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| 16:42 Uhr

Kommentar
Vielfalt ist eine Bereicherung für alle

Ingvil Schirling und Steven Wiesner
Ingvil Schirling und Steven Wiesner FOTO: LR
Wie menschlich zeigt sich unsere Region, wenn es darauf ankommt? Sind wir offenherzig genug? Oder haben wir ein Rassismus-Problem? Unsere Serie ist diesen Fragen nachgegangen. Die Gespräche mit Akteuren, Bürgern und Flüchtlingen der Stadt haben gezeigt: Es gibt beispielhafte wie bedenkliche Zeichen.

Auch nach drei Jahren intensiver Arbeit polarisiert die Frage: Können wir das schaffen? Doch die Schlussfolgerung kann nicht sein, Menschen in Not abzuweisen. Aufgenommen zu werden, wenn man verfolgt wird oder aufgrund klimatischer Veränderungen keine Perspektive hat, ist ein Menschenrecht. Wir wären gut beraten, die Erfahrungen jetzt zu nutzen, um uns auf künftige Zeiten steigender Flüchtlingszahlen besser vorzubereiten. Und dazu gehört neben Strukturen und finanziellen Mitteln auch die Bereitschaft, auf Menschen zuzugehen. Vielfalt zu begreifen als Bereicherung einer Gesellschaft, anstatt die Nachbarin im Wohnhaus zu schneiden, weil sie Migranten hilft. Selbstverständlich müssen Verstöße gegen Gesetze geahndet werden wie bei jedem anderen in Deutschland auch. Andersrum dürfen wir uns aber auch fragen, ob es einen Aufmarsch wie zu Jahresbeginn von „Zukunft Heimat“ in Cottbus initiiert, auch gegeben hätte, wäre das Ehepaar vor dem Blechen-Carré von deutschen Jugendlichen attackiert worden?

Die Aufgabe, die sich mit der Zuwanderung stellt, ist, dafür einzustehen, dass Anderssein zum Zusammenleben dazu gehört, anstatt die Migration zur „Mutter aller Probleme“ zu stilisieren. Oder um es etwas überspitzt mit dem Kabarettisten Fatih Cevikollu zu sagen: „Was hat unserem Land mehr geschadet: Nationalismus oder Migration? Auf der einen Seite haben wir 60 Millionen Tote und Europa in Schutt und Asche – und auf der anderen Seite Dürüm Döner.“

STEVEN WIESNER UND INGVIL SCHIRLING