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Nachbarn aus nah und fern in Lehde

Ein Parade-Beispiel für die viel zitierte Nachhaltigkeit: Peter Lehmann flocht beim Fest im Lehder Freilandmuseum eine Zuckertüte aus feinsten Weidenruten.
Ein Parade-Beispiel für die viel zitierte Nachhaltigkeit: Peter Lehmann flocht beim Fest im Lehder Freilandmuseum eine Zuckertüte aus feinsten Weidenruten. FOTO: Peter Becker/peb1
Lehde. Nachbarschaft – unter diesem Motto stand das diesjährige Fest im Lehder Freilandmuseum am Wochenende. Damit waren Nachbarn aus nah und fern gemeint, sagte Organisatorin Roswitha Winter vom Spreewaldmuseum. Und die kamen auch. Peter Becker / peb1

Dass sie nicht ganz so zahlreich erschienen wie in manchen anderen Jahren, mag dem unsicheren Wetter geschuldet sein. Am Programm kann es keinesfalls gelegen haben, denn mehr als 40 Handwerker, Gebrauchskünstler und Gewerbetreibende boten Einblick in ihr Können. Roswitha Winter: "Ich bin ihnen für ihre Treue sehr dankbar, denn das Lehder Fest ist anders als die Feste anderswo. Einfach mit dem Auto vor den Stand fahren, das geht nicht. Vieles muss getragen werden, Sperriges geht nur mit Kahn."

Auf der Bühne sorgten die Niewitzer Blasmusikanten für Frühschoppenstimmung, Kawuschke (Hans-Jürgen Jänsch) philosophierte über den Vorteil ferner Nachbarn, Jazzer aus Dresden, Günni aus Lübbenau, Drjewjanki aus Burg waren unterwegs in den Gängen - für jeden Besucher dürfte etwas dabei gewesen sein.

Die Kleinen fühlten sich von den vielen Mitmach-Angeboten angesprochen und wetteiferten bei traditionellen Kinderspielen ebenso wie beim Basteln und Handwerkeln.

Jonas Wolff aus Nordrhein-Westfalen beispielsweise trug mit Benjamin Sperling aus Zeitz aus, wer der Geschicktere beim Hufeisen-Zielwurf ist. Taiga Gaff ron aus dem sächsischen Glashütte trat gegen Museumspädagogin Mareike Breuer beim Seilspringen an. Laura Wittig kämpfte gegen den Flachs und erlebte ganz unmittelbar, wie schwer es früher war, aus Stroh Fasern zu machen. Die Achtjährige war mit ihrer Familie am Morgen mit der Bahn von Schön eiche nach Senftenberg gefahren, um dann einen großen Teil der Rücktour mit dem Fahrrad zu bewältigen. "Wir werden uns wohl heute verspäten, denn Laura muss alles erst mal ausprobieren - und hat noch viel vor sich!", so ihre Mama.

Am Stand der Burger Trachtenstickerin Christa Dziumbla hatte Nils Herold aus Leipzig das Maskottchen für seine Zuckertüte entdeckt. Er drängelte seinen Papa, und der machte einen Schein für den Strick-Moorfrosch locker, den sie schon auf einer Fahrradtour entlang des Radduscher Moorlehrpfades auf den Schildern gesehen hatten. Er hätte auch noch eine ganz originelle Zuckertüte bekommen können, wenn er nicht schon eine gehabt hätte. Peter Lehmann vom Rubisco-Verein zeigte an seinem Stand, wie aus feinsten Weidenruten eine Zuckertüte geflochten werden kann. "Die hält 100 Jahre und kann Generationen von Kindern dienen", ist sich der Flechter sicher, der immer wieder auf die Suche nach originellen Gegenständen aus Korbgeflecht ist. Das Flechten hat er sich beim Lübbenauer Frank Nopper abgeguckt.

Gleich neben ihm haben Doreen Haiasch und Kerstin Kunze etwas für die Hausfrau/den Hausmann im Angebot. Sie verkauften Gurkensalz, "mit allen Gewürzen drin, die fürs Einlegen gebraucht werden". Kerstin Rautenberg von der Lübbenauer Landmanufaktur musste den Gästen immer wieder den Vorteil von Hirseschalen-Kopfkissen erläutern.

Nebenan gackerte ab und zu mal ein Huhn. Es gehörte Chesy Lau aus Sabrodt, die mit ihren Großeltern und deren Ostereiermuseum gekommen war. Chesy trug die Tracht des Hoyerswerdaer Kirchspiels. Das Huhn war handzahm und folgte seinem kleinen Frauchen zur Freude der Besucher auf Schritt und Tritt.

Wein aus Brandenburg? Interessiert blieben viel am Stand des Luckauer Winzers Jürgen Rietze stehen. Er ließ verkosten und konnte so manche Flasche verkaufen.

Damit alles auch seinen sicheren Gang ging, patrouillierte Gendarm Harry Lierka immer wieder von vorn bis hinten über das Festgelände. Er ermahnte Raucher, kontrollierte die Stände der Händler und sorgte für freie Wege. Gegen den Rauch aus dem Räucherofen war er machtlos - der Duft von frisch geräuchertem Aal zog viele an, die sich gleich an den bereitgestellten Tischen darüber hermachten.