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Minimaler Aufwand und viel Vergnügen

Lübben.. Die gut 80 Leute, die gekommen waren, hatten ihren Spaß und nach der Theatervorstellung der Neuen Bühne Senftenberg sicherlich noch stundenlang Mühe, das Grinsen, das sich in ihre Gesichtszüge gegraben hatte, heraus zu bekommen. Die vielen, vielen, die die „Reise um die Welt in 80 Tagen“ nicht miterlebten, haben etwas verpasst – aber heute noch die Chance, das nachzuholen. Von Dörte Hellwig

Wie bringt man die berühmte Weltumrundung gegen die Uhr von Phileas Fogg auf die Bühne - ohne Orginalschauplätze, Kulissen, Elefanten, Pferde, Dampfschiffe, Segler„ „Ein richtig genutztes Minimum reicht für alles“ , gab Fogg anfangs der Geschichte selbst eine teilweise Antwort. Das Minimum waren einfache Requisiten, vergleichsweise nicht sehr aufwändige Kostüme und ein kleines, sehr gut aufgelegtes Ensemble mit vier Hauptdarstellern, die auch mal die Rolle des Erzählers übernahmen, und fünf Schauspielern, die in rund „drei Millionen Nebenrollen“ schlüpften. Sascha Mock, der Mann für Trommeln, Flöten, Gießkanne-Blasen, Glöckchen-Bimmeln, Quitsche-Entchen quietschen spielte als Verantwortlicher für Musik und Geräusche fraglos auch eine Hauptrolle.
Absolut notwendig, um aus dem Minimum was zu machen: ein Maximum an Ideen, was Ausstattung und Spiel betrifft. Der muss bei den Senftenbergern überschäumend vorhanden sein. Scheu vor Albernheiten und Überdrehtheiten dagegen gar nicht, wovon sich das Publikum anstecken ließ.
Wer hätte gedacht, dass Landrat, Umweltamtsleiter und Chef des Kommunalen Abfallentsorgungsverbandes mit ihren Gattinnen auf Befehl eines Schauspielers, der auf einem blauen Gymnastikball reitet, von ihren Stühlen aufspringen, in Hab-Acht-Stellung erstarren und dann über die Bühne „gallopieren“ “! Wobei KAEV-Chef Rolf Friedrich augenscheinlich das am schwersten zu bändigende Ross ritt.
Bei der witzigen, albernen, amüsierenden wie zum lauten Lachen reizenden Weltreise geriet die Geschichte manchmal fast zur Nebensache. Egal, die kennt man ja. So ließ man sich auch zu gern vom Dialog im Vordergrund durch den Schabernack im Hintergrund ablenken.
Die letzten Sätze in Jules Vernes Roman „Die Reise um die Erde in 80 Tagen“ sind: „So hatte also Phileas Fogg seine Wette gewonnen! Ihm war es gelungen, in 80 Tagen um die Erde zu reisen. Was hatte ihm jedoch die ganze Reise eingebracht„ Nichts, wird man sagen. Nun ja, nichts! Abgesehen von einer reizenden Frau, die ihn, so unwahrscheinlich es sich auch anhören mag, zum glücklichsten Menschen gemacht hat.“ Und was hat das Theatergastspiel dem Publikum im Ehrenhof gebracht“ Sicherlich hat es sie nicht zu den glücklichsten Menschen gemacht. Aber es hat sie ganz prima unterhalten, und dafür gab es begeisterten Applaus.

Info zum Thema Allerletzte Gelegenheit
 Die Neue Bühne Senftenberg hatte „Die Reise um die Welt in 80 Tagen“ für das Amphitheater Großkoschen inszeniert. Der letzten Vorstellung im Amphitheater Ende Juni folgten acht weitere an anderen Spielstätten. Die beiden Aufführungen in Lübben vorgestern und heute sind die allerletzten. Also kann man die sommerleichte Unterhaltungskost, die die spaßige Weltreise bietet, nur noch heute um 20 Uhr im Ehrenhof des ständischen Landhauses in der Lübbener Gerichtsstraße erleben. (Eintritt 13 Euro).