Von Andreas Staindl

Die medizinische Hilfe für Patienten ist jetzt in Lübben optimiert. Anfang Mai dieses Jahrs wurde eine ärztliche Bereitschaftspraxis in der Spreewaldklinik in Lübben eröffnet. Die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg (KVBB) betreibt die Praxis in Zusammenarbeit mit dem Klinikum Dahme-Spreewald.

Mit der Bereitschaftspraxis wird der ärztliche Bereitschaftsdienst im Süden des Lands Brandenburg optimiert, wie Andreas Schwark vom Vorstand der KVBB sagt. Patienten erhalten medizinische Hilfe bei akuten, aber nicht lebensbedrohlichen Erkrankungen. Und das zu Zeiten, in denen Arztpraxen in der Regel geschlossen sind. Wen also etwa am Wochenende eine Erkältung ­erwischt oder Bauchschmerzen plagen, wer sich gesundheitlich einfach unwohl fühlt, der hat bisher, wenn er nicht bis zur nächsten Öffnungszeit seiner Arztpraxis warten wollte, die Notfallambulanz aufgesucht.

Etwa die Hälfte der Patienten, die sich in der Rettungsstelle melden, sind aber keine Notfälle, betont Dr. Benno Bretag. Der Chefarzt der Notfallambulanzen des Klinikums ist deshalb froh über das neue Angebot: „Das Team der Notfallversorgung wird entlastet. Es kann sich jetzt noch intensiver um Schwerkranke und Verletzte kümmern. Kürzere Wartezeiten in der Notfallambulanz sind ein weiterer Vorteil.“

Praktisch läuft es künftig so, dass sich Patienten wie bisher in der Rettungsstelle melden. Ob sie ein Fall für die Notfallversorgung oder die Bereitschaftspraxis sind, wird während der Anmeldung entschieden. Zwei Fachschwestern kümmern sich darum. Die Bereitschaftspraxis befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Anmeldung, jedoch nicht in Räumen der Rettungsstelle. Sie ist mit niedergelassenen Ärzten der Region besetzt.

Barbara Zachert ist eine von ihnen. Die Diplom-Medizinerin hat ihre eigene Praxis im Lübbener Stadtzentrum und sichert künftig mit zahlreichen Kollegen auch den ärztlichen Bereitschaftsdienst in der Spreewaldklinik. Am ersten Wochentag nach der Eröffnung der Bereitschaftspraxis hatte sie wenig zu tun. Das neue Angebot hat sich offenbar noch nicht herumgesprochen. Dafür war am ersten Mai-Wochenende schon ordentlich Betrieb. „37 Patienten wurden in der Bereitschaftspraxis behandelt und versorgt“, erzählt Benno Bretag. „Diese Patienten wären sonst in der Notaufnahme gelandet.“ Er sieht das neue Angebot als Vorteil: „Wir haben jetzt zwei Versorgungsformen unter einem Dach. Von schnellen Entscheidungen und erfahrenen Kollegen profitieren alle Patienten.“

Davon ist auch Lübbens Bürgermeister Lars Kolan (SPD) überzeugt: „Die Bürger erhalten jetzt auch ärztliche Hilfe bei nicht lebensbedrohlichen Erkrankungen, wenn ihr Hausarzt geschlossen hat. Das möglich zu machen, ist eine gute und wichtige Entscheidung.“

Die ärztliche Bereitschaftspraxis in der Spreewaldklinik ist die elfte im Land Brandenburg und die zweite im Landkreis Dahme-Spreewald. Eine solche Praxis gibt es seit zwei Jahren schon im Achenbach-Krankenhaus in Königs Wusterhausen, das ebenfalls zum Klinikum Dahme-Spreewald gehört. „Die Erfahrungen dort sind positiv“, sagt Benno Bretag. Und Andreas Schwark ergänzt: „Wir haben jetzt geschaut, wo weiterer Bedarf am größten ist.“

Eine weitere ärztliche Bereitschaftspraxis wird ihm zufolge im Landkreis Dahme-Spreewald nicht eingerichtet. Neben der neuen Praxis steht den Bürgern auch eine bundesweite Service-Nummer zur Verfügung. Unter 116117 können sie sich an den ärztlichen Bereitschaftsdienst wenden, werden dort außerhalb der üblichen Praxiszeiten von Fachpersonal beraten und an die ärztliche Bereitschaftspraxis vermittelt.

Der telefonische Service ist offenbar eine Erfolgsgeschichte. „Diese Möglichkeit nutzen dreimal mehr Menschen als sich persönlich gleich beim Arzt vorstellen“, sagt Andreas Schwark. „Etwa die Hälfte der Anrufer wird in ärztliche Bereitschaftspraxen vermittelt. Der Rest ist dankbar für die Hinweise und Tipps unserer Spezialisten am Telefon, die zur Linderung oder Beseitigung ihrer Beschwerden führen.“ Beide Alternativen – telefonische Beratung und ärztliche Bereitschaftspraxis – stehen jetzt auch in Lübben zur Verfügung.