Brandenburg kaufte die Stiftung ab 1997 Flächen, um sie dauerhaft für die Wildnisentwicklung zu sichern. Dort sollen natürliche Prozesse eigendynamisch und ohne menschliche Eingriffe ablaufen. Was sich dann tut, beobachtet Sebastian Hennigs über Jahre. Seine Fotografien sind ein Porträt der Wildnis und liefern auch Vergleichsdaten über die Jahre.

Sein Buch „Explosives Erbe“, das Ende 2018 im Knesebeck Verlag erschienen ist, gibt einen eindrucksvoll bebilderten Überblick. Begleitet hat er auch die Wiederansiedlung des Auerhuhns im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft. 1998 war in der Rochauer Heide das letzte Auer­huhn gesichtet worden, die Art galt als verschollen. Engagierte Naturschützer, Förster, Jäger und Waldbesitzer setzten sich für die Wiederansiedlung ein, es wurden erfolgreich Tiere aus Schweden umgesiedelt.

Die Wildnis der Lieberoser Heide wird ihn als Naturfotografen auch künftig nicht loslassen – und als Naturwissenschaftler. Seine Aufnahmen sind Zeitdokumente. Sebastian Hennigs wird weiterhin als Chronist die Wildnis porträtieren, immer auf der Suche nach Arten bleiben, die als selten oder verschollen gelten, und sein Wissen weitergeben.