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Malerei und Holzkunst im Dialog

Künstlerin Malgorzata Suwalski (M.) zur Vernissage mit Kurator Harald Larisch (l.) und LDS-Kulturdezernent Carsten Saß.
Künstlerin Malgorzata Suwalski (M.) zur Vernissage mit Kurator Harald Larisch (l.) und LDS-Kulturdezernent Carsten Saß. FOTO: Peter Becker/peb1
Lübben. Der erste Blick auf die Kunstwerke im 1. Obergeschoss des Lübbener Landratsamtes offenbart sofort: Hier ist große Kunst zu sehen, Kunst, in der sich viel Lebenserfahrung, Können und Talent widerspiegelt. Peter Becker / peb1

Doch dem ist nicht ganz so, wie der Besucher der Ausstellung aus dem Munde von Malgorzata Suwalski sogleich erfährt. "Ich stamme aus einer kunstfernen Posznaner Familie, und ich sollte was ‚Ordentliches‘ lernen, obwohl ich schon damals in mir den Hang zur Kunst verspürte", erzählt sie im Dialog mit dem Kulturdezernenten Carsten Saß. Mit im Podium sitzen der Landrat Stefan Loge und künstlerische Leiter der Aquamediale Harald Larisch, vor dem Quartett sitzen zahlreiche Kunstfreunde, Künstler- und ehemalige Arbeitskollegen. Malgorzata Suwalski hat nach ihrer Übersiedlung nach Deutschland viele Jahre beim Kommunalen Abfallverband gearbeitet. Erst hier drangen langsam ihre ersten Kunstwerke ans Tageslicht, genauer an die weiß-kahlen Bürowände. Ihr damaliger Chef Bernhard Schindler hat das zehn Jahre beobachten können: "Es wurde immer mehr und immer besser, wir haben sie im Rahmen unserer Möglichkeiten darin unterstützt", sagt er in der Gesprächsrunde. Laudator Harald Larisch ist des Lobes voll: "Die Welt, die Natur, besteht aus komplexen Zusammenhängen. Malgorzata Suwalski hat es geschafft, sie auf zwei oder drei Dimensionen zu reduzieren."

Die Künstlerin, sichtlich gerührt, geht auf einige Beispiele ein, in denen ihr das gelungen ist. Ihre Skulptur vom "König der Blender" zeigt ein freundliches Allerweltsgesicht, doch dahinter verbirgt sich eine schwarze Seele. "Lasst euch nicht blenden von den Trumps, Erdogans oder Kaczynskis, die nur an sich denken, Nationalismus und Hass schüren", erklärt Malgorzata Suwalski mit besonderen Blick auf ihre polnische Heimat. Oder ihr Werk "Geborgenheit und Loslassen". Sie findet, "dass es für ein Kind nicht wichtig ist, ob die Mama schlank oder eher korpulent ist oder ob sie tätowiert ist oder nicht". Es finde seine Mama schön, wenn es geliebt wird. Das Bildnis zeigt eine wohldurchproportionierte Frau, in deren großen Händen sich wohlig ein Kind kuschelt.

Das Thema Familie, Kindheit und Geborgenheit spiegelt sich häufig in ihren Werken wider. So auch im Acrylbild "Umarmung". Das Original hängt im Standesamt in Lübbenau. "Das Bild habe ich einer Freundin gewidmet, die mir erst nach vielen Jahren anvertraut hat, dass sie von ihren Eltern nie umarmt wurde. Das hat mich tief bewegt. Ich wollte das Bild, wenn auch nur als Kunstdruck, unbedingt zeigen, weil das Motiv Zwischenmenschliches anspricht", erzählt die Künstlerin. Ihr Figuren haben darin etwas Madonnenhaftes, aber sind gesichtslos - es könnte jeder sein, jeden betreffen.

Die Lieblingsfrage eines jeden Moderators an einen Künstler ist die: "Was ist Kunst?" Malgorzata Suwalski muss nicht lange nachdenken: "Kunst ist für die Menschen da, sie braucht Öffentlichkeit und bringt Menschen zusammen. Kunst muss gemacht werden."

So wie in dieser Ausstellung, in der die Künstlerin viele Fragen beantwortet, ihre Sicht darlegt und genauso auch die Sicht der anderen zulässt. Landrat Stefan Loge bleibt lange vor der Ikarus-Skulptur stehen: "Genial: Ein Stück Treibholz kombiniert mit einem Kopf, vielleicht von einer antiken Plastik - es scheint fliegen zu wollen!" Der klug gewählte Platz vor einem großen Fenster verstärkt diesen Eindruck.