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| 15:28 Uhr

Humanitäre Hilfe
Lübbenerin hilft den Ärmsten in Nepal

Nancy Beule ist von der Gastfreundschaft überwältigt. Die Lübbenerin ist derzeit auf humanitärer Mission in Nepal und reiste zuvor durch Indien.
Nancy Beule ist von der Gastfreundschaft überwältigt. Die Lübbenerin ist derzeit auf humanitärer Mission in Nepal und reiste zuvor durch Indien. FOTO: privat
Lübben. Nancy Beule reist derzeit in humanitärer Mission durch ein Land voller Armut. Von ihren Begegnungen berichtet sie der RUNDSCHAU. Von Andreas Staindl

Nepal ist ein faszinierendes Land. Doch die Armut ist allgegenwärtig. Nancy Beule kennt das aus eigenem Erleben. Die Lübbenerin weiß, dass der Hunger die Menschen krank macht, viele Einwohner nur in spärlichen Hütten hausen, schon einfache Kleidung Luxus ist, Krankheiten aus Geldmangel einfach ausgesessen werden. Die 46-Jährige will das nicht hinnehmen. Sie hilft spontan Menschen auf der Straße, die es in ihren Augen bitter nötig haben.

Schon sechs Mal war sie im Binnenstaat in Südasien. Derzeit ist sie erneut im kleinen Land im Himalaya. Mit im Gepäck hat sie das Geld, dass ihr Menschen aus dem Spreewald anvertraut und für ihren humanitären Einsatz gespendet haben. Mehrere tausend Euro sind zusammengekommen (die RUNDSCHAU berichtete). Auch Kindersachen ihres Sohns hatte die Lübbenerin dabei. Die hat sie Bedürftigen in Indien überreicht – der ersten Station ihrer aktuellen Reise. Der Start ihrer Mission in Kalkutta war mit 35 Grad nicht nur „extrem heiß, sondern auch kräftezehrend, körperlich und emotional“.

Nancy Beule berichtet von den „unzähligen Slum-Hütten mit meist zerlöcherten Planen. Die Leute ´wohnen´ dort auf etwa zwei Quadratmetern. Während der Monsun-Zeit muss es ein einziges Chaos sein.“ Die Lübbenerin lässt Kleidung, aber auch etwas Geld für Nahrung dort. Sie sieht, dass sich die Leute etwa am Fluss waschen oder öffentlich an Wasserpumpen auf der Straße.

Ihr Weg führt sie weiter nach Nepal. Alex, ein junger Inder, begleitet sie. „Er ist sehr hilfsbereit, lässt mich kaum aus den Augen, kümmert sich um meine Sicherheit“, auch während der gemeinsamen Zugfahrt über 600 Kilometer. Die Fahrten mit der Eisenbahn erweisen sich als abenteuerlich. „Leute hängen draußen dran, drinnen wird geschrien, die Züge sind restlos überfüllt.“ Ein ähnliches Bild bei den Busfahrten: Verdreckte Fahrzeuge prall gefüllt. „Busse und Züge erinnern eher an Viehtransporter.“ Und entlang der Strecke: „Müll, wohin das Auge schaut.“

Nancy Beule erlebt aber auch „unbeschreibliche Gastfreundschaft, und das in kritischen Brennpunkten eines Dorfs. Häuser, wo es durchregnet. Leute, die zu Dritt in einem schmalen Bett schlafen. Die Kinder liegen auf der Erde.“ Die 46-Jährige kauft Bett, Matratze und Decke sowie Hygieneartikel. Ein Segen für die Familie, deren vierfache Mutter täglich einen Euro für die Arbeit auf dem Feld anderer Leute bekommt.

Gewöhnungsbedürftig für die Spreewälderin sind auch die „Sammeltoiletten“ in freier Natur in einem Maisfeld. Ihr vergeht sichtlich der Appetit. Doch die Freundlichkeit der Menschen lässt sie auch diesen Härtetest überstehen. Sie hat sich inzwischen allein bis zur Grenze nach Nepal „durchgekämpft“. Im Destrikt Bihar hat sie „schnell zwei Männer an meiner Seite, die mich hüten wie ihren Augapfel“.

Nach dem Grenzübertritt trifft sich die Lübbenerin mit Goma Dhakal. Die Leiterin eines Kinderheims in Pokhara realisiert mit ihr gemeinsam seit vier Jahren Hilfsprojekte in Nepal. Diesmal fahren sie 75 Sack Reis, Linsen, Bohnen, Öl, Salz und Kindersachen mit zwei Jeeps in ein nahegelegenes Dorf, um die 75 Familien dort zu unterstützen. Die Leute sind überglücklich: „Ich bekomme Gänsehaut und muss die Tränen unterdrücken.“

Nancy Beule und ihre Partnerin vor Ort fahren weiter nach Naubise, einem Ort zwischen Kathmandu und Pokhara. Zwölf Stunden brauchen sie für die etwa 200 Kilometer lange Fahrt über „Schlaglochpisten“ bis rauf in 2800 Meter Höhe.

Wenig später besucht sie die „Orangic-Farm“ des Kinderheims. Die Spreewälderin hat Sämerei mitgebracht: „Das bringt vielleicht etwas Abwechslung in den Speiseplan der Kinder.“ Sie selbst hat endlich mal drei Quadratmeter Schlafplatz für sich allein, inklusive Decken und Schlafsack. Im Gegenzug hilft sie dort, wo es nötig ist. Einem Rikscha-Fahrer, der ohne Schuhe aber mit eine Wunde am Fuß unterwegs ist, kauft sie Sandalen für fünf Euro sowie für zwölf Euro Antibiotika und aufbauende Vitamine. Von diesen kleinen Gesten gibt es zahlreiche während ihrer humanitären Mission in Nepal.

Nancy Beule ist inzwischen in das Newar-Städtchen Dhulikehl gefahren, wo sie weiteren Ärmsten helfen möchte. Etwa Ende März dieses Jahrs will sie wieder zurück im Spreewald sein. Zurück aus einer anderen Welt.