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| 17:36 Uhr

Lesermeinung
Besuche der Familie unerwähnt

Ein Prosit auf den 106. Geburtstag, LR vom 2.1.2019

 Ich bin leider nicht alleine mit der Meinung, dass der Artikel über die älteste Bürgerin Lübbens ein Werbeartikel für das Heim ist. Etwas weniger ist immer mehr. Ich möchte nicht gegen das Heim sprechen, denn ich weiß aus eigener Erfahrung, dass alle Mitarbeiter freundlich und sehr aufopfernd sind. Das Haus wird immer entsprechend der Jahreszeit sehr schön einladend dekoriert. Doch man sollte schon bei der Wahrheit bleiben. Frau Reinholz bekommt acht Tabletten am Tag, und sie bewegt sich durch das Haus zwar selbständig, aber nur mit dem Rollstuhl. Das ist keine Schande, so etwas auch zu schreiben. Sie ist 106 Jahre alt! Auch die Geschwisteranzahl stimmt nicht. Erstens waren es elf Kinder, und zweitens war sie das dritte Kind. Vielleicht wäre es empfehlenswert, die Familie zu befragen. Frau Reinholz begann als Eisenbahnerin bei der Spreewaldbahn, später bei der Deutschen Reichsbahn. Das ist für alle doch eine wahre, wunderbare und neugierig machende Geschichte. Was ich auch nicht schön fand, dass kein Wort über die regelmäßigen Besuche der Familie geschrieben wird. Frau Reinholz’ verwitweter Schwiegersohn kommt regelmäßig mit seiner Lebensgefährtin. Ebenso die beiden Enkeltöchter. Sie bringen kleine Dinge, welche Frau Reinholz vermisst, schauen nach dem Rechten und schwelgen mit ihr in Erinnerungen. Das ist in der heutigen Zeit nicht mehr überall möglich und selbstverständlich.