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| 17:44 Uhr

Krausnick
Taufschale für Krausnicker Kirche

Der Diebstahl der Taufschale hat Krausnick-Groß Wasserburgs Bürgermeister und Gemeindekirchenrat Gerhard Buschick erschüttert. Dank Versicherung, guter Dokumentation und Spenden ist nun der Kauf einer neuen Taufschale für die Krausnicker Kirche möglich geworden.
Der Diebstahl der Taufschale hat Krausnick-Groß Wasserburgs Bürgermeister und Gemeindekirchenrat Gerhard Buschick erschüttert. Dank Versicherung, guter Dokumentation und Spenden ist nun der Kauf einer neuen Taufschale für die Krausnicker Kirche möglich geworden. FOTO: Ingvil Schirling / LR
Krausnick. Nach einem Diebstahl wird der ortshistorisch wertvolle Gegenstand nun ersetzt. Von Ingvil Schirling

Es gibt so Sätze, die vergisst man nie. Vor allem das Gefühl nicht, das damit verbunden ist. An einem Tag im Mai 2017 rief Pfarrerin Alina Erdem den Krausnick/Groß Wasserburger Bürgermeister Gerhard Buschick an. Der Unterspreewälder ist auch im Gemeindekirchenrat aktiv und sowohl mit den beiden Dörfern als auch mit der Kirche eng verbunden. Ob er im Archiv des Pfarrhauses am Metallschrank gewesen sei?, wollte die junge Pfarrerin wissen. Der sei nicht richtig zu.

Da dürfte Gerhard Buschick schon anders geworden sein. Ohnehin unterwegs, hielt er in Krausnick an. Noch immer sieht er vor sich, wie er den Raum betrat, wie die Tür verbogen am Rahmen lehnte, wie die Kirchenbücher mit der Geschichte aus Jahrhunderten von Krausnick, Neu Schadow, Neu Lübbenau und Schlepzig auf dem Boden lagen, sprichwörtlich mit Füßen getreten.

Jemand war eingebrochen, hatte die Bücher aus den Regalen gezerrt und Metallgegenstände gestohlen, darunter das Abendmahlgeschirr und – besonders schlimm – die Taufschale von 1692.

Für Gerhard Buschick ist die Erinnerung an dieses Bild, das er vor fast einem Jahr sah, so lebendig, als wäre es gestern gewesen. „Das sind nicht irgendwelche Bücher. Das sind Werte“, sagt er. „Wenn man irgendwo nicht weitergekommen ist, hat man dort nachgeschlagen.“ Besonders ältere Menschen, die nach dem Arbeitsleben zur Ruhe kommen, hätten das genutzt, um ihre Familiengeschichte aufzuarbeiten. Bis hin zur Stellung in der Gemeinde des Bräutigamvaters hätten die Kirchenbücher akribisch solche Zusammenhänge verzeichnet.

Bei der Taufschale aus Zinn sei der Materialwert vielleicht gering, sagt er weiter. Doch wie viele kleine Unterspreewälder wurden damit getauft? In wie vielen Leben und Familien hat sie diese wichtige Rolle gespielt? Und aus Dankbarkeit für die Versöhnung zweier Brüder einstmals gestiftet – was mag aus dieser Taufschale ganz im Stillen so vielen Menschenleben auf den Weg gegeben worden sein?

Wer die Täter waren, wurde nicht bekannt. Die Staatsanwaltschaft ermittelte, teilte aber nach drei Monaten mit, dass die Ermittlungen eingestellt worden seien.

Doch Gerhard Buschick trieb die Sache weiter um. Zumal in diese Zeit zwei weitere Einbrüche fielen, die zusammen so etwas wie eine kleine Serie ergaben. Betroffen war in den damaligen Frühlingstagen auch das Bürgermeisterbüro in Groß Wasserburg und das Dorfgemeinschaftshaus in Krausnick. Gestohlen wurde augenscheinlich nichts, aber der Vandalismus war groß. „Wie man sich fühlt, wenn man danach die Ordner wieder ins Regal stellt, ist unbeschreiblich“, sagt der nach wie vor erschütterte Bürgermeister.

Vor sich hat er einen Ordner mit einer akribischen Dokumentation aller Dinge, die zur Kirche gehören, auch dem Abendmahlsgeschirr und der Taufschale. Farbe und Form bis hin zu den feinen, handgearbeiteten Gravuren können somit genau nachvollzogen werden. Ein Glück – denn Dank Versicherung und drei Spendern wird das historisch wertvolle Stück demnächst neu hergestellt. Die Kontakte zu Fachleuten und spezialisierten Handwerkern in Dresden und Meißen sind bereits hergestellt. Ende des Monates sollen im Gemeindekirchenrat gemeinsam mit dem neuen Pfarrer Benjamin Liedtke die nächsten Schritte konkretisiert werden.

Wann die neue Taufschale fertig sein wird, ist noch offen. Doch mit ihr beginnt eine neue Geschichte von Vertrauen und gegenseitiger Unterstützung. Und davon, nicht zu ruhen, bis die Krausnicker Kirche wieder eine Taufschale hat, die zu ihr gehört.