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| 01:38 Uhr

Mit Farb-Ratten unter einem Dach

Farbratten standen bei einem Vortrag im Tierheim Märkisch Buchholz im Mittelpunkt. Informiert wurde über Anschaffung und Haltung.
Farbratten standen bei einem Vortrag im Tierheim Märkisch Buchholz im Mittelpunkt. Informiert wurde über Anschaffung und Haltung. FOTO: Jens Golombek
Märkisch Buchholz.. „Farbratten – Haustiere auf dem Vormarsch“, unter diesem Titel haben Vertreter der Regionalgruppe Berlin/Brandenburg des Vereins der Rattenliebhaber und -halter Deutschland einen Vortrag im Tierheim Märkisch Buchholz gehalten. Jens Golombek


Christine Brandt und Katja Rohner stehen vor einem riesigen Wüstenrennmaus-Terrarium und erzählen Tierheim-Mitarbeitern und Ratteninteressierten von den kleinen Nagern. "Leider haben wir im Moment keine einzige Farbratte hier im Tierheim", so Margot Wendland, Vorsitzende des Tierschutzvereines. "Aber wir sind froh darüber, die Tiere vermittelt zu haben."

Ratten-Image aufpolieren
Seit zehn Jahren versucht der Verein, deutschlandweit das Image der Ratten aufzupolieren. "Durch den Animationsfilm ,Ratatouille' erhalten wir im Moment spürbare Unterstützung", so Christine Brandt. "Aber wir raten davon ab, eine blaue Ratte wie den ,Titelhelden' zu erwerben. Diese haben häufig die Bluterkrankheit."
Generell seien Ratten nichts für kleine Kinder. "Die Tiere haben einen eigenen Willen und können sich notfalls auch wehren. Sie sind nachtaktiv und leben kaum länger als zwei Jahre", berichtet Rattenhalterin Rohner.
In Berliner Tierheimen warten derzeit rund 100 Ratten auf eine Vermittlung. "Wir sind Rattenliebhaber und keine Züchter", eröffnet Christine Brandt den Fotovortrag über die Nachfahren von Wanderratten, die einst für Labore gezüchtet wurden. Hausratten dagegen seien mittlerweile vom Aussterben bedroht.
Es folgen Ausführungen zur Unterscheidung der Ratten nach Farben und Zeichnungen. Einzelne Züchtungen werden vorgestellt. „Auf jeden Fall sollte man seine Farbratten aus Tierheimen oder Betreuungsstellen beziehen, nicht aus Zooläden. Sonst hat man statt zwei Tieren plötzlich 20“ , macht Katja Rohner die Gefahren deutlich.
Kosten entstünden nicht nur bei der Beschaffung, auch die Haltung sei nicht billig. "Die Tiere sind stark krankheitsanfällig, und 70 Euro Tierarztkosten pro Woche sind möglich, aber natürlich nicht normal", so die junge Rattenexpertin.
"Ratten sind Kletterer, brauchen eher hohe als breite Käfige", stellte Katja Rohner ihre eigene Käfiganlage für ihre vier Nager vor. Täglicher Auslauf sei wichtig und beispielsweise mit einem eigenen Rattenzimmer zu realisieren.
Rattenwelpen seien nach sechs Wochen geschlechtsreif. Nach drei weiteren Wochen erblicken pro Weibchen 18 neue Welpen das Licht der Welt. "Solche unkontrollierten Explosionen haben im Laufe der Jahre im Bundesgebiet zugenommen", berichtet Christine Brandt von Notfällen.
Nicht nur für die Fortpflanzung sei eine geschlechtliche Unterscheidung vor dem Kauf notwendig. Böcke würden meist intensiver riechen. "Wir haben hier im Tierheim die Erfahrung gemacht, dass Mäuse mehr riechen als Ratten", verteidigt Margot Wendland die bunten Nager.

Anfällig für Krankheiten
Bis zu 400 mal schlagen Rattenherzen pro Minute. Das sorge für einen schnellen Stoffwechsel und mache die Tiere für Versuche so beliebt. "Aber es macht sie sehr anfällig für Krankheiten. Im Grunde können sie alles bekommen, was uns Menschen auch treffen kann", berichtet Christine Brandt. Sie dokumentiert ihre Erfahrungen mit Krankheitsbildern, Operationen, internistischen und neurologischen Problemen aus ihrem Bestand von zurzeit 35 Tieren.
Am Samstag, dem 1. Dezember, feiert das Tierheim "Weihnachten für Tiere". "Mit kleinen Futterspenden, die wir uns dafür wünschen, wollen wir den Tieren einen angenehmen Winter ermöglichen", so Anja Gröbner.
Wer die Arbeit des Tierschutzvereines Königs Wusterhausen als Träger des Tierheimes unterstützen möchte, kann dies mit dem Verwendungszweck "Spende Tierheim" bei der Berliner Volksbank tun: Bankleitzahl: 100 90 000 Kontonummer: 721 394 9009. (jgk)