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Glaube
Muslime und Jesiden in Lübben getauft

Luckaus Pfarrer Martin Meyer (li.) tauft eine Frau, andere Täuflinge schauen zu. Zwölf Geflüchtete aus dem Iran und aus Armenien wurden am Sonntag in der Pau-Gerhardt-Kirche in Lübben getauft.    Foto: Andreas Staindl   ..
Luckaus Pfarrer Martin Meyer (li.) tauft eine Frau, andere Täuflinge schauen zu. Zwölf Geflüchtete aus dem Iran und aus Armenien wurden am Sonntag in der Pau-Gerhardt-Kirche in Lübben getauft. Foto: Andreas Staindl .. FOTO: Andreas Staindl
Lübben. Beim Gottesdienst in der Paul-Gerhardt-Kirche hat der Luckauer Pfarrer Martin Meyer zwölf neue Gemeindemitglieder begrüßt.

Mehr Menschen als üblich kamen zum Gottesdienst in die Paul-Gerhardt-Kirche in Lübben. Das hatte einen Grund. Gleich zwölf Kinder, Jugendliche, Frauen und Männer wurden getauft.

Die Geflüchteten stammen aus dem Iran und aus Armenien. Martin Meyer hat sie getauft. „Für den neuen evangelischen Pfarrer in Luckau war das „eine große Freude, ein Festtag. Wir können zwölf neue Gemeindemitglieder begrüßen.“ Nicht ohne Vorbereitung. Die Täuflinge hatten zuvor drei Monate lang einen Taufkurs besucht. Martin Meyer hat ihn geleitet, und weil das Gros der Kursteilnehmer in Lübben wohnt, diese in der Paul-Gerhardt-Kirche getauft.

„Mit der Taufe bindet sich Gott ganz fest an uns“, sagte er während der Feier in Lübben. „Die Verbindung zu Gott bleibt für Ewig bestehen, auch über die Schwelle des Todes hinaus.“ Der Geistliche regte zudem zum Nachdenken an: „Gott übernimmt nicht die Verantwortung für unser Handeln. Aber er möchte, dass wir vergeben.“ Wohl ganz bewusst erwähnte er Mord, Hass, Zwietracht und Streit. Was davon die Täuflinge schon erfahren, vielleicht sogar am eigen Leib erlebt haben, bleibt offen, dürfte jedoch in diese Richtung gehen. Martin Meyer nannte wohl nicht umsonst „den größten Wunsch der jetzt getauften Kinder: Gott beschützt mich.“

Er bat die Christen, die neuen Mitglieder in der Gemeinde aufzunehmen. Die am Sonntag in Lübben getauften Muslime aus dem Iran sowie Jesiden aus Armenien sind durch die Taufe Christen geworden. „Sie müssen jetzt aber noch oft in die Kirche kommen“, sagt der Pfarrer, „denn mit dem Christentum ist man nie so richtig fertig.“

Der Anfang ist gemacht, erste Grundlagen wurden im Taufkurs vermittelt. „Auch für mich haben sich diese Treffen gelohnt“, sagt Martin Meyer. „Ich sehe mein eigenes Leben in Deutschland jetzt mit ganz anderen Augen. Normales ist plötzlich wertvoll geworden. Ich gehe reich beschenkt aus dem gemeinsamen Taufkurs während der vergangenen drei Monate heraus.“ Die Täuflinge selbst können auf Gott vertrauen. Ihre Taufurkunde belegt ihnen das auch schriftlich. Sie ist gemeinsam mit der Taufkerze eine sichtbare Erinnerung an die Taufe.

Pfarrer Martin Meyer verlas jeden einzelnen Taufspruch. Jeder Täufling erhob sich währenddessen, zeigte sich so der Gemeinde. Für den Geistlichen ein deutliches Zeichen, „dass sie dazugehören wollen“. Eine Taufe wird traditionell mit einem Fest gefeiert, eine von zwölf Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen erst recht. Die Feier im Anschluss an die Taufe in der Kirche fand im Richard-Raabe-Haus in Lübben statt. Gelebte Gemeinschaft halt. Die zwölf Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen waren nicht die ersten Flüchtlinge, die im Kirchenkreis Niederlausitz getauft wurden wie der Superintendent Thomas Köhler sagt: „Einige von ihnen kommen inzwischen regelmäßig in unsere Gottesdienste.“