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| 17:27 Uhr

Vom Zauber der Bücher
Vorleserinnen suchen Verstärkung

Franziska Rataj, Stephanie Dorow und Maria Meergans (v.l.) in der Bibliothek der evangelischen Grundschule.
Franziska Rataj, Stephanie Dorow und Maria Meergans (v.l.) in der Bibliothek der evangelischen Grundschule. FOTO: LR / Ingvil Schirling
Lübben. Lübbenerinnen wollen Netzwerk als Leselernhelfer aufbauen. Weitere Mentoren gesucht. Von Ingvil Schirling

Ein einladendes Sofa. Ein Erwachsener und ein Kind. Ein Buch. Eine Stunde Zeit. Einmal die Woche.

Welche innere Verbindung baut ein Kind zum Lesen auf, wenn es in vertrauter Atmosphäre und seinem eigenen Tempo die Welt der Bücher entdecken darf? Sicherlich eine andere, als wenn dies ausschließlich im Unterricht geschieht, wenn einem das Lesen vielleicht nicht gerade in die Wiege gelegt ist und wenn die Klasse zuhört, wie man dann beim Üben ins Stottern gerät. Zutrauen und wachsendes Selbstbewusstsein einerseits, Zweifel und Versagensängste andererseits – die innere Einstellung zum Lesen kann das ganze Leben verändern. Wer gerne liest, hat leichteren Zugang zu Wissen, damit zum Handeln und zur Lebensgestaltung.

Genau da wollen Stephanie Dorow, Maria Meergans und Franziska Rataj hin. Um in Lübben ein Netzwerk von Leselernhelfern aufzubauen, haben sie bereits wichtige Schritte getan.

Der Anstoß kam von Stephanie Dorow und Maria Meergans. Stephanie Dorow stammt aus Lübben, lebt inzwischen mit ihrer Familie in Holstein und liest dort als Mentorin in dem generationsübergreifenden Projekt seit Jahren mit Kindern. Zwei ihrer Nichten gehen in der Spreewaldstadt zur Schule. Stephanie Dorow kennt den Nutzen des gemeinsamen Lesens nur zu gut und ist entschlossen: „Ich möchte, dass es dieses Angebot auch in Lübben gibt.“

In Maria Meergans, früher Lehrerin am Lübbener Gymnasium, fand sie schnell eine überzeugte Mitstreiterin. „25 Prozent aller Zehnjährigen können nicht richtig lesen in Deutschland, unabhängig von einem möglichen Migrationshintergrund“, hat sie Zahlen parat. „Sieben Prozent der Erwachsenen haben Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben“, sagt sie weiter. „Dabei hat die Fähigkeit des Lesens einen großen Einfluss auf das weitere Leben.“

Die beiden Frauen machten sich daher auf den Weg, die Grundlagen für den Aufbau eines Leselern-Netzwerks in Lübben zu schaffen und gründeten dafür den Verein „Mentor – die Leselernhelfer Spreewald e.V.“. Seit kurzem ist er offiziell eingetragen. Beim Druck von Flyern und der Internetseite hilft der Bundesverband.

Stephanie Dorow und Maria Meergans sind nun dabei, einerseits weitere Mentoren zu finden, die gerne mit Kindern lesen würden, andererseits zum organisatorischen Teil mit Schulen ins Gespräch zu kommen. Im Blick haben sie neben der Liuba-Grundschule aktuell beispielsweise die evangelische Grundschule. Franziska Rataj als stellvertretende Schulleiterin ist begeistert: „Wir freuen uns sehr, dass die beiden auf uns zugekommen sind. Das ist eine ganz wichtige Arbeit.“

Dabei gelten klare Rahmenbedingungen: Es lesen jeweils ein Erwachsener und ein Kind miteinander, bewusst in einer Eins-zu-eins-Situation und unter vier Augen. „Wichtig ist, dass der Erwachsene sich in dieser Zeit nur mit einem Kind beschäftigt, damit die Emotionalität des Lesens weitergegeben werden kann“, sagt Maria Meergans.

Weiterhin wird über den längeren Zeitraum von etwa 40 bis 50 Wochen, also über ein gutes Schuljahr, eine Stunde pro Woche gelesen, immer zur selben Zeit, damit eine feste Routine etabliert wird.

Zentral ist, dass das Kind bestimmt, was gelesen wird. „Sie dürfen eigene Bücher mitbringen oder diejenigen nutzen, die in der Schule sind“, sagt Stephanie Dorow. „Wir werden auch Bücher- und Spielekisten in die Grundschulen stellen.“

Die evangelische Einrichtung stellt als Leseort ihre Bibliothek zur Verfügung. Still ist es in dem lichtdurchfluteten Raum. Ein Sofa strahlt Gemütlichkeit aus. Fast scheint es, als könnten schon morgen ein Mensch mit Zeit und ein Grundschulkind in einem großen Buch schmökern. „Wir wollen eben auch vermitteln, wie schön es ist zu lesen“, sagt Stephanie Dorow.