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| 21:15 Uhr

Nach dem Brand
LWG-Chef Freyer: „Niemand soll auf den Kosten sitzenbleiben“

 Fast zwei Wochen ist der Brand  in der Lübbener Schillerstraße her, jetzt wird wird an der Beseitigung der Feuer- und Wasserschäden gearbeitet.
Fast zwei Wochen ist der Brand in der Lübbener Schillerstraße her, jetzt wird wird an der Beseitigung der Feuer- und Wasserschäden gearbeitet. FOTO: LR / Liesa Hellmann
Lübben . Feuer in der Lübbener Schillerstraße: Die Renovierung läuft. Doch es gibt auch Fragen zur Erreichbarkeit. Von Ingvil Schirling und Liesa Hellmann

Es ist laut im Aufgang zwölf der Lübbener Schillerstraße. Die Renovierungsarbeiten laufen auf Hochtouren, damit die Mieter sobald wie möglich wieder einziehen können. Vor knapp zwei Wochen war in der Dachgeschosswohnung ein Feuer ausgebrochen. Der Mensch, der dort lebte, kam dabei zu Tode. Die Mietparteien der Schillerstraße 12 und der beiden benachbarten Aufgänge mussten evakuiert werden. In den Nachbarhäusern konnten sie gleich nach den Löscharbeiten wieder in ihre Wohnungen zurück.

Inzwischen sind die beiden unteren Etagen des direkt betroffenen Aufgangs ebenfalls wieder freigegeben. Vier Mietparteien müssen allerdings noch auf die Rückkehr in ihre angestammten vier Wände warten.

Die LWG hatte diese an Pensionen vermittelt, einige haben sich mittlerweile selbst weiter um Unterkünfte gekümmert. Wie mit den Kosten umgegangen wird, ist inzwischen etwas klarer. Zunächst müssen die Betroffenen ihre Unterkünfte auf Zeit selbst bezahlen. Die Ausgaben können sie bei ihrer Hausratsversicherung einreichen. Lehnt diese die Übernahme ab, soll die Versicherung der LWG einspringen. Deren Geschäftsführer Frank Freyer unterstreicht: „Wir werden dafür sorgen, dass niemand auf den Kosten für die Unterkunft sitzen bleibt.“

Kommende Woche soll eine Leerwohnung in dem betroffenen Hauseingang wieder beziehbar sein. Frank Freyer ist „optimistisch, dass es auch für die anderen Mietparteien schnell vorangeht.“

Ein Toter bei Wohnhausbrand in Lübben FOTO: stadtverwaltung Lübben

Den Gesamtschaden aus der Brandnacht zum 18. Januar kann die LWG weiterhin noch nicht beziffern. Sachverständige prüfen die erforderlichen Maßnahmen sowie die Kosten, die für ein neues Dach eingeplant werden müssen.

Unterdessen rumort es an ganz anderer Stelle. Auslöser ist eine Anfrage des Stadtverordneten Peter Schneider (Die Stadtfraktion). Der Wohnhausbrand habe „erneut die Frage der Erreichbarkeit der Stadtverwaltung und in diesem Fall auch der Lübbener Wohnungsbauverwaltung aufgeworfen“, schreibt er. Das Innenministerium erwarte eine telefonische Erreichbarkeit der Kommunen. An Bürgermeister Lars Kolan (SPD) richtet er die Worte: „Es ist aus meiner Sicht nicht ausreichend, dass ein Feuerwehrmann Ihre private Handynummer hat.“ Gleichzeitig fordert er ihn auf, einen Bereitschaftsdienst einzurichten.

Zur Frage, wie die Erreichbarkeit in solchen Fällen organisiert ist, sagt Bürgermeister Lars Kolan: „Es gibt eine permanente Bereitschaft über einen Mitarbeiter des Baubetriebshofs.“ Die sei im Grunde für Fälle gedacht, in denen beispielsweise eine Brücke Schaden genommen oder an einer bestimmten Stelle in der Stadt witterungsbedingt nachgestreut werden müsse. Da geht es zunächst um Situationen, in denen schnell reagiert werden muss, die aber keine allzu große Tragweite haben.

Anders war die Lage beim Brand in der Schillerstraße. „Für solche Fälle liegt diesem Mitarbeiter eine Liste vor mit meiner Erreichbarkeit und der der Fachbereichsleiter, in der Reihenfolge, in der sie anzurufen sind“, erklärt Lars Kolan. „Dann liegt es an uns, erreichbar zu sein. Bisher hat das immer geklappt.“

Polizei, Feuerwehr und Leitstelle hätten die Liste ebenfalls. Die LWG regele Havariefälle unter anderem über Kooperationsverträge mit Fachleuten in den Bereichen Gas, Wasser und Abwasser. Sobald eine größere Anzahl von Menschen betroffen sei, übernehme der Landkreis die „Großschadenslage“.

Wenn er innerhalb der Verwaltungsspitze einen Bereitschaftsdienst einrichten würde, müsse das entsprechend vergütet werden. Denn dann gelten feste Regeln, wer für welchen Zeitraum ein Bereitschaftshandy hat, erreichbar sein muss und damit außerhalb der üblichen Arbeitszeit „im Dienst“ ist. „Da hängt dann auch Geld dran, weil wir im Tarifrecht sind“, sagt er weiter.

Ein Auge auf die Frage der Erreichbarkeit hat derzeit auch der Landkreis. Dieser kann aber keine „verpflichtende Handlungsanweisung dazu erlassen“, so Sprecher Bernhard Schulz. Letztlich falle die Entscheidung unter die kommunale Selbstverwaltung.