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| 16:57 Uhr

Streit um Windpark
Märkische Heide lehnt Windräder ab

Groß Leuthen. Vier weitere Anlagen sollen im Windpark Klein Leine errichtet werden. Gemeindevertreter sind dagegen. Von Andreas Staindl

Die Gemeindevertreter der Gemeinde Märkische Heide lehnen weitere Windräder im Windpark Klein Leine Nord IV mit großer Mehrheit ab. Sie stellen sich damit gegen die Empfehlung der Gemeindeverwaltung, das gemeindliche Einvernehmen zu erteilen.

„Wir als Verwaltung sehen keine Gründe, das Vorhaben abzulehnen“, sagte Katharina Magoltz während der Gemeindevertretersitzung kürzlich. Die stellvertretende Bürgermeisterin verwies zudem darauf, dass die Gemeindevertretung bereits zwei Verträgen über Durchleitungsrechte und Infrastruktur für das geplante Vorhaben im April dieses Jahres zugestimmt hat (die RUNDSCHAU berichtete). „Für mich war damals nicht klar, dass wir diese Entscheidung mit Blick auf die Errichtung weiterer Windräder getroffen haben“, sagt Veronika Birnack (Initiative Zukunft).

Vier Windkraftanlagen (WKA) will die Firma UKA Meißen Projektentwicklung GmbH & Co.KG im Windpark Klein Leine Nord errichten. Sie sind in den Gemarkungen Glietz und Klein Leine geplant. Die betroffenen Ortsbeiräte haben das Vorhaben abgelehnt, wie die Bürgermeisterin Annett Lehmann (parteilos) sagt. Auch Marita Nowigk (Pro Märkische Heide) ist dagegen. „Ich weiß aus eigener Erfahrung wie sehr der Schall und der Schattenwurf der Anlagen belästigen. Ich bin deshalb gegen die geplanten weiteren Windräder.“ Bernd Lehmann (SPD) lehnt das Vorhaben ebenfalls ab und begründet das. „Anfangs war nur von einem kleinen Windpark die Rede, inzwischen entsteht dort ein Mega-Windpark. Wir müssen endlich einen Schnitt machen. Man kann nicht immer nur Energie erzeugen, man muss sie auch verkaufen.“ Aus seiner Sicht stimmt das Verhältnis von Stromerzeugung und -verkauf nicht.

Matthias Jantz von der Firma UKA widerspricht: „Strom aus Windkraftanlagen wird gebraucht und auch verkauft.“ Manfred Bogula (SPD) hat nichts gegen Windenergie, wie er sagt, „doch es ist nicht in Ordnung, dass die Flächen für die Anlagen an Leute vergeben werden, die nicht hier leben und damit von den Windrädern nichts sehen und hören. Besser wäre es, die Windkraftanlagen dort zu errichten, wo die Investoren wohnen.“ Christine Exler (Initiative Zukunft) sieht die Grenzen der Belastbarkeit erreicht: „Immer mehr Windräder lassen sich in unserer eng bebauten Landschaft einfach nicht mehr realisieren. Die Anlagen sind eine Belästigung für Menschen, Tiere und die Natur.“ Matthias Jantz entgegnet, dass „für Windkraftanlagen die gleichen Anforderungen an die Technische Anleitung (TA) zum Schutz gegen Lärm gelten wie für alle anderen Anlagen. Außerdem“, ergänzt er, „sind Windkraftanlagen wichtig, um die Klimaschutzziele zu erreichen“. Betroffene müssen hinnehmen, dass die TA-Lärm eingehalten wird – oder tief in die Tasche greifen. „Wenn wir Lärmmessungen in Auftrag geben, kostet uns das 10 000 Euro“, sagt Annett Lehmann. „So viel Geld investieren, nur um zu seinem Recht zu kommen, ist schon ein Hammer.“ Als Einreicher der Vorlage stimmte sie dennoch dem gemeindlichen Einvernehmen zu.

Sylvia Lehmann (SPD) enthielt sich als Einzige des Gremiums. „Wir brauchen alternative Energien“, begründet sie. „Es macht keinen Sinn, alles abzulehnen und immer nur zu sagen: Kohle ist schlecht, Gas ist schlecht, Solar ist schlecht, Windkraftanlagen sind es auch. Eine solche Diskussion ist mir zu einfach.“ Das eigentliche Problem aus ihrer Sicht ist, „dass betroffene Regionen nicht von den Windkraftanlagen profitieren“.

Ob die mehrheitliche Ablehnung des gemeindlichen Einvernehmens tatsächlich die vier geplanten Windräder in Klein Leine Nord verhindert, ist fraglich. Laut Katharina Magoltz kann das Votum der Gemeindevertreter auch von übergeordneten Behörden ersetzt werden. Peter Ostwald (CDU) erinnert das ganze Prozedere „an den Sozialismus“.

Landesweit fordern Kommunen ein Umdenken beim Bau von Windrädern. Ihre Forderungen sind in der „Brandenburger Erklärung“ aufgeschrieben. Märkische Heide will sich der Erklärung anschließen.