Ein Tänzchen in Ehren kann niemand verwehren. Die männlichen Bewohner des Seniorenzentrums kennen dieses Motto, lassen sich erst gar nicht lange bitten. Heinz Piesnack ist einer von ihnen. Er lässt sich von der Mitarbeiterin Doris Lehmann auf die Tanzfläche führen, bewegt sich dort mit ihr im Takt der Musik. Was so selbstverständlich aussieht, ist es aber nicht. Als der Senior in die Einrichtung kam, konnte er fast gar nicht mehr laufen, wie die Mitarbeiterin erzählt: "Dass er jetzt mit mir tanzt, ist ein großer Erfolg. Möglich wurde das durch viel Sport und Bewegung. Wir versuchen, frühere Fähigkeiten zu reaktivieren."

Das gelingt offenbar gut. Denn mehrere Bewohner der Einrichtung haben ein Tänzchen gewagt, manche auch mit dem Rollstuhl. Mitarbeiterinnen stellten sich gern als Tanzpartner und helfende Hand zur Verfügung. Viele Bewohner tanzen gern, trauen sich aber nicht allein, sind unsicher, wie Martina Lehmann erzählt. Der Fasching ist ihr zufolge eine willkommene Möglichkeit, wieder einmal das Tanzbein zu schwingen, sich an längst Verlerntes und Vergessenes zu erinnern. Die Mitarbeiterin ist für Freizeitaktivitäten im Seniorenzentrum verantwortlich. "Der Fasching ist einer unserer kulturellen Höhepunkte" und sei Therapie für Körper und Geist zugleich, erklärt sie. Wenn die Erinnerung nachlässt, muss sie aktiviert werden. Mit bekannten Liedern klappt das offenbar gut. "Jetzt trink ma noch ne Flasche Wein . . ."

Die Mitfeiernden sind textsicher, singen lautstark mit, auch bei vielen anderen Liedern. Es wird geschunkelt. Sigrid Walzer nimmt eine Bewohnerin im Rollstuhl an die Hand und bewegt deren Arme vorsichtig im Takt der Musik. Die Mitarbeiterin erntet dafür ein zufriedenes Lächeln.

Singen, tanzen, schunkeln und Sketche hören - ein Fasching für Menschen mit Einschränkungen muss nicht langweilig sein. Für Unterhaltung haben auch die Lübbenauer Funkenmariechen gesorgt. Die Mädchen wurden für ihre Tänze mit viel Beifall belohnt. Für die Bewohner gab es Bowle - natürlich alkoholfrei, wie die Einrichtungsleiterin Katrin Weinert betont. Am 30. April wird wieder groß gefeiert. Dann steht der Maiball im evangelischen Seniorenzentrum "Am Spreeufer" in Lübben an, wie Martina Lehmann ankündigt.