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Mehr Regionales in den Kochtopf

Am Herd mit Lutz Thiede (l.) vom Ratskeller im Lübbener Landratsamt: Landtagsabgeordneter Benjamin Raschke (Bündnis 90/Die Grünen) und Spreewaldvereins-Geschäftsführerin Melanie Kossatz.
Am Herd mit Lutz Thiede (l.) vom Ratskeller im Lübbener Landratsamt: Landtagsabgeordneter Benjamin Raschke (Bündnis 90/Die Grünen) und Spreewaldvereins-Geschäftsführerin Melanie Kossatz. FOTO: Ingvil Schirling
Lübben. Im Rahmen der "Küchentour" hat Benjamin Raschke gestern in Lübben Station gemacht. Der Landtagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen ging gemeinsam mit Küchenchef Lutz Thiede und Spreewaldvereins-Chefin Melanie Kossatz den Herausforderungen regionaler Küche auf den Grund. Ingvil Schirling

"Ansatz des Formats ist, herauszubekommen, welche Chancen es für den Einsatz von mehr regional produzierten Lebensmitteln in der märkischen Gastronomie gibt, was Gastronomen bewegt, hier ihren Schwerpunkt zu setzen und mit welchen Hürden sie zu kämpfen haben", hieß es in der Ankündigung.

Stationen gab es bereits in der Uckermark, in Zeuthen und in Michendorf. Brodelnde Kochtöpfe und ein dampfendes Apfelcarpaccio im Ofen sorgten dafür, dass die Diskussion nicht in der grauen Theorie verharrte, sondern im frischen Saft geführt wurde. Erklärtes Ziel des Abgeordneten war es herauszufinden, was Politik dafür tun kann, dass mehr Regionales in die Kochtöpfe kommt - vor allem in die der Großküchen und Kantinenbetreiber, kurz: der Gemeinschaftsküchen. Da hatte er eine klare Verbündete in Melanie Kossatz, die sich genau dafür ebenfalls einsetzt.

Der Grund des Besuchs war also, Informationen und Erfahrungen zu sammeln, um diese dann in zwei Anfragen an die Landesregierung zu gießen und am Ende eines längeren Weges möglicherweise Erleichterungen für die Verwendung regionaler Produkte zu erreichen. So wurde Lutz Thiede gründlich gelöchert: über Wirtschaftlichkeit, wenn regionale Produkte erst über längere Fahrtwege extra eingekauft werden müssen. Über die Nachfrage bei Kantinenkunden nach der regionalen Herkunft der Bestandteile ihres Essens. Über die Grenzen des Machbaren, wenn es um Logistik, Saisonalität und Frische geht.

Dass der Spreewald weiter ist als der Landesdurchschnitt, wurde gleich zu Beginn klar. Dort steckt regionale Küche offenbar noch in den absoluten Anfängen. Der Spreewald ist weiter, machte Melanie Kossatz beispielsweise anhand eines Produktverzeichnisses klar, welches Gemüse, welche Milch und welches Fleisch wo produziert wird - sowohl mit als auch ohne Dachmarke. Der Ringhefter aus 2013 soll überarbeitet und dann auch online zur Verfügung gestellt werden.

Doch auch Lutz Thiede stößt an Grenzen, und das, obwohl die Voraussetzungen gut sind. Der Küchenmeister und Ausbilder verfügt über ein starkes Netzwerk in der Region, plant drei täglich wechselnde Gerichte im Voraus und bietet drei weitere kreativ und spontan an. Er muss zugeben: "In der Hauptsache schaffe ich es nicht, regional zu kochen." Dennoch fließt viel Regionales in die Gerichte ein: Kräuter vom Markt, Spargel aus Dürrenhofe, Kartoffeln von Reinhard Mich aus Klein Radden.

Ein Problem ist der Preis: Sehr viel mehr als sechs Euro will kaum jemand für ein tägliches Kantinenessen ausgeben. Regionale Produkte wachsen auch nicht kostenfrei.

Die Berliner haben laut Raschke im Koalitionsvertrag festgeschrieben, dass 40 Prozent der verarbeiteten Produkte in Gemeinschaftsküchen regional sein soll. Das wäre einer von mehreren Ansatzpunkten, die der Landtagsabgeordnete politisch sieht. Ein anderer Hebel könnten Vergaberichtlinien für Kita- und Schulessen sein.

Ganz nebenbei kristallisierte sich heraus, dass im Spreewald ein regionaler Großhandel mit Frischeprodukten für Gastronomen bisher fehlt - eher ein Thema für den Spreewaldverein. Und während die Töpfe dampften, rauchten die Köpfe auf der Suche nach neuen Lösungen.

Zum Thema:
Fast nebenbei entstand das Drei-Gang-Menü, während Benjamin Raschke, Lutz Thiede und Melanie Kossatz über hochwertiges Essen mit regionalen Produkten diskutierten. Es gab ein Kartoffel-Kohlrabischaumsüppchen vorneweg, als Hauptgericht pochierte Eier mit Spreewälder Senfsoße (aus der Senfmanufaktor von Horst Koal) im Rote-Bete-Kartoffelschneenest und zum Dessert ein Apfelcarpaccio mit Ziegenfrischkäse gratiniert.