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| 14:46 Uhr

Lyrik, Jazz, Prosa
„Die Kuh im Propeller“ in der Lieberoser Darre

„Lyrik, Jazz, Prosa“ in der Lieberoser Darre mit Schauspielerin Heide Bartholomäus, Jürgen Kupke (Klarinette) und Hannes Zerbe (Piano).
„Lyrik, Jazz, Prosa“ in der Lieberoser Darre mit Schauspielerin Heide Bartholomäus, Jürgen Kupke (Klarinette) und Hannes Zerbe (Piano). FOTO: Ingrid Hoberg / LR
Lieberose. Das Duo Kupke-Zerbe und die Schauspielerin Heide Bartholomäus haben Lyrik, Jazz und Prosa vorgetragen. Von Ingrid Hoberg

Mit dem Begriff „Lyrik, Jazz, Prosa“ ist die Erinnerung an eine legendäre Veranstaltungsreihe in den 1960-er Jahren in der DDR verbunden. Die Jazz Optimisten Berlin spielten Dixieland, Schauspieler wie Manfred Krug, Eberhard Esche und Gerd E. Schäfer rezitierten Texte von Kurt Tucholsky, Jewgeni Jewtuschenko, Michail Soschtschenko. Die Stimmung bei diesen Veranstaltungen geben Aufnahmen wider, die auf Schallplatten herausgeben wurden und noch in so mancher privaten Sammlung zu finden sind.

An eine Legende anzuknüpfen, ist immer ein gewagtes Unterfangen, denn die Zuhörer bringen große Erwartungen mit. Hannes Zerbe (Piano), Jürgen Kupke (Klarinette) und Schauspielerin Heide Bartholomäus haben dieses Wagnis dennoch unternommen. Das Museum für Alltagskultur in Eisenhüttenstadt habe einmal darum gebeten und so sei das Projekt entstanden, sagte Hannes Zerbe zu Beginn der Veranstaltung am Samstagabend in der Lieberoser Darre . Nicht nur Lieberoser, auch Besucher aus der Region von Cottbus über Guben und Beeskow waren gespannt, zu hören was im Jahr 2018 aus dem Konzept geworden ist.

Spielten vor mehr als 50 Jahren die Jazz Optimisten Berlin Dixieland und Jazz-Standards, waren diesmal Bearbeitungen von Dessau und Eisler sowie Kompositionen von Hannes Zerbe für das Duo zu hören – ein stilistisch weiter Weg. Das Programm folgte nicht schematisch der bekannten Plattenveröffentlichung. Heide Bartholomäus stieg mit „Der Engel“ von Jewgeni Jewtuschenko ein um dann zu einem ihrer Lieblingslieder weiterzuführen, zu „Sieben Rosen hat der Strauch“ von Bertolt Brecht. Aus dem Sammelband „Erkundungen“, eine Publikation zu DDR-Zeiten, ist die Geschichte vom „Straßenkriegszustand“ entnommen worden, der seine Gültigkeit nicht verloren hat. „Ich werde dir mal zeigen, wie man Auto fährt!“, heißt die „Kriegserklärung“ zwischen Autofahrern. Zu den Tierversen von Brecht stellt sich die Fragen, wie auf der Klarinette eine Kellerassel klingt. Und der Vers: „Es war einmal ein Pferd. Das war nicht sehr viel wert. Für das Rennen war es zu dumm. Vor den Wagen gespannt, fiel es um. Da wurde es Politiker. Es ist jetzt hoch geehrt“, wirkt gar nicht angestaubt oder überholt. Typisch Brecht eben.

Und dann darf „Die Kuh im Propeller“ von Michail Soschtschenko aus dem Jahr 1923 nicht fehlen. Heide Bartholomäus erzählt, dass sie als Kind in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) im Theater zum ersten Mal die Rezitation von Manfred Krug gehört hatte. Und die hat natürlich auch jeder Zuhörer im Hintergrund in seinem Kopf laufen – die Geschichte ist einfach nicht kaputt zu kriegen.

Mit dem Song der Sunny aus dem Film „Solo Sunny“ geht der Abend zu Ende. Damit es dann doch nicht so melancholisch wird, gibt’s eine flotte Zugabe. Und für die Künstler je eine Rose aus Lieberose als Dank vom veranstaltenden Förderverein.