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| 02:44 Uhr

Malerei, "Verstrickungen" und Kulinarisches

Raus aus dem Magazin, rein ins Rampenlicht: Die "unbekannte Dame" und der "unbekannte Amtsmann" bekommen in dieser Woche wieder Ehrenplätze im Lübbener Stadt- und Regionalmuseum beziehungsweise im Wappensaal. Die Mitarbeiter bereiten auch dieses Jahr wieder Sonderausstellungen vor.
Raus aus dem Magazin, rein ins Rampenlicht: Die "unbekannte Dame" und der "unbekannte Amtsmann" bekommen in dieser Woche wieder Ehrenplätze im Lübbener Stadt- und Regionalmuseum beziehungsweise im Wappensaal. Die Mitarbeiter bereiten auch dieses Jahr wieder Sonderausstellungen vor. FOTO: Ingvil Schirling
Lübben. Trotz angespannter Personalsituation geht das Museum Schloss Lübben mit drei Sonderausstellungen ins die Jahresplanung. Die Besucher dürfen sich auf drei spannende Schwerpunkte freuen, Forschung und Veröffentlichung inklusive. Ingvil Schirling

Als erstes aber werden eine unbekannte Schönheit und ein heiterer Amtsmann ihre Plätze verlassen. Die beiden Gemälde hingen eine Zeitlang im Magazin und beziehen diese Woche wieder publikumswirksame Plätze im Lübbener Wappensaal beziehungsweise im Foyer oder Ständeraum. Beide Bilder teilen ein Geheimnis. Verschmitzt lächelt der schwarzgekleidete Amtsmann über seiner weißen Halskrause, ernst blickt die Dame zum Betrachter. Wer die beiden waren? "Wir wissen es nicht", sagt Christina Orphal.

Zu den weniger Hintergrund-Projekten dieses Jahres gehört unter anderem deshalb die Provenienzforschung. Sie beschäftigt sich mit der Frage, wo historische Gegenstände, Kunstwerke oder Artefakte herkommen, in wessen Eigentum sie früher waren, ob beispielsweise in jüdischem oder freimaurerischem. "Jetzt ist die Zeit, da mal genau hinzuschauen", sagt die Museumsleiterin. Nachdem Lübbens früheres Museum 1945 zerstört worden war, baute sie den Bestand an Ausstellungsstücken ab 1997 wieder auf.

Mittlerweile zählen rund 15 000 Objekte zum Bestand. "Nicht jedes Stück kommt beim Ankauf mit einem ,Lebenslauf'", sagt sie, und wenn, könne man sich auch nicht immer darauf verlassen. Mittels Fördermittel der Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste kann das nun geprüft werden. Das umfangreiche Projekt, das der Potsdamer Provenienzforscher Mathias Deinert durchführt, dürfte im Lauf des Jahres weitere Erkenntnisse zu Tage fördern - mit etwas Glück auch die Namen der Personen, die auf den beiden Gemälden zu sehen sind, und ihre Umstände. Ins Rampenlicht dürfen sie aber schon jetzt.

Wie künftig die Sonderausstellungen. In Vorbereitung ist eine Schau unter dem vorläufigen Titel "Berliner Malerei", die ab 17. März die aktuelle Sonderschau "Erlebnis Sport" ablöst. In Zusammenarbeit mit dem Galeristen Volker Westphal stehen Berliner Maler im Vordergrund, die vom Spreewald inspiriert waren. Westphal ist gebürtiger Lübbener und auch Mitglied im Förderverein des Museums.

Einem Höhepunkt steuert dieses im Juni entgegen, wenn es seinen 15. Geburtstag feiert. Geplant ist am 4. Juni ein Museumsfest, das in die Schlossparknacht übergehen soll. Noch ist die Finanzierung offen, "aber wir würden gerne mal so richtig auf die Pauke hauen", gesteht Christina Orphal. Demnächst wird mit einer Konzeption begonnen.

Noch auf finanziell wackligen Beinen steht die zweite Sonderaustellung in diesem Jahr, die am 7. Juli eröffnet werden soll. Mit der Absage der Förderung durch Kulturland Brandenburg bleibt nun die Finanzierung durch die Stiftung Dahme-Spreewald der Mittelbrandenburgischen Sparkasse und die Hoffnung auf einen Zuschuss vom Landkreis selbst. Unter dem Arbeitstitel "Verstrickungen" soll es schwerpunktmäßig um das Trikotagenwerk gehen. Mit der Veröffentlichung des Lübbener Historikers Rolf Ebert und einer familiären Sammlung gibt es bereits gute Grundlagen für die Ausstellung.

"In Lübben warten viele Leute, zum Beispiel ehemalige Mitarbeiter, auf diese Ausstellung", schätzt Christina Orphal das Interesse ein. Das Werk war für die Stadt bedeutender Arbeitgeber und prägte das gesellschaftliche Leben. Im Volksmund wurde es liebevoll "Schlüpperbude" genannt, wiewohl der Anspruch durchaus ernsthaft war. Ergänzt werden soll dieser Schwerpunkt mit anderen historischen Aspekten und Funden, die mit dem Thema Bekleidung zu tun haben.

Den Mund wässrig macht die letzte Sonderausstellung in diesem Jahr. Unter dem Arbeitstitel "Gänsebraten und Mohnpielen" wird Kulinarisches historisch beleuchtet, von handgeschriebenen Kochbüchern bis hin zu renommierten Ausflugsgaststätten vergangener Zeiten. Ein Schwerpunkt werde das Lübbener "Kaffee Schulze" sein. Die Familie habe viel gesammelt, mit Sohn Martin Schulze werde seit längerem geplant, erzählt die Museumschefin.

Der Kunstmarkt im Dezember steht ebenfalls wieder auf dem Programm. Ins Veranstaltungsjahr aber startet das Museum mit dem bewährten Ostereier-Workshop am 10. März.