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| 18:00 Uhr

Pro und Contra zur Umgehungsstraße
Jetzt kommt der Petitionsausschuss

Blick auf den leichten Anstieg zum Bahnübergang, rechts das Gebäude der Polizeiwache: Hier könnte statt der Schranke, an der die Autos oft warten müssen, eine Unterführung entstehen.
Blick auf den leichten Anstieg zum Bahnübergang, rechts das Gebäude der Polizeiwache: Hier könnte statt der Schranke, an der die Autos oft warten müssen, eine Unterführung entstehen. FOTO: LR / Ingvil Schirling
Lübben. Die Lübbener Umgehungsstraße ist in Planung – und doch weiterhin umstritten. Ein Ingenieur will beim Bundesrechnungshof intervenieren. Die Befürworter machen auf die regionale Bedeutung der Trasse aufmerksam. Von Ingvil Schirling

Die Diskussion um die Lübbener Umgehungsstraße kommt nicht zur Ruhe. Eigentlich wäre das anzunehmen, denn in dem vor zwei Jahren fortgeschriebenen Bundesverkehrswegeplan blieb sie trotz eines schwachen Wirtschaftlichkeitsquotienten im „Weiteren Bedarf mit Planungsrecht“. Diese Kategorie ist für all diejenigen Bauprojekte vorgesehen, die für würdig eingestuft sind, weiterhin geplant zu werden.

Da der Bundesverkehrswegeplan nach aktuellem Stand bis 2030 gilt, könnte damit für den Moment alles gesagt sein. Doch die Bürgerinitiative Treppendorf wehrt sich weiter vehement gegen die Trasse. Nicht nur, weil sie sehr dicht am Ort vorbeiführt, sondern auch, weil die Alternativenprüfung fehlt. Diese und andere Kritikpunkte scheinen Wirkung zu zeigen: Nach der Sommerpause will sich der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages mit der Sache beschäftigen.

Dieser habe sich für den 17. September angekündigt, informiert Thomas Liebsch als Sprecher der Bürgerinitiative Lübben-Treppendorf. Geplant ist nach jetzigem Stand eine Besichtigung vor Ort und eine Veranstaltung, bei der Anwohner und Interessierte zu Wort kommen können.

Doch auch der Lübbenauer Ingenieur Erwin Lieke macht gegen die Trasse mobil. Er will sich an den Bundesrechnungshof wenden, denn aus seiner Sicht handele es sich bei den „derzeit eingeplanten 55 Millionen Euro um eine gravierende Fehlinvestition“.

Lieke hat bereits in Lübbenau kräftig mitgewirkt in der dortigen Bürgerinitiative „drüber oder drunter“. Es geht um die künftige Straßenführung, um das Anstehen an den Schranken zu vermeiden. Viele konkrete Vorschläge zur Änderung der Straßenführung stammen aus Liekes Feder.

Ganz ähnlich legt er nun auch in Lübben Pläne vor. Sein Ansatz: Lübbens gut vier Kilometer lange Ortsdurchfahrt der B87 hat „Verkehrshindernisse“. Diese zu beseitigen – also die innerstädtische Durchfahrt auszubauen – ist aus seiner Sicht die bessere Alternative. Die Kosten schätzt er nach aktuellem Stand auf knapp 30 Millionen Euro.

Um die Verkehrshindernisse zu beseitigen, setzt er auf drei Hebel: Die Fußgängerampeln sollen durch Inseln ersetzt werden. Das wird unabhängig davon mit dem Ausbau des Houwald-Dammes ab September bereits verwirklicht. Zweitens: Kreuzungen durch Kreisel ersetzen, um den Verkehrsdurchfluss zu erleichtern. Sechs bis sieben schweben ihm vor, unter anderem an den Einmündungen der Luckauer und der Logenstraße.

Eines der größten Hindernisse, die Bahnschranken vor der Weinbergstraße, würde er drittens durch eine Unterführung ersetzen. Lichte Höhe, Weite, Längsgefälle, Regenentwässerung – all dies hat er bereits ausgerechnet und der Stadtverwaltung von sich aus vorgelegt. Für Starkregenfälle könnte auf dem Polizeigrundstück ein Pufferbecken mit Sandfang entstehen. Von dort aus würde das Wasser in die Berste geleitet. Mit Polizei, aber auch mit dem Rettungsdienst sei schon gesprochen worden. Das Becken sei möglich, „und beide wären begeistert von der Unterführung, denn sie stehen im Notfall ja auch an den Schranken“, sagt Thomas Liebsch.

Mit einer besseren Durchfahrt gerade für die Rettungsdienste argumentieren auch die Befürworter der Umgehungsstraße. Doch beispielsweise die Hartmannsdorfer Straße werde gar nicht angebunden, hält Liebsch dagegen, „sodass sich doch wieder alle durch die Stadt quälen müssen“.

Die Befürworter der Umgehungsstraße wollen sich in diesen Tagen zusammenfinden und auf deren Notwendigkeit aus regionaler Sicht und vor dem Hintergrund der Bauarbeiten am Houwald-Damm aufmerksam machen.