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| 18:27 Uhr

Stollenreiten in neuzauche
Michael Leo reitet zum Sieg in Neu Zauche

Der spätere Gewinner Michael Leo (vorn) und Benjamin Trogisch liefern sich ein packendes Rennen um den Sieg. Zehn Junggesellen waren während des Stollenreitens am Sonntag in Neu Zauche dabei.
Der spätere Gewinner Michael Leo (vorn) und Benjamin Trogisch liefern sich ein packendes Rennen um den Sieg. Zehn Junggesellen waren während des Stollenreitens am Sonntag in Neu Zauche dabei. FOTO: Andreas Staindl
Neu Zauche. Ort erhält Tradition des Stollenreitens. Von Andreas Staindl

Michael Leo ist der Sieger des diesjährigen Stollenreitens am Sonntagnachmittag in Neu Zauche (Lieberose-Oberspreewald). Er hat sich im Finallauf vor Benjamin Trogisch durchgesetzt. Beide lieferten sich ein spannendes Rennen.

Wenige Meter vor dem Ziel lag der spätere Zweitplatzierte noch in Führung. Doch Michael Leo kam immer näher und schob sich quasi mit dem Zieleinlauf an Benjamin Trogisch vorbei. Die Zuschauer rätselten, wer denn der Sieger des diesjährigen Stollenreitens sei. Erst der Blick auf ein Zielfoto brachte Gewissheit. Michael Leo gewann knapp mit einer halben Pferdekopflänge Vorsprung. Er und der Zweitplatzierte verbesserten sich um jeweils einen Platz gegenüber dem Vorjahr. Seriensieger Martin Franke war diesmal nicht am Start.

Zehn junge Männer stellten sich der Herausforderung am Sonntag. Die Junggesellen lieferten sich Rennen auf Pferden ohne Sattel – eine Tradition seit mehr als 150 Jahren in Neu Zauche. Die etwa 650 Meter lange Strecke auf dem Stoppelacker durfte jeder Teilnehmer zwei Mal absolvieren. Die jeweils drei Besten der beiden Vorläufe qualifizierten sich für den Endlauf, die anderen ritten um die Tabakspfeife. Mirko Mroos gewann den Wettkampf derjenigen, die sich nicht für das Finale qualifiziert hatten und sicherte sich damit den Trostpreis.

Das Stollenreiten war früher der Abschluss der Getreideernte. Ziel war es herauszufinden, wer das schnellste Pferd besitzt. Der sorbische Brauch wird von der Jugend in Neu Zauche bewahrt. „Wir sind der einzige Ort in der Region, in dem der alte Erntebrauch noch traditionell gepflegt wird“, erklärt Maria Krautz – eine der Jugendverantwortlichen des Dorfs. Ihr zufolge wird es jedoch immer schwieriger, mutige Reiter für das Stollenreiten zu finden. Frank Jerol, der die Veranstaltung seit Jahren unterhaltsam moderiert, bringt es auf den Punkt: „Uns gehen die Reiter aus.“ Dabei ist ein eigenes Pferd gar nicht nötig; Reiterhöfe der Region stellen die Vierbeiner zur Verfügung.

Die jungen Reiter müssen in diesem Jahr gut trainiert haben. Anders als während vergangener Jahre stürzte keiner von ihnen vom Pferd. Im vergangenen Jahr hatte David Prell diese schmerhafte Erfahrung gemacht – diesmal aber nicht.

Der Zielbereich auf dem Stoppelacker in Richtung Sacrow war am Sonntag mit besonders vielen Zuschauern gefüllt. „Wir sind das erste Mal dabei und begeistert“, sagt der Berliner Paul Lindner. „Schön, dass die so alte Tradition von den jungen Leuten weitergeführt wird.“

Die Besucher verfolgten nicht nur das Stollenreiten, sondern auch die außergewöhnlichen Wettbewerbe der jungen Damen. Sie stellten sich in Trachten verschiedenen Herausforderungen, etwa dem Zielwerfen mit Kartoffeln auf die Torwand. Eine Gaudi für die Mädchen und die Zuschauer. Wie bei den mutigen Reitern wurden die Siegerinnen auch hier mit einem Eichenlaubkranz sowie einem frisch gebackenen Stollen geehrt.

Nach den Wettbewerben auf dem Stoppelacker zog die gesamte Gesellschaft, angeführt von den „Goyatzer Blasmusikanten“, wieder zurück ins Dorf, wo im Gasthof weitergefeiert wurde.