Eins vorneweg: Christine Montag will, dass es weniger um sie und mehr um den Verein geht. Sie steht nicht gern im Mittelpunkt. Der Verein Freundeskreis Kornspeicher ist der Mittelpunkt und alle zwölf Vereinsmitglieder machen die Arbeit – gleichmäßig verteilt und gleichberechtigt. „Mit viel Liebe und viel Engagement“, sagt Christine Montag, die im Jahr 2004 von Vereins-Chefin Ingrid Walter angesprochen wurde, ob sie Lust hätte, für den Kornspeicher in Straupitz ehrenamtlich zu arbeiten. Sie hatte Lust und war über die Vereinsgründung ein Jahr später sehr glücklich. Seitdem ist sie stellvertretende Vereinsvorsitzende.

In der Kirchstraße in Straupitz, zwischen der Schinkelkirche und dem Schloss, steht der ungefähr im Jahr 1798 erbaute Kornspeicher. Bis 1992 noch in seiner ursprünglichen Form als Kornspeicher genutzt, wurde er 2004 mehr als ein Jahr lang von oben bis unten saniert und im September 2005 wieder eröffnet. Von der Idee der Vereins-Chefin Ingrid Walter, einen Ort der Begegnung in Straupitz zu schaffen, ließ sich auch Christine Montag anstecken.

Gleich an den Eingangsbereich des Kornspeichers schließt sich ein gemütlicher Raum an, der Besucher zum Verweilen einlädt. Begegnungsraum, so nennt der Freundeskreis diesen Ort, in dem frisch gebrühter Kaffee und selbstgebackener Kuchen angeboten werden. In den Etagen darüber kann man beispielsweise in einer als Schauwerkstatt eingerichteten Töpferei einer Keramikerin über die Schultern schauen und auch selbst die Töpferscheibe zum Drehen bringen. Unterm Dach stehen in den Ausstellungsräumen viele antiquarische Stücke des jahrhundertealten Dorflebens, deren Geschichten die Ehrenamtlichen des Freundeskreises gern erzählen. Vom verstaubten Heimatstuben-Image ist im Kornspeicher Straupitz nichts zu finden. Da passen die Mitglieder, die sich immer wieder montags treffen, auf. Heimatgeschichte, so Christine Montag, wollen sie spannend vermitteln. Viel Zeit braucht man deshalb für so ein Ehrenamt. Die nimmt sich Christine Montag für den Freundeskreis, obwohl sie in ihrem Job als Fachärztin für Arbeitsmedizin für den TÜV Rheinland im gesamten Land Brandenburg viel unterwegs ist. Fast 40 Firmen betreut sie, geht in Krankenhäuser und Altersheime und prüft, was Mitarbeiter dort krank machen könnte. Doch Stress weiß sie zu vermeiden. Ihr Leben hat ihr ein selbstverständliches Selbstbewusstsein verliehen, so dass sie mit einem Gefühl für Gelassenheit und Ausglichenheit jedes Problem lösen kann.

Christine Montag stammt aus Amtzell, einem Ort bei Ravensburg im Allgäu. Mit 17 Jahren ging sie dort weg, um in Westberlin eine Ausbildung zur Diätassistentin zu machen. Wegen schlechter Jobaussichten entschied sie sich, das Abitur nachzuholen. Danach ging es an die Freie Universität Berlin zum Medizinstudium. Dort lernte sie ihren Mann kennen. Als Ärztin im Praktikum arbeitete sie nach dem Studium für fast zwei Jahre in der Unfall-Chirurgie. „Ich hatte ein schönes Leben in Berlin“, erinnert sie sich. Und den liebenswerten Spruch vom Koffer, den sie noch in Berlin hat, sagt auch sie. Ob es sie aber noch mal in die Hauptstadt ziehen wird, weiß sie nicht. Jetzt wohnt sie mit ihrem Mann, ihrem 16-jährigen Sohn Vito und ihrer 13-jährigen Tochter Cora seit fast zehn Jahren auf einem Anwesen in Straupitz – direkt gegenüber dem Kornspeicher. Mit ihrem Ehrenamt beim Freundeskreis Kornspeicher hat sie sich als zugezogene Städterin gut ins Straupitzer Dorfleben integrieren können.

Vor Weihnachten kommt auf Christine Montag und die anderen Mitglieder des Freundeskreises wieder jede Menge Arbeit zu. Der Weihnachtsmarkt am 27. November muss vorbereitet werden. Da wird gebacken, gebastelt und getöpfert. Für den 11. Dezember hat sich rbb-Moderator Hellmuth Henneberg für einen Besuch im Kornspeicher angekündigt. Gemeinsam mit Karsten Noack präsentiert er sein musikalisch-literarisches Programm „Advents-Posaune“. Mit Schwung öffnet Christine Montag die Fensterläden des Kornspeichers: „Auf geht's!“ ths1

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