Heimatforscher Rolf Ebert berichtet in seinen Erinnerungen an „runde Jahreszahlen anno 2006“ , dass im November 1806 in Lübben 1627 französische Soldaten und Offiziere unterzubringen gewesen waren. Aber wie sollten sie in ihre Privatquartiere kommen und sich zurecht finden, da die Lübbener ja kaum französisch sprachen? Wie schon im französisch besetzten Köln - ein Haus in der Glockengasse bekam die Nummer 4711 verpasst, was nun ein Markenname für Kölnisch Wasser ist - ließ der Lübbener Magistrat die Häuser nummerieren, und zwar eigenmächtig. Die sächsische Oberamtsregierung untersagte die Aktion. Städtische Boten wurden dann „Fremdenführer“ für die französischen Besatzer.
„Richtige“ Hausnummern gibt es in Lübben seit 1809: König Friedrich August I. von Sachsen verordnete im Markgraftum Niederlausitz die Registrierung der Häuser, also auch in Lübben.
Im neuen Lübbener Heimatkalender wird auch von der Bedeutung von Kurfürst Friedrich "Eisenzahn" für die Spreewaldstadt berichtet. Es gibt keine - der Kurfürst war nie in Lübben! Das große Huldigungs-Gemälde im Wappensaal sollte Kaiser Wilhelm II. beim für 1915 angekündigten Besuch beeindrucken. Aber Wilhelm hatte mit dem Ersten Weltkrieg mehr als genug zu tun und ließ Lübben im Stich.
Außerdem erfährt der Leser, dass mit der Gründung der "Niederlausitzer Provin zialsparkasse" am 1. Okto ber 1824, angeregt vom Landsyndikus Ernst Christoph von Houwald und vom Landessteuerkommissar Johann Georg Josef Mothes, in Lübben völlig neue Wege im Bankwesen jener Zeit gegangen wurden. Die Einwohner der Niederlausitz, heißt es in der Präambel des Geldinstituts, sollen „damit Gelegenheit erhalten, ihre kleinen Ersparnisse nicht nur sicher, sondern auch zinsbar unterzubringen, und sich ein Capital zu sammeln, welches sie bey Verheurathungen, Ergreifung eines Gewerbes, im Alter und im Falle der Noth benutzen können“ .
Der Heimatverein Lübben als Herausgeber hat in diesem Kalender auf Themenvielfalt geachtet. Die Geschichte der Juden in der Niederlausitz, dargestellt am Schicksal einer Lübbener Familie, behandelt eine Arbeit von Dr. Jürgen Stein. „Weißstorchen-Vater“ Arnulf Weingardt gibt Erkenntnisse aus 15 Jahren Bestandserfassung des seltenen Vogels weiter und Einblick in die Pflege und Hege der Klapperstörche im Spreewald. Rolf Friedrich verrät in seiner spannenden Abhandlung, was der Knauf des Lübbener Kirchturms 1891 enthielt und welche Schlüsse das auf die Stadtgeschichte in fernerer Zeit zulässt. Das Kalendarium gibt Hinweise auf Ereignisse in jüngerer Zeit. Ferner brachten sich die Malerin und Schriftstellerin Ingrid Groschke sowie der Mundart-Dichter Reinhold Broske mit heiteren Gedichten und Geschichten ein.
Das kleine Buch ist beim Heimatverlag Lübben, in der Heron-Buchhandlung, im Touristischen Zentrum auf der Schlossinsel sowie in Schreibwaren-Geschäften in der Lübbener Innenstadt für 3,50 Euro (unverbindlicher Herstellerpreis) zu haben. (-ds/dh)