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Spreewald
Nachlass eines kreativen Kopfs

Petra Köhler ist gern im Arbeitszimmer ihres verstorbenen Manns, von dem ein Bild am Bücherregal hängt. Der Schriftsteller Erich Köhler wohnte und wirkte von 1970 bis 2003 in Alt Zauche. Im Vordergrund sind einige seiner Werke zu sehen.
Petra Köhler ist gern im Arbeitszimmer ihres verstorbenen Manns, von dem ein Bild am Bücherregal hängt. Der Schriftsteller Erich Köhler wohnte und wirkte von 1970 bis 2003 in Alt Zauche. Im Vordergrund sind einige seiner Werke zu sehen. FOTO: Andreas Staindl
Alt Zauche. Petra Köhler hat den Nachlass ihres Mannes zu einer Ausstellung zusammengestellt.

Erich Köhler war ein außergewöhnlicher Schriftsteller. Seine Werke sind keine seichte Unterhaltung sondern vielmehr Literatur mit Tiefgang, geschrieben für eine „anspruchsvolle Leserschaft“ wie Petra Köhler (72) sagt. Sie verwaltet den Nachlass ihres verstorbenen Manns: Bücher, Aufzeichnungen, Brief- und Schriftverkehr, private Utensilien.

Erich Köhler ist 2003 in Alt Zauche (Lieberose-Oberspreewald) gestorben und dort auch beigesetzt. Im Arbeitszimmer seines Hauses am Waldrand im kleinen Ort deutet nichts darauf hin, dass der Schriftsteller schon seit fast 15 Jahren tot ist. Zahlreiche Tabakspfeifen des leidenschaftlichen Pfeifenrauchers liegen auf dem Schreibtisch, auch Feder und Tintenfass warten offenbar darauf, benutzt zu werden. Die alte Holzleiter lehnt so am hohen Bücherregal, als wäre sie eben noch im Einsatz gewesen; die Lampe leuchtet den Schreibtisch noch immer aus. Notizhefte stapeln sich auf dem Fußboden. Über dem Stuhl hängt die Jacke des Schriftstellers, am Regal dahinter ein Bild von ihm. Käme er zur Tür herein-man würde sich vermutlich nicht mal wundern.

Petra Köhler lässt das Arbeitszimmer ihres Manns bewusst unverändert. Es ist Teil des Nachlasses eines kreativen Kopfs und strittigen Zeitgeists. Erich Köhler schrieb den Leuten nicht zu Munde, sondern seine Bücher aus kommunistischer Überzeugung heraus. Er ließ sich nicht verbiegen, schon gar nicht beeinflussen. Dafür ging er ungewöhnliche Wege. Erich Köhler war der einzige Schriftsteller in der DDR, der nach großem literarischen Erfolg in der Landwirtschaft arbeitete. Freiwillig und aus Überzeugung.

Geboren wurde er 1928 in Taschwitz bei Karlsbad (heute Tschechien). Er stammt aus einfachen Verhältnissen, lernte mehrere Berufe, arbeitete in verschiedenen Betrieben, auch im Steinkohlewerk unter Tage sowie als Landarbeiter. Aus jener Zeit stammen auch seine ersten Schreibversuche-für die Kumpels, die Kollegen sowie die Wandzeitung. „Und er liebte das freie, ungezwungene Leben, die Natur“, erzählt Petra Köhler.

1956 erschien sein erstes Werk: „Das Pferd und sein Herr.“ Diese Erzählung, so hat es seine Frau erfahren, „hatte der Verlag mit Begeisterung angenommen“. Erich Köhler lebte in verschiedenen Orten und Regionen, bevor er über eine Stelle als Lektorat im Kraftwerk Lübbenau 1970 nach Alt Zauche kam – der Ort seiner „schöpferischsten Zeit“ wie Petra Köhler sagt. Der freischaffende Schriftsteller erhielt mehrere Auszeichnungen, unter anderem die Verdienstmedaille der DDR sowie den Heinrich-Mann-Preis der Akademie der Künste der DDR und den Vaterländischen Verdienstorden in Bronze. 1997 trat er in die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) ein. Nach seinem Tod gründete sich 2008 ein Arbeitskreis, der das Vermächtnis des Schriftstellers bewahren möchte.

„Wir treffen uns in unregelmäßigen Abständen, um das Leben meines Manns zu erforschen, sein Gedankengut zu verbreiten, etwa Lesungen anzubieten“, erzählt Petra Köhler. Sie ist die zweite Frau des Schriftstellers und lebt seit etwa 40 Jahren in Alt Zauche. Über eine Stiftung will sie sichern, dass nach ihrem Tod das Erbe ihres Manns nicht verloren geht.

Die wichtigsten Zeitzeugnisse hat die Witwe dem Archiv der Akademie der Künste in Berlin übergeben; die Öffentlichkeit kann darauf zugreifen. Kopien davon lagern in zahlreichen Ordnern im Arbeitszimmer im Haus im Oberspreewald. „Ich möchte sicher sein, dass nichts verloren geht“, erklärt die 72-Jährige die Fleißarbeit, die sie gemeinsam mit Mitstreitern auf sich genommen hat. Sie will das Vermächtnis ihres Manns einer möglichst großen Öffentlichkeit zugänglich machen. „Es wäre schön, wenn sich Schulen für seine Werke und sein Schaffen interessieren. Das würde den Unterricht sicherlich bereichern. Auch Touristen und andere Interessierte sind herzlich willkommen.“

Am 28. Dezember dieses Jahrs würde der Schriftsteller Erich Köhler 90 Jahre alt werden. Seine Frau will dieses Ereignis nicht verstreichen lassen. „Es wird eine würdige Veranstaltung geben“, kündigt Petra Köhler an. „Erste Ideen dazu gibt es bereits.“