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Minderjährige wählen in Lübben schon vorab den Bundestag

Das Plakat am Eingang zur "die insel" weist darauf hin: Am 14.September wird in Lübben gewählt.
Das Plakat am Eingang zur "die insel" weist darauf hin: Am 14.September wird in Lübben gewählt. FOTO: Andreas Staindl/asd1
Lübben. Zum ersten Mal lässt "die insel" Jugendliche wählen. Dass soll die jungen Leute aus dem Spreewald auf Politik einstimmen. Andreas Standl / asd1

Nächste Woche Donnerstag wird in Lübben gewählt. Dann findet die Jugendwahl U18 statt. Minderjährige geben am 14. September ihre Stimme den Kandidaten für den nächsten Deutschen Bundestag.

Sie haben allerdings keinen Einfluss darauf, wer tatsächlich in das Parlament einzieht. Die Juniorwahl soll Kinder und Jugendliche bei der politischen Meinungsbildung unterstützen, sie für Politik interessieren. "Wir wollen bei ihnen das Demokratieverständnis wecken", sagt die Sozialarbeiterin Ulrike Rippe von der Kinder- und Jugendfreizeitstätte "die insel" in Lübben. Die Einrichtung der Caritas führt die Jugendwahl U18 durch. Es ist das erste Mal, dass sich "die insel" daran beteiligt, wie die Sozialarbeiterin Dana Tschöpe sagt.

Die U18-Wahl wird bundesweit durchgeführt und fand 1996 zum ersten Mal statt. "Ich finde es super, dass sie jetzt auch in Lübben durchgeführt wird", sagt Robin Dyrda (16). "Das macht junge Leute auf Politik aufmerksam und gibt ihnen die Chance, ihre Meinung zu äußern. Wer sich an Wahlen beteiligt, kann das politische Leben in unserem Land mitbestimmen. Ich verstehe nicht, dass so viele junge Menschen auf dieses Recht verzichten und einfach nicht wählen gehen." Der Zehntklässler des Paul-Gerhardt-Gymnasiums in Lübben ist einer von mehreren Jugendlichen, die die Jugendwahl in der Kreisstadt möglich machen wollen.

Alles läuft so wie bei einer richtigen Wahl. Wahlhelfer werden gebraucht, Wahlkabinen und Wahlurnen müssen bereitgestellt werden. Wer macht was? Und gibt es überhaupt genügend junge Leute, die sich an der Vorbereitung und Durchführung der U18-Wahl beteiligen? Am Dienstag gab es ein erstes Treffen. Die Sozialarbeiter haben die jungen Helfer über Details informiert. Diese Veranstaltung fand allerdings hinter verschlossener Tür statt. Bis auf Robin Dyrda war auch niemand der etwa zehn Mädchen und Jungen bereit, über ihr Engagement für das Projekt öffentlich zu reden. Der Zehntklässler aus Hartmannsdorf hat damit allerdings kein Problem. "Ich habe eine Meinung, und zu der stehe ich auch." Am Wahltag müssen er und die anderen Jugendlichen Minderjährige ansprechen, ihnen erklären, was sie machen, und im besten Fall von einer Stimmabgabe überzeugen.

Robin Dyrda ist sich bewusst, dass er dann auch mit dummen Sprüchen konfrontiert sein kann. "So etwas bringt mich nicht aus der Ruhe." Der 16-Jährige ist Verantwortung gewohnt, ist seit seiner Grundschulzeit ununterbrochen Klassensprecher. Er wurde gerade erst wiedergewählt. Politik interessiert ihn. "Ich habe mir die Wahlprogramme aller Parteien angeschaut. CDU und SPD haben doch ziemlich ähnliche Vorstellungen. Das Programm der AfD ist mir zu flach. Sie haben ja allerdings angekündigt, dass sie jetzt noch nicht regieren, sondern erst einmal in der Opposition bleiben wollen." Und welche Partei überzeugt ihn am meisten? "Ich tendiere zur CDU", sagt Robin Dyrda.

Nicht alle Jugendlichen sind politisch so interessiert wie er. "Es ist unsere Aufgabe, Neugier bei ihnen zu wecken und sie auf ihr Mitbestimmungsrecht aufmerksam zu machen", sagt Ulrike Rippa. Die Jugendwahl U18 findet am 14. September dieses Jahres von 12 Uhr bis 18 Uhr statt.

Drei Wahllokale gibt es in Lübben: In der Jugendfreizeiteinrichtung "die insel" in der Wassergasse als fester Standort sowie die mobilen Wahllokale am Durchgang am Rathaus und auf dem Gehweg vor der Kita "Gute Laune".

Die Auszählung der Stimmzettel erfolgt öffentlich, die Ergebnisse werden an die Wahlzentrale übermittelt und dienen der Politik als Stimmungsbild unter jungen Leuten kurz vor der Bundestagswahl am 24. September.