| 02:43 Uhr

Millionengeschäft mit Ausbaupotenzial

Das traditionelle Kahnstechen in Lübben begeistert Gäste und Einheimische gleichzeitig. Der Tourismus gewinnt in der Kreisstadt immer mehr an Bedeutung. Jetzt wird ein Entwicklungskonzept erarbeitet.
Das traditionelle Kahnstechen in Lübben begeistert Gäste und Einheimische gleichzeitig. Der Tourismus gewinnt in der Kreisstadt immer mehr an Bedeutung. Jetzt wird ein Entwicklungskonzept erarbeitet. FOTO: Stadtverwaltung
Lübben. Lübben lässt gegenwärtig ein Organisations- und Entwicklungskonzept für den Tourismus erarbeiten. Die dwif-Consulting GmbH ist damit beauftragt worden. Demnach nimmt die Bedeutung des Tourismus in der LDS-Kreisstadt zu. red/bt

Im Jahr 2015 wurde in der Stadt Lübben durch die touristische Nachfrage ein Bruttoumsatz in Höhe von 35,6 Millionen Euro erzielt. Fast 250 000 Übernachtungen in gewerblichen Beherbergungsbetrieben ab zehn Betten und bei Privatvermietern sowie rund 400 000 Tagesreisen trugen ihren Teil dazu bei. Dieses Fazit zieht die dwif-Consulting GmbH beim derzeit in Bearbeitung befindlichen Organisations- und Entwicklungskonzeptes für den Tourismusstandort Lübben.

Dabei ist der Kreis der Tourismusprofiteure deutlich größer als erwartet, befindet das Unternehmen. Von den Ausgaben der Touristen profitieren das Gastgewerbe (Beherbergungsbetriebe, Privatvermieter, Gastronomen) mit 17,7 Millionen Euro, touristische Dienstleistungen aus dem Bereich der Freizeit- und Kulturangebote (Kahnfahrten, Veranstaltungen, Fahrrad- und Bootsvermietung, Kletterwald, Museum) mit 11,3 Millionen sowie der Einzelhandel mit 6,6 Millionen Euro.

Ziehe man die Mehrwertsteuer vom Bruttoumsatz ab und setzt detaillierte Wertschöpfungsquoten für die direkten Umsätze und solche bei Zulieferern, darunter Bäcker, Handwerker, Wäschereien, an, würden sich aus dem Tourismus in Lübben Einkommenseffekte in Höhe von 19,2 Millionen Euro ergeben. Fast sieben Prozent des gesamten Primäreinkommens in der Stadt werden somit durch den Tourismus erwirtschaftet, resümiert das Beratungsunternehmen.

"Als Jobmotor bietet der Tourismus Menschen vieler unterschiedlicher Berufsqualifikationen und Beschäftigungsverhältnisse Einkommensmöglichkeiten", sagt Bürgermeister Lars Kolan (SPD). Viele dieser Jobs sind jedoch dadurch gekennzeichnet, dass die Beschäftigten nicht ausschließlich vom Tourismus leben: Kellner und Verkäuferinnen bedienen auch einheimische Kunden; im Hotel feiern Einheimische ihre Familienfeste. Deshalb wird das touristische Einkommen in Beziehung zum durchschnittlichen Primäreinkommen in Lübben gesetzt. Hieraus errechnet sich ein theoretisches Äquivalent von 930 Personen, die durch den Tourismus ihren Lebensunterhalt mit einem durchschnittlichen Primäreinkommen bestreiten können. Besonders wichtig: Der Tourismus schafft und sichert ortsgebundene Arbeitsplätze.

Der Tourismus ist Umsatzbringer und leistet über Steuereinnahmen einen Beitrag zur Finanzierung der öffentlichen Haushalte. Doch das Engagement für den Tourismus generiere nicht nur ökonomische Gewinne, sondern löst eine Reihe weiterer positiver Effekte für Lübben aus. "Der Tourismus hat positiven Einfluss auf die Infrastrukturausstattung, die Lebens- und Aufenthaltsqualität und wirkt als Standortfaktor in andere Branchen hinein" zählt Kolan weiter auf. So stehen künftig bei allen Aktivitäten rund um die touristische Vermarktung und Infrastrukturentwicklung am Freizeit- und Erholungsstandort Lübben vier zentrale Zielgruppen im Mittelpunkt: Bevölkerung, Betriebe, Beschäftigte und Besucher. "Diesen Weg wollen wir als Stadt gemeinsam mit allen Akteuren rund um den Tourismus und der Lübbener Bevölkerung mit aller Konsequenz gehen", wirft Kolan einen Blick in die Zukunft.