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Lübbens Zukunft zieht nicht

Saubere Scheiben schärfen den Blick. Was Lars Kolan (Mitte) hier mit Mitstreitern symbolisch während des vergangenen Spreewaldfests vorführt, macht das Organisations- und Entwicklungskonzept für Lübben konkret deutlich. Es richtet den Blick auf die Kreisstadt als Freizeit- und Erholungsstandort.
Saubere Scheiben schärfen den Blick. Was Lars Kolan (Mitte) hier mit Mitstreitern symbolisch während des vergangenen Spreewaldfests vorführt, macht das Organisations- und Entwicklungskonzept für Lübben konkret deutlich. Es richtet den Blick auf die Kreisstadt als Freizeit- und Erholungsstandort. FOTO: asd1
Lübben. Stadt und Tourismusverein haben am Montagabend über den künftigen Freizeit- und Erholungsstandort Lübben informiert – das Interesse hielt sich enttäuschend in Grenzen. Andreas Staindl / asd1

"Ich bin schon enttäuscht, dass nicht ein einziger Stadtverordneter hier ist", sagte Sylvia Lehmann. Die Vorsitzende des Tourismusvereins konnte allerdings auch nur wenige Vereinsmitglieder begrüßen. Vielleicht liegt es ja daran, dass das Organisations-und Entwicklungskonzept für den Freizeit- und Erholungsstandort Lübben längst beschlossen ist. Jetzt geht es an die Umsetzung.

Karsten Heinsohn von der dwif-Consulting GmbH in Berlin machte noch einmal auf die wichtigsten Eckpfeiler aufmerksam. Das Papier ist Grundlage für die optimale Erschließung vorhandener Potentiale in Lübben. Es ist kein klassisches Tourismuskonzept, sondern richtet sich an alle Einwohner der Stadt, gibt Strategien für die Weiterentwicklung in den Bereichen Freizeit und Erholung vor. "Das Konzept wird nur gelingen, wenn es in Gänze umgesetzt und Geld für die Infrastruktur in die Hand genommen wird", sagt Sylvia Lehmann. Sie wünscht sich eine Verzahnung von Tourismusverein, Bürgermeister und Stadtverordneten. "Zusammenarbeit ist das Zauberwort. Lübben lebt schließlich vom Tourismus." Etwa 35 Millionen Euro werden durch den Tourismus jährlich in Lübben umgesetzt, wie Karsten Heinsohn sagt. Er sieht allerdings noch viele Reserven. "Die Stadt muss professioneller werden." Das betreffe das Marketing ebenso wie Angebote, die möglichst über Alleinstellungsmerkmale verfügen. Er sieht Bedarf etwa für ein Sterne-Hotel, das allerdings nicht die Kommune, sondern ein privater Investor bauen sollte. Auch ein Erlebnis-Informationszentrum wäre etwas, was der Spreewald noch nicht hat. Zudem sollte die touristische Wegestruktur verbessert werden. Empfohlen wird außerdem, das geplante Spreewalddorf auf dem Parkplatz in der Lindenstraße zu realisieren.

Lübbens bekannteste Stadtführerin Marga Morgenstern würde statt des Spreewalddorfs lieber einen Rundweg vorbei am Reha-Zentrum und über das Wasser hin zum slawischen Burgwall "Burglehn" anlegen. "Es wäre schade, wenn wir diesen Bereich des ursprünglichen Spreewalds nicht erschließen würden." Vergessen ist diese Idee nicht, sondern ebenfalls im Konzept enthalten, wie Lars Kolan sagt. Die Umsetzung sei abhängig von Fördermitteln. Marga Morgenstern macht sich auch über Bus-Touristen Gedanken, wenn diese nach Fertigstellung des Parkplatzes am Burglehn nur noch dort und nicht mehr direkt auf der Schlossinsel abgesetzt werden sollen. "Für ältere Menschen ist der Weg über die lange Holzbrücke beschwerlich", sagt sie.

Kahnfährmann Martin Matthei regte an, mehr Toiletten rund um die Schlossinsel zur Verfügung zu stellen: "Wenn Gäste wie derzeit eine halbe Stunde am Klo anstehen müssen, fühlen sie sich einfach nicht wohl in unserer Stadt. Da hilft auch der schönste Internetauftritt nicht." Er wünscht sich zudem längere Öffnungszeiten der Spreewald-Service-Lübben am Samstag: "Bis 18 Uhr statt wie derzeit 16 Uhr wäre günstiger." Der Gästeführer und Kreiswegewart Uwe Neumann legt den Finger in die gleiche Wunde: "Wir brauchen deutlich mehr öffentliche Toiletten." Er kritisiert zudem, dass die Stadt die Außenbereiche zu wenig im Blick hat, sich touristisch fast alles nur 500 Meter rund um die Schlossinsel abspielt. Katrin Bergmann vom Bootsverleih Gebauer schlägt vor, die Toiletten im Zentrum zu verpachten. Heiko Jahn, Vertreter aus dem Büro des Landrats, hätte sich gewünscht, dass auch andere Regionen des Kreises im Konzept berücksichtigt worden wären. Das war aber nicht der Auftrag, wie Karsten Heinsohn sagt. "Wir haben den Spreewald insgesamt aber schon mitbetrachtet." Lübbens Bürgermeister Lars Kolan (SPD) bestätigt: "Wir wollen die Perlen des Spreewalds an eine Kette legen."

Dass sich Lübben dem Siedlungsgebiet der Sorben zugehörig bekannt hat, sieht Dieter Freihoff als Pfrund an. "Lübben ist die einzige Kreisstadt im Land Brandenburg, die sich dazu bekannt hat", sagt der Sorben-Beauftragte des Spreewaldkreises. "Wir sollten das als Alleinstellungsmerkmal ausbauen." Siegfried Gunkel von der Jugendherberge in Lübben wünscht sich, dass sich die Stadt stärker in der Stiftung "Kulturlandschaft Spreewald" engagiert. "Eine intakte Natur würde helfen, dass wir für Touristen attraktiv bleiben." Verwaltungschef Kolan strebt eine "enge Kooperation mit dem Tourismusverein an". Denn der sei einer der wichtigsten Partner bei der Umsetzung des Konzepts.