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Mode aus Lübben begeistert noch heute

Viele Exponate der Ausstellung "Mode aus Lübben" hat Erika Köhler zur Verfügung gestellt. Sie hat gesammelt, was noch vom Trikotagenwerk übrig geblieben ist.
Viele Exponate der Ausstellung "Mode aus Lübben" hat Erika Köhler zur Verfügung gestellt. Sie hat gesammelt, was noch vom Trikotagenwerk übrig geblieben ist. FOTO: R. Köhler
Lübben. Die Exposition "Mode aus Lübben. Vom Schönfärber zur Konfektionsbrigade" findet regen Zuspruch bei den Besuchern des Stadt- und Regionalmuseums. Die Ausstellungsstücke zum Trikotagenwerk stammen aus der Sammlung von Erika Köhler. Ingrid Hoberg

Mit der aktuellen Ausstellung zum textilen Erbe der Stadt Lübben und der Region ist im Museum ein Thema aufgegriffen worden, das bei Einheimischen wie Besuchern auf großes Interesse trifft. "Eine toll zusammengestellte Ausstellung, nette Rückblende durch die ,Modenschau'. Schade, dass die Fabrikation so zu Ende ging. Danke für die Arbeit", heißt es im Besucherbuch. "Viele unserer Eltern und Mitschüler arbeiteten in der ,Venus'. Danke … an Erika und ihren Mann für die tolle Führung", schreiben ehemalige Schüler, die 1957 eingeschult wurden.

Erika Köhler sagt von sich: "Ich bin im ,Triko' erwachsen geworden." Sie absolvierte dort ihre Lehre, war versiert und arbeitete in der Produktion als Springer an drei Maschinen. Sie war Vertrauensfrau und engagierte sich so auch für das Leben in der Brigade. Nach der Wende gehörten die Frauen aus der Produktion zu den ersten, die entlassen wurden. Da stand die Suche nach einer neuen Arbeit im Mittelpunkt. Als Erika Köhler dann nicht mehr arbeiten ging, wollte sie die Geschichte des VEB Trikotagenwerk Spree bewahren. Gemeinsam mit ihrem Mann Reinhard rettete sie, was noch da war. "Nach 15 Jahren war vieles schon verschwunden", stellt sie fest. Beispielsweise seien die Brigadebücher einfach entsorgt worden. Heimatforscher Rolf Ebert beschäftigte sich mit dem Thema und schrieb die Betriebschronik "Aus der Geschichte des Lübbener Trikotagenwerks", das 2011 veröffentlicht wurde. Er stützte sich auf die Mitteilungen von vielen Zeitzeugen.

Und so hat auch Erika Köhler manches von ehemaligen Kolleginnen gesammelt. "Viele haben sehr persönliche Sachen weitergegeben", sagt sie. Und reichlich Material, darunter Fotos aus den Brigaden, liegt noch in Kisten und konnte bisher nicht öffentlich gezeigt werden. Erika Köhler würde sich freuen, wenn es eine Dauerausstellung an einem authentischen Ort in Lübben geben könnte. Zunächst einmal stellt sie ihre Sammlung als Dauerleihgabe dem Lübbener Museum zur Verfügung.

Der 140. Jahrestag der Unternehmensgründung könnte eigentlich im November gefeiert werden. "Es gibt leider nur noch wenige von meinen ehemaligen Kolleginnen, die dabei sein könnten", sagt Erika Köhler. Für sie ist es ein Bedürfnis, an diesen wichtigen Betrieb mitten in der Stadt zu erinnern. Zum 130. Jahrestag hatte sie eine Feier im Haus auf dem Burglehn organisiert. "Dort haben wir einige Male den Frauentag gefeiert", erinnert sie sich. Vor zehn Jahren kamen viele noch einmal zusammen - damals gab es eine kleine Ausstellung zur Geschichte.

Noch ist die Sonderausstellung im Schloss präsent. Dort gibt es einen Querschnitt durch die Geschichte des Bekleidungsgewerbes in Lübben und der Niederlausitz zu sehen. Gerade der Blaudruck, dieses Handwerk, das in der Region ausgestorben ist, begeistert die Besucher. Auch Museumschefin Christina Orphal freut sich über das ungebrochene Interesse an der Ausstellung. "Allein am Donnerstag haben wir 80 Besucher begrüßt. Das ist für unser Haus eine schöne Zahl", sagt sie.

Die Sonderausstellung ist bis zum 13. November im Museum Schloss Lübben, Ernst-von-Houwald-Damm 14, zu den Öffnungszeiten Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr zu sehen.

"Gänsebraten und Mohnpiehlen" ist der Titel der nächsten Ausstellung, die sich der Geschichte der alten Gasthäuser und traditionellen Küche in Lübben und Umgebung widmet. Sie wird am 1. Dezember eröffnet.

Weitere Infos unter www.museum-luebben.de .