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Im Interview
Luthers Wort und Musik seiner Zeit

Gunther Emmerlich hat seinerzeit in Lübben eine Rose gepflanzt, jetzt will er nach ihr sehen.
Gunther Emmerlich hat seinerzeit in Lübben eine Rose gepflanzt, jetzt will er nach ihr sehen. FOTO: Magnus Brunkhorst / Brunkhorst Magnus
Lübben. Emmerlich und sein Ensemble gestalten ein Konzert in der Paul-Gerhardt-Kirche Lübben. Von Ingrid Hoberg

 Gunther Emmerlich und sein Ensemble werden in der Paul-Gerhardt-Kirche Lübben ein Konzert geben. Was die Besucher am Freitagabend erwartet, darüber spricht er vorab mit der Lausitzer Rundschau.

Herr Emmerlich, Sie sind in Lübben kein Unbekannter - und Sie kennen Lübben. Woran denken Sie, wenn der Name der Stadt fällt?

Emmerlich Zunächst an die schöne Paul-Gerhardt-Kirche, in der ich schon des öfteren war, an die Fernsehsendung, die ich hier gemacht habe, und an die Rose, die ich pflanzte.

Werden Sie die Roseninsel besuchen und nach der Rose schauen, die Sie vor zehn Jahren in den Boden setzten und die Ihren Namen trägt?

Emmerlich Ich freue mich, nach Lübben zu kommen - das wurde auch wieder einmal Zeit! Und ich habe vor, nach der Rose zu schauen - den Weg auf die Rsoeninsel muss ich mir allerdings erst wieder zeigen lassen.

Was werden Sie dem Lübbener Publikum präsentieren?

Emmerlich Es wird ein Bogen von Kompositionen und Chorälen von Martin Luther und seinen Zeitgenossen gespannt. Es erklingt nicht nur Musik der Luther-Zeit, thematisch geordnet gibt es Musik aus darauf folgenden Epochen - Barock und Klassik. Johann Sebastian Bach, Paul Gerhardt und Johann Walther, die musikalische rechten Hand von Luther, sind zu nennen. Walter stammt aus Kahla in Ostthüringen, meiner Geburts-Heimat. In der Kirche von Walthers Geburtsort gibt es keine Orgel. Ich bin Schirmherr zur Installierung einer Orgel in der Kirche Kahla.

Und Sie engagieren sich auch für Wittenberg ...

Emmerlich Ja, ich bin Schirmherr der Generalsanierung der Stadtkirche Wittenberg, der Mutterkirche der Reformation. Ich habe gemeinsam mit meinem Ensemble, drei wunderbaren Musikern, zum Reformationsjubiläum das Programm mit dem Titel „Martin Luther in Wort und Ton“ erarbeitet. Viele Gedanken Luthers und über Luther beinhaltet das Programm. Es sind nachdenkliche und viele heitere Texte. Er formulierte manchmal auch ziemlich deftig, immer unverwechselbar.

Also alles Luther?

Emmerlich Es gibt auch nachdenkliche und witzige Kommentare anderer, beispielsweise Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich von Schiller und - was vielleicht überrascht - Heinz Erhardt.

Werden diese Texte für Sie zusammengestellt oder erarbeiten Sie die Moderation selbst?

Emmerlich Das mache ich schon selbst. Natürlich hole ich mir Rat - vom Organisten, vom Trompeter, bei Freunden. Doch ich lasse mir nichts schreiben, schon gar nichts vorschreiben. Das ist eine Frage der Authentizität.

Wie wichtig sind Ihnen Fernsehauftritte?

Emmerlich Das Fernsehen hat nicht den Stellenwert, der ihm gemeinhin zugeschrieben wird – jedenfalls nicht für mich. Ich bin mehr im Theater zu Hause, gebe Konzerte, bin den Menschen nahe. Im Sommer war ich zu den Festspielen in Bad Hersfeld, dort werde ich auch im nächsten Jahr wieder auf der Bühne stehen. Konzerte und Lesungen sind geplant. Ich habe aber auch Fernsehsendungen wie am vergangenen Wochenende im MDR über Dresden, meine Heimat, wo ich lebe. Und es wird eine Weihnachtssendung vorbereitet - aus dem Spreewald.

Sie könnten mit 73 Jahren ja auch etwas ruhiger treten …

Emmerlich Ich lasse mir nicht von einer Sozialversicherung vorschreiben, wann ich von der Bühne abtrete. Ich habe viel Freude an der Begegnung mit den Menschen. Und solange das der Fall ist, mache ich weiter.

Vielen Dank für das Gespräch.

Mit Gunther Emmerlich
sprach Ingrid Hoberg