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Museumsnacht bei Straupitzer Bahnfreunden

Philipp Seemann erläutert Gästen die Exponate des Museums und die die nächsten Aufgaben des Vereins.
Philipp Seemann erläutert Gästen die Exponate des Museums und die die nächsten Aufgaben des Vereins. FOTO: J. Harnath/jhh1
Straupitz. Zum zweiten Mal hat der Straupitzer Verein IG Spreewaldbahn im Rahmen des Straupitzer Erntedankfestes zur Spreewaldbahn Museumsnacht eingeladen. Seine Mitglieder mussten viele Fragen der Besucher beantworten. Und sie präsentierten neue Exponate auf dem Museumsgelände. Jürgen Harnath / jhh1 jhh1

Im vergangenen Winter ist Philipp Seemann vom Verein auf die Idee der Museumsnacht gekommen. "Wir haben auf dem Gelände viele Zuglaternen, Weichenlaternen usw. Diese in den Räumen des Museums auszustellen, ist eine Sache. Wir wollten sie den Besuchern aber auch in Betrieb zeigen und so kamen wir auf die Idee", erklärte Philipp Seemann.

So war das gesamte Bahnhofsgelände mit historischen Eisenbahnlampen ausgeleuchtet. Auch die Museumsräumlichkeiten des Vereins inklusive der Modellbahnanlage standen den Besuchern offen.

Das Museumsgelände des Vereins gehört inzwischen neben Schinkelkirche, Kornspeicher und Holländermühle zu den touristischen Attraktionen des Spreewaldortes. Und so fanden viele Eisenbahnfreunde am Samstagabend den Weg zum ehemaligen Bahnhofsgelände der "Spreewaldguste".

Mitglieder der Interessengemeinschaft hatten viele Fragen der Besucher zu beantworten und konnten Neuerwerbungen präsentieren. So steht seit gut einem Monat ein aufgearbeitetes neun Meter hohes Flügelsignal auf dem Museumsgelände, wie es einst als Einfahrtssignal am Straupitzer Spreewaldbahnhof vorhanden war. "Das Signal stammt aus dem Rückbau des Bahnhofes in Forst aus dem Jahre 2012 und wurde uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Wir wollen damit die Einfahrtsituation des Straupitzer Bahnhofs darstellen", erklärte Philipp Seemann.

Neben dem Signal sind auch historische Dokumente und Fotos zu den Exponaten hinzugekommen. Sie wurden zum Beispiel vom letzten Straupitzer Bahnhofsvorsteher Horst Rindt zur Verfügung gestellt.

Manchmal kommt aber auch der Zufall zu Hilfe. Im Juni dieses Jahres waren die Straupitzer Eisenbahnfreunde beim Lieberoser Schulfest mit einem Informationsstand vertreten. Dort lernten sie Familie Kanzler aus Lieberose kennen. Diese wohnt heute im Gebäude der damaligen Streckenmeisterei der Lübben-Cottbuser Kreisbahnen (Spreewaldbahn) und machten einen erstaunlichen Fund. Sie fanden eine rund 150 Seiten umfassende Gesamtakte der Streckenmeisterei Lieberose zum Bahnbetrieb der Spreewaldbahn aus den Jahren von 1897 bis 1930.

Ein derart umfangreiches Schriftdokument aus dieser Zeit war bisher unbekannt. In diesem kann man unter anderem lesen, dass im Jahre 1908 für die Ergreifung eines Attentäters auf Gleisanlagen der Spreewaldbahn im Bereich des Straupitzer Bahnhofs 25,00 Reichsmark ausgesetzt waren. Das Dokument wird dem Straupitzer Bahnmuseum zukünftig als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt, um es einem breiten Publikum zugänglich zu machen und es gilt, die Akte aufzuarbeiten und auszuwerten.

Zum Thema:
Vor 118 Jahren nahm die Spreewaldbahn ihren Betrieb auf. Damals in den 1890er-Jahren wurden Pläne diskutiert, den Spreewald mit der Eisenbahn zu erschließen. Zu den größten Befürwortern zählten Graf von der Schulenburg aus Lieberose und der Landrat des Landkreises Lübben, Ernst Otto von Houwald. Dahinter steckten handfeste Interessen. So ging es um den Transport von Holz und Kies aus den Besitzungen zum Haupteisenbahnnetz. Anfangs als reiner Güterverkehr gedacht, entwickelte sich die Spreewaldbahn schnell zum Personenverkehrsmittel. Nach 71 Jahren endete der Betrieb. Am 3. Januar 1970, genau um 22.59 Uhr, verließ der letzte Personenzug den Spreewaldbahnhof Cottbus in Richtung Straupitz, wo er um 0.01 Uhr eintraf. jhh1