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Lübbener Wehr an der Grenze der Belastbarkeit

Übungen sind notwendig, um im Ernstfall gerüstet zu sein. An dieser Übung im vergangenen Jahr in der Majoransheide in Lübben nahmen mehrere Ortswehren sowie der Rettungsdienst teil.
Übungen sind notwendig, um im Ernstfall gerüstet zu sein. An dieser Übung im vergangenen Jahr in der Majoransheide in Lübben nahmen mehrere Ortswehren sowie der Rettungsdienst teil. FOTO: Andreas Staindl/asd1
Lübben. Im vergangenen Jahr ist die Feuerwehr zu 244 Einsätzen gefahren. Allerdings bleiben Montag bis Freitag in den Fahrzeugen Plätze frei. Andreas Staindl / asd1

Die Feuerwehren der Stadt Lübben konnten die Aufgaben im vergangenen Jahr lösen. "Wir sind allerdings manchmal an die Grenzen der psychischen und physischen Belastbarkeit gelangt", sagt Bernd Wrege. Der Stadtbrandmeister zog während der Jahreshauptversammlung am Freitagabend Bilanz des vergangenen Jahres. Ihm zufolge sind die Kameraden zu 244 Einsätzen gerufen worden. Das sind 25 Prozent weniger als im Jahr zuvor (326). Damals habe es jedoch wesentlich mehr technische Hilfeleistungen bedingt durch Naturereignisse gegeben. Im Vorjahr wurde 134 Mal technische Hilfe geleistet. 25 Menschen konnten gerettet werden, für drei kam jede Hilfe zu spät.

Für diese Einsätze dankte Bernd Wrege den Feuerwehrleuten ganz besonders: "Nicht jeder ist von der Psyche her in der Lage, Menschen zu helfen, die vielleicht in ihrem Blut auf der Straße liegen und auf Hilfe hoffen."

Der Stadtbrandmeister erinnerte auch an "nicht alltägliche Einsätze". Der Brandanschlag auf den Sportpark am Heiligabend und der Wohnungsbrand in der Theodor-Fontane-Straße am Silvesterabend gehörten dazu.

Die Einsätze der Feuerwehr sind sehr vielfältig. Sie reichen von Brandbekämpfung, über technische Hilfeleistung bis hin zur Tierrettung, der Tragehilfe, Türöffnung und Beseitigung von Wasserschäden. Bernd Wrege zufolge gab es manchmal personelle Probleme bei der Besetzung der Einsatzfahrzeuge während der Arbeitszeit von Montag bis Freitag. Wegen entfernter Arbeitsstellen und der nicht vorhandenen Möglichkeit, die Arbeit für einen Feuerwehreinsatz zu verlassen, stehen maximal 35 Kameraden aller Ortswehren unter der Woche zur Verfügung - und das bei 143 Feuerwehrleuten in den sechs Ortswehren insgesamt. "Wir müssen die Tageseinsatzbereitschaft erhöhen", sagt der Stadtbrandmeister. Er hofft, dass bei Neueinstellungen in der Verwaltung, beim Baubetriebshof oder bei Tochterunternehmen der Stadt auf Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr zurückgegriffen wird. Ein Wunsch, der schon seit Jahren geäußert wird. "Passiert ist nicht", kritisiert Denny Beilke. Der Kamerad des Löschzugs in Lübben hat das Gefühl, "das Thema wird in der Verwaltung totgeschwiegen". Der stellvertretende Bürgermeister Frank Neumann (parteilos) widerspricht dem: "Die Bitte der Feuerwehr verschwindet nicht in der Schublade. Wir müssen bei Neueinstellungen allerdings auf die jeweiligen Anforderungen achten." Er kündigte an, dass noch in diesem Jahr über die Stelle eines hauptamtlichen Stadtbrandmeisters diskutiert und eine Entscheidung getroffen werden soll.

Das allein wird das Problem Tageseinsatzbereitschaft nicht lösen. "Nur 10 bis Kameraden unseres Löschzugs stehen während der üblichen Arbeitszeit zur Verfügung", sagt Denny Beilke. "Und der Trend ist ganz miserabel. Früher hat man bei Einsätzen nicht mal einen Platz im Auto bekommen. Heute können kaum die wichtigen Fahrzeuge besetzt werden." Er fordert: "Die Stadt als Träger des Brandschutzes muss mehr tun, als unsere Forderung zu den Akten zu legen."

Sie hat jedoch in "nicht unerheblichem Maße Gelder für die Beschaffung von Ersatzbekleidung und notwendiger Ausrüstung bereitgestellt", wie Bernd Wrege sagt. "Wir haben gut ausgerüstete Wehren in Lübben, wollen aber noch besser werden", sagt Frank Neumann. "Die technische Ausstattung muss mit den steigenden Anforderungen Schritt halten."

Geld etwa für neue Fahrzeuge sei im Haushalt 2017 eingestellt. "Die Aufgaben der Feuerwehr wachsen rasant", sagt der Kreisbrandmeister Ronald Judis. "Die Politik muss im Auge behalten, was noch ehrenamtlich geleistet werden kann und wann neue Wege nötig sind." Peter Rublack, stellvertretender Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbands, würdigte die "eindrucksvolle Bilanz der Feuerwehren in Lübben. Wir unterstützen gern bei Problemen."

Zum Thema:
Ende des vergangenen Jahres gab es 143 aktive Mitglieder in den sechs Ortswehren der Stadt Lübben. Damit waren neun weniger als noch ein Jahr zuvor, geht aus der Mitgliederstatistik hervor. Die Zahlen im Detail:Lübben-Stadt (47) Steinkirchen (19)Treppendorf (23)Neuendorf (15)Radensdorf (22)Lubolz (17)