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| 06:04 Uhr

Kommentar
Hier wird die Welt zu einem besseren Ort

Steven Wiesner
Steven Wiesner FOTO: LR / Sebastian Schubert
Auf den ersten Blick sieht es nicht wie eine große Sache aus. Ein paar Kinder aus Osteuropa machen Urlaub in der Lausitz. Ein Schüleraustausch, wie er tausend- und hundertausendfach stattfindet in unserem Land.

Doch derartige Projekte und damit auch das Programm vom „Lübbener Kinderhilfsverein für Tschernobyl“ besitzen eine gesellschaftliche Metaebene von unschätzbarem Wert. Gerade heute.

In Zeiten, in denen sich Deutschland von AfD und Pegida anstacheln lässt; in denen wir eine Multikulti-Gesellschaft fürchten und beginnen, Leitkulturen zu definieren; in denen wir diskutieren über Obergrenzen, Rassismus und Özil; darüber, was deutsch ist und was nicht; in diesen Zeiten zeigen die Lausitzer Gasteltern der Welt, dass es nichts Nebensächlicheres geben könnte als unsere Nationalität. Sie mag entscheidend sein und auch Spaß machen, wenn wir zu Olympia oder Fußball-Weltmeisterschaften fahren, um mit anderen Ländern wetteifern zu können. Wir müssen ihr im Alltag aber nicht zu viel Bedeutung beimessen und uns stattdessen womöglich fragen, ob wir nicht auch ohne diese klaren Trennlinien und Umzäunungen in unserem Kopf existieren können. Ob es sich nicht lohnt, die Angst vor dem Fremden, die vielen innewohnt, zu überwinden. Fremdartiges habe ich bei der Ankunft der Tschernobyl-Kinder in Lübben jedenfalls nicht gesehen. Nur Eltern und Kinder, die sich in die Arme gefallen sind. Denen schnuppe ist, dass sie andere Geburtsorte haben. Weil sonst eigentlich alles gleich ist. Internationale Projekte wie dieses bauen Brücken. Sie sind ein Beitrag zur Völkerverständigung und machen die Welt zu einem besseren Ort – eine ziemlich große Sache also.