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Marode Brücke am Lehnigksberger Weg

FOTO: Ingrid Hoberg
Lübben. "Wie kann man nur so lange über die Brücke diskutieren – die muss gemacht werden", sagte kopfschüttelnd ein Lübbener, der nach dem öffentlichen Teil am Donnerstagabend den Sitzungssaal des Rathauses verließ. Die Stadtverwaltung hatte in die Stadtverordnetenversammlung eine Vorlage eingebracht, in der festgelegt wird, dass die Sanierung der Radwegebrücke über die Spree in Lübben/Lehnigksberg sofort einzuleiten ist. Ingrid Hoberg

Die Finanzierung des Vorhabens soll zur Vergabe der Bauleistung dargestellt werden. Es wird mit Kosten von rund 500 000 Euro gerechnet. Dem Vorschlag der Verwaltung schlossen sich am Ende die Abgeordneten an, zwei enthielten sich der Stimme. Damit ist ein Grundsatzbeschluss zur Sanierung der Brücke Lehnigksberg gefasst. Sollten keine Fördermittel zur Verfügung gestellt werden, könne die Ausschreibung verworfen werden. Das sei möglich, so Bürgermeister Lars Kolan (SPD).

"Der schlechte Zustand der Brücke hat sich verschärft", sagte der Bürgermeister. "Wir sind kurz davor, die Brücke zu sperren." Trotz der ständigen Reparaturarbeiten am Oberbau sei die Verkehrssicherheit nicht mehr gegeben und könne auch nicht mehr durch solche Maßnahmen hergestellt werden. So sind großflächig Bleche auf den morschen Bohlen aufgeschraubt worden. Die Verwaltung teilte mit, dass wöchentlich der Zustand der Brücke kontrolliert und Reparaturen als Notbehelf ausgeführt werden. "Wenn morgen ein Geländer abbricht, ist die Brücke zu", machte der Bürgermeister die Dringlichkeit deutlich. Nach der Saison 2017, ab September, werde die Sperrung auf jeden Fall notwendig.

Die Kosten für die Brückensanierung hat das Ingenieurbüro Prokon, das mit der Planung beauftragt war, im Mai 2016 insgesamt mit rund 470 000 Euro beziffert. Eingeschlossen sind darin die Vorarbeiten für den Baustellenbereich, Abbruch- und Instandsetzungsarbeiten sowie die Erneuerung des Überbaus. Bereits damals war festgelegt worden, dass sich die Stadt um Fördermittel bemüht.

Eine Zusage liegt bisher nicht vor, doch es wurde von der Investitionsbank des Landes Brandenburg mitgeteilt, dass ein Beginn der Maßnahme sich nicht förderschädlich auswirkt. Doch ob es überhaupt eine Förderung aus dem Programm Modernisierung touristischer Radtouren geben wird, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt ebenso offen.

Auf diese noch nicht getroffene Entscheidung bezieht sich die Kritik, die Peter Schneider (Stadtfraktion) anbringt. "Es ist ein wichtiger Radweg, aber er sollte nicht ohne Fördermittel gebaut werden - ich warne ansonsten vor dieser Baumaßnahme", sagte er und verwies auf Radwege an Bundesstraßen in Lübben, die täglich von vielen Schülern genutzt werden und zur Schulwegsicherung wichtiger seien. "Dann muss man die Brücke schließen, wenn es nicht anders geht", so Schneider.

Jens Richter (CDU/Grüne) fragte nach, warum es jetzt diesen Zeitdruck gebe, einen Beschluss zur Sanierung zu fassen. Lars Kolan verwies darauf, dass es um Ausschreibungsfristen und Kosten gehe. Die Unterlagen seien vorbereitet, antwortete er auf eine Nachfrage von Andreas Rieger (CDU/Grüne). "Es ist Gefahr im Verzug, wir sollten handeln, die Finanzierung nachreichen und die Fördermittelfrage so schnell wie möglich klären", sagte Reinhard Krüger (Linke). Olaf Stöbe (Pro Lübben) verwies darauf, dass die Betreiber der am Weg liegenden Hotels und Pensionen daran interessiert seien, dass vor der kommenden Saison gebaut wird.

Zum Thema:
Die Brücke Lehnigksberg ist um 1900 in Lübben für die Spreewaldbahn gebaut worden. Aus dieser Zeit stammt auch noch die Gründung, die bei einer Sanierung erhalten bleiben kann, wie das Ingenieurbüro Prokon festgestellt hat, das im Mai 2016 im Bauausschuss der Lübbener Stadtverordnetenversammlung die Untersuchungsergebnisse und die Entwurfsplanung für eine Sanierung vorgestellt hatte. Demnach gibt es keine Tragfähigkeitsprobleme. 1993/94 war die Brücke mit dem Holzaufbau für den Wanderweg, den Fußgänger und Radfahrer nutzen können, umgebaut worden. Das Brückenbauwerk steht unter Denkmalschutz.