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| 02:44 Uhr

Nabu kämpft um die Bäume

Um die Linden an der Lübbener Bahnhofstraße kämpft der Nabu-Kreisverband Spreewald. Er fordert in einem offenen Brief ein zweites Gutachten zum Erhalt, eine bessere Baumpflege und Nachbesserungen bei der Planung.
Um die Linden an der Lübbener Bahnhofstraße kämpft der Nabu-Kreisverband Spreewald. Er fordert in einem offenen Brief ein zweites Gutachten zum Erhalt, eine bessere Baumpflege und Nachbesserungen bei der Planung. FOTO: Ingvil Schirling
Lübben. Der Ausbau der Bahnhofstraße, zweiter Abschnitt, ist beschlossene Sache. Die Stadtverordneten haben eine Variante bestätigt, die viel mehr Bäume beinhaltet als ursprünglich geplant, dafür aber weniger Parktaschen. Dem Nabu Spreewald reicht das nicht. Er fordert Nachbesserungen bei der Planung, auch zum Baumschutz. Ingvil Schirling

"Andernfalls lassen wir die alten Linden erstmal besser stehen!" Um Klarheit ist der Naturschutzbund (Nabu), Kreisverband Spreewald, in diesem Punkt nicht verlegen. Ihm geht es um die Bäume in der Bahnhofstraße. Im Zuge des weiteren Ausbaus, diesmal geht es um den Abschnitt zwischen dem Hainmühlenweg und dem Bahnhof selbst, sollen nach jetzigem Stand alle Linden gefällt werden. Zu viele würden, so ein Gutachten, die Bauarbeiten nicht überstehen. 69 neue Bäume sollen gepflanzt werden. Doch der Nabu hat Zweifel an den vorausgegangenen Prüfungen.

Mängel in der Planung

In einem offenen Brief spricht der Vorstand um Arnulf Weingardt und Uwe Neumann an, dass aus seiner Sicht rechtzeitig vorher aufgezeigte Mängel an der Planung nicht behoben sind.

Im Kern geht es darum, dass für den Nabu der prägende Alleencharakter der Bahnhofstraße verloren gehen wird. Geplant sind zwar mehr Bäume als ursprünglich angedacht. Dafür hatte sich Andreas Rieger (Bündnis 90/Die Grünen) im Bauausschuss stark gemacht, und das Fachgremium war dieser Ansicht gefolgt.

Rieger gehört nicht zu den Unterzeichnern des Briefes und hatte in der beschließenden Stadtverordnetenversammlung noch weitere Kritikpunkte an den Ausbauplänen, die er Montag in der Verwaltung erneut vorbringen will. Er wolle "vermeiden, dass wir erst bauen und uns dann ärgern", argumentierte er damals.

Dem Nabu hingegen geht es darum, dass die eingestreuten Parktaschen, 14 an der Zahl, die Pflanzungen aus seiner Sicht lückenhaft erscheinen lassen, so dass der Alleencharakter am Ende nicht mehr erkennbar sei. Ein nur lückiger straßenbegleitender Baumbestand, "wird von uns nach wie vor abgelehnt", heißt es in dem Brief.

Die Naturschützer fordern daher Nachbesserungen bei der Planung. Es solle "für das Vorhaben eine qualifizierte Landschafts- beziehungsweise Freiraumplanung erstellt werden, welche insbesondere eine fachgerechte Pflanzung und nachhaltige Pflege der Alleebäume gewährleistet, ganz gleich ob Altbestand oder Neupflanzung", heißt es in dem offenen Brief.

Alleencharakter erhalten

Es sei weiterhin darzulegen, welche Möglichkeiten bestehen, den Alleencharakter der Straße zu erhalten und gleichzeitig die (Neu-) Anordnung von Parktaschen zu ermöglichen.

Der offene Brief kommt nun nach einer langen, mehrfachen und sehr ausführlichen Diskussion um die Ausbauvarianten für den Straßenabschnitt. Die Stadtverwaltung sei daher "überrascht", so die neue Sprecherin Dörthe Ziemer. Die Argumente seien ausgetauscht, die Fällung auch eine Frage der Verkehrssicherung. Schon am 5. Oktober sei die Variante vorgestellt worden. Der Nabu hätte zu diesem Zeitpunkt ebenfalls Gelegenheit gehabt, seine Fragen zu stellen.

Ähnlich hatten im Dezember vor der Beschlussfassung auch einige Stadtverordnete argumentiert. Und um den Alleencharakter zu erhalten, ist die Zahl der Bäume bereits zu Ungunsten der Parktaschen deutlich aufgestockt worden.

Doch der Brief des Nabu stützt sich auf ein mögliches Versäumnis in der Planung. Das Landesbüro anerkannter Naturschutzverbände hatte wegen des Umgangs mit den Bäumen eine ablehnende Stellungnahme zur Sanierung der Bahnhofstraße abgegeben - weit im Vorfeld der Entscheidung. Das Baumgutachten sei fachlich mangelhaft, heißt es darin.

Der Landesverband stellt in Frage, ob tatsächlich ein so hoher Anteil der Bäume die Bauarbeiten nicht überleben würden. Schließlich seien die Linden belastbarer, weil viele von ihnen keine artgerechte Krone mehr hätten. Das Fachgutachten sei in mehreren Punkten nicht genau nachvollziehbar und werte die Vitalität der Bäume zum Ende hin ab. "Eine zweite Bewertung nach Vitalitäts- und Schadstufen erachten wir für sinnvoll, da Linden mittelstarke Kronenschädigungen über Jahrzehnte im Zustand beharren und halten", heißt es darin.

In seiner Ablehnung stützt sich das Landesbüro der Naturschutzverbände aber auch auf den faunistischen Untersuchungsbericht. Dieser weise nach, dass der Baumbestand Nist- und Brutstätte von Vögeln und Fledermäusen sei. Ganz grundsätzlich wolle sich das Büro in der Ausführungsplanung nochmals äußern.

Ob mit dem Ausbau also wie geplant am 18. April gestartet werden kann, wird spannend.