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Mit übers Feld geflogen

Dürrenhofe.. „So richtig lustig wird’s erst, wenn’s ordentlich heiß ist und viel dran ist“ , meint Karola Kalischke nicht ganz ernst. Heute ist es zum Glück nicht so heiß, übermäßig viele Gurken sind auch nicht dran. Es wird also einer der angenehmeren Arbeitstage für die Saisonkräfte der Agrargenossenschaft Unterspreewald in Dürrenhofe. Die Rundschau begleitete sie ein Stückchen auf ihrem Gurkenflieger. Von Harriet Stürmer

Bequemer als ein Schreibtischstuhl ist ein Gurkenflieger allemal. Auch muss man hier nicht sitzen, nein, man kann schön im Liegen arbeiten - auf dem Bauch auf einer weichen Matratze. Das ist die Haltung, in der die Erntehelfer auf ihrem Flieger liegend von einem Traktor mit höchstens 160 Meter pro Stunde übers Feld gefahren werden und dabei eine Gurkenpflanze nach der anderen durchwühlen. Sobald eine reife Gurke gefunden ist, landet sie auf dem Förderband direkt vor der Nase und wird von dort aus in den Traktorenhänger befördert. Ist die Reihe abgefahren, kommt die nächste dran. Alle drei Tage wird die selbe Reihe dann wieder abgefahren.

Mittag essen im Flieger
Einen großen Nachteil gibt es allerdings. Man kann sich hier nicht einfach mal so die Beine im Gurkenfeld vertreten. Bis auf die kurzen Pinkelpausen, für die die Helfer in dem Maisstreifen am Rand des Feldes verschwinden, verbringen sie die ganze Zeit im Flieger. Hier wird auch gefrühstückt, Mittag gegessen und Kaffee getrunken. Das Mittagessen wird übrigens aus der Betriebskantine in den Flieger gebracht.
Irgendwann, meint Karola Kalisch ke, würde dann selbst das Liegen zur Qual werden. „Früher oder später leidet man unter Schmerzen in den Schultern oder im Genick.“ Immerhin müssten die Helfer an harten Tagen bis zu 14 Stunden schuften, und von solchen Tagen gebe es in diesem Jahr mehr als üblich, sagt Fred Spitzer. Für den 56-Jährigen ist es die vierte Saison. Er weiß, dass eine so reiche Ernte wie in diesem Sommer vielleicht alle sechs bis sieben Jahre mal vorkommt. Zehn Wochen geht die Saison. Angefangen hat sie am 21. Juni, Ende August wird Schluss sein. Dann geht es für einige noch in die Kartoffel- oder Rübenernte, die bis November dauern kann.
Rosalie Schönfeld vom Vorstand der Agrargenossenschaft Unterspreewald erzählt, dass zurzeit bis zu 70 Tonnen Einlege-Gurken von insgesamt 45 deutschen und polnischen Saisonkräften täglich geerntet werden. Seit zwei Wochen seien die Erträge traumhaft. In den ersten Erntetagen sei es eher schleppend vorangegangen, doch das sei völlig normal, und die Erträge würden sich immer erst nach und nach steigern. Alles in allem würde es jedoch ein richtig gutes Gurken-Erntejahr sein. Man könne sich aber generell nicht beklagen in Dürrenhofe, sagt Rosalie Schönfeld.

Bis zu 24 Helfer finden Platz
Die Agrargenossenschaft bewirtschaftet insgesamt 36 Hektar Gurkenfläche auf zwei voneinander getrennten Schlägen. Sechs Flieger sind hier im Einsatz. Es gibt kleine und große. Die kleinen messen 17,5 Meter Breite, die großen 21 Meter. Bis zu 24 Erntehelfer haben in den großen Fliegern Platz, zwölf im linken und zwölf im rechten Flügel.
Gurken gehören neben dem Spargel zu den großen Umsatzmachern in Dürrenhofe. Möhren, Rote und Weiße Beete, Dill und Kartoffeln werden auch angebaut. Die Gurken jedenfalls kommen in großen Mengen unsortiert und ungewaschen nach Golßen in die Konservenfabrik. Die anderen drei Abnehmer wollen sie sortiert haben: Konservenfabriken in Lübben und Lübbenau.