Von Katrin Kunipatz

Licht spielt beim Konzeptentwurf für das Stadt- und Regionalmuseum eine große Rolle. Ihre Ideen für ein modernes Museum stellten Gerd Frey und Ute Aichele vom beauftragten Gestaltungsbüro aus Berlin in dieser Woche im Bildungsausschuss vor. Die beiden hatten in den vergangenen Monaten anhand des von Michael Hase, Fachbereichsleiter Zentrale Dienste, und Museumsleiterin Corinna Junker im vergangenen Jahr erstellten Konzepts „Museum 2020“ einen ersten Gestaltungsentwurf erarbeitet.

Der Schwerpunkt liegt dabei auf hellen, beleuchteten Vitrinen, in denen die Aufmerksamkeit der Besucher auf einzelne Exponate gelenkt wird. Statt langer erklärender Texte an den Ausstellungsstücken schlägt Gerd Frey einen tragbaren Multimediaguide vor. Auf dem Bildschirm dieses kleinen Geräts kann der Besucher zusätzliche Informationen aufrufen oder bekommt diese über eine automatische Standorterkennung eingespielt. Auf diese Weise wären auch verschiedene Rundgänge je nach Alter und Interesse der Besucher möglich, so Frey.

Ganz neu entstehen soll der Themenbereich für Lübbener Persönlichkeiten. Dafür schlagen Frey und Aichele eine filmische Inszenierung vor. Lebensgroß würde der Besucher auf einer Monitorwand beispielsweise die Stufenbarrenkür der zweifachen Olympiasiegerin Karin Janz sehen. Ähnliche Medieninszenierungen seien für die Schauspielerin Camilla Horn, Nachrichtensprecher Jens Riewa oder Ernst von Houwald denkbar.

Aufregend und in einem Museum wie dem Lübbener einmalig dürfte die raumfüllende 360-Grad-Ansicht sein, so Ute Aichele. Die Besucher könnten sich auf eine virtuelle Zeitreise in die Stadtgeschichte begeben. Begleitet würden die Bilder von passenden Tönen und Geräuschen. Möglich sei es, diese Zeitreise per VR-Brille zu erleben. VR steht dabei für virtuelle Realität. Die Filme dafür entstehen am Computer und werden in der VR-Brille abgespielt. Für den Besucher entsteht dabei der Eindruck, tatsächlich im Lübben der DDR-Zeit oder vor dem Zweiten Weltkrieg unterwegs zu sein. „Dieser VR-Raum wäre ein echtes Alleinstellungsmerkmal“, betont Ute Aichele.

Bei den Ausschussmitgliedern kommt der Vorschlag gut an. Nur Günter Piesker (Die Stadtfraktion) ist skeptisch, ob diese Multimediainstallation wirklich nötig ist. Martin Kunze (Pro Lübben) findet, dass der Mix aus traditionellem Museum und Moderne gut gelungen sei. Auch Jens Richter (CDU/Grüne) befürwortet die Gestaltungsideen.

Allein bei den Kosten muss Fachbereichsleiter Michael Hase eingestehen, dass seine erste Schätzung zu niedrig war. Die vollständige Umsetzung des Museumskonzepts in allen 14 Räumen des gesamten Schlosses würde rund 950 000 Euro kosten. „Ziel ist es, für diese Summe Fördermittel zu bekommen“, sagt Corinna Junker. Möglich sei eine 80-prozentige Förderung, sagt sie.

Nächster Schritt soll nun ein Grundsatzbeschluss der Stadtverordneten zum Konzept „Museum 2020“ sein, so Hase. Dann sollte auch die Kostenschätzung für die Instandsetzung des Gebäudes vorliegen, formuliert Ausschussvorsitzender Jens Richter seine Erwartung an Baufachbereichsleiter Frank Neumann. Anschließend könne die Planung starten. Dann könnte im kommenden Jahr die Umgestaltung beginnen, so Michael Hase.