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Lübben
Lübbener Wohnungsbau-Chef in den Ruhestand verabschiedet

Wolfgang Schönfelder (r.) vom Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) steckt Hartmut Kohlmann die silberne Ehrennadel des BBU an.
Wolfgang Schönfelder (r.) vom Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) steckt Hartmut Kohlmann die silberne Ehrennadel des BBU an. FOTO: Andreas Staindl
Lübben. Blumen, Geschenke und dampfende Wertschätzung für Hartmut Kohlmann. 32 Jahre lang hatte er die LWG geführt. Von Andreas Staindl

„Adieu Chef“. In diesen Abschiedsgruß hat Gabriele Dommasch alles reinpackt, was ihr und den anderen Mitarbeitern der Lübbener Wohnungsbaugesellschaft (LWG) am Herzen lag. Es war ein komprimiert vorgetragener Dank für „die gute Zusammenarbeit“ mit Hartmut Kohlmann. Der bisherige Geschäftsführer der LWG ist seit Jahresbeginn im Ruhestand. Am Freitag wurde er offiziell verabschiedet. 32 Jahre lang hatte er die Geschicke der Gesellschaft geleitet.

„Jetzt verlässt der Kapitän die Brücke“, sagte Wolfgang Schönfelder vom Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) und blieb bei der Seemannsprache: „Hartmut Kohlmann hat viele Klippen umschifft. Er hinterlässt ein Schiff, das sich auf der Höhe der Zeit befindet, sowie eine funktionierende Mannschaft.“

Lars Kolan (SPD) schlug ähnliche Töne an. „Hartmut Kohlmann hat viel Dampf gemacht, ist immer vorangefahren und hat mit großem Fachwissen überzeugt“, sagte Lübbens Bürgermeister. „Ich hatte aber nie den Eindruck, dass er mal Dampf ablassen muss.“ Dafür stehen dem Veraltungschef zufolge jetzt andere Akteure in der Kreisstadt „unter Dampf, denn statt Wohnungsleerstand haben wir inzwischen Wohnungsnot in Lübben. Das war so nicht zu erwarten.“ Das liege an der wachsenden Einwohnerzahl in der Spreewaldstadt.

100 Millionen Euro, investiert in die Sanierung und den Neubau von Wohnungen sowie in das Umfeld, sind Lars Kolan zufolge eine beeindruckende Bilanz und machen deutlich, was er mit „Dampf machen“ gemeint hat.

Hartmut Kohlmann blieb bei aller Würdigung bescheiden: „Die Verabschiedung in so großem Rahmen ist gegen meine Überzeugung, aber wenn es schon sein muss...“ Er hatte sogar etwas vorbereitet. Keine große Abschiedsrede, sondern ein paar Gedanken zu den drei vergangenen Jahrzehnten.

28 Jahre war Hartmut Kohlmann alt, als er die Geschäfte sowie die mehr als 140 Mitarbeiter übernahm. Die Zusammenarbeit sei durch Vertrauen und gegenseitigen Respekt geprägt gewesen. „Wir haben die Kiste gemeinsam in die richtige Richtung geschoben.“ Er dankte seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, vermied es aber, jemanden besonders hervorzuheben – mit einer Ausnahme: seine Frau. Sie war es, „die meine schlechte Laune ertragen musste und schwieg, wenn es erforderlich war“.

Hartmut Kohlmann verriet, dass er „ein komisches Gefühl“ hatte, weil die LWG nach der Wende Kredite in Millionenhöhe aufnehmen musste. Die Gesellschaft konnte offenbar sehr gut damit umgehen. Aus einst siebenstelligen Verlusten sind inzwischen siebenstellige Überschüsse geworden, wie der jetzt verabschiedete Geschäftsführer sagt: „Wir können es uns jetzt sogar leisten, in Millionenhöhe zu investieren, und das aus eigener Kraft, ohne finanzielle Zuwendungen von außen.“ Und noch etwas ist ihm wichtig: „Skandale sind uns erspart geblieben, auch wenn wir nicht alles richtig gemacht haben.“

Sein Nachfolger ist auf dem Weg. „Wir befinden uns in der finalen Abstimmung“, sagt Lars Kolan. Lübbens Bürgermeister hofft, dass der neue Geschäftsführer vielleicht schon zum 1. März dieses Jahres begrüßt werden kann. Bis dahin führt der Rechtsanwalt Dieter Maier-Peveling die Rechtsgeschäfte.

Hartmut Kohlmann kann sich nun seinem Hobby „Dampf“ widmen. Von Lübbens Bürgermeister haben er und seine Frau eine Einladung zur 25. Dampflokparade im polnischen Wolsztyn erhalten.