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| 14:26 Uhr

Sportlich für einen guten Zweck
Sponsorenläufer kommen bis Istanbul

 Voller Energie starten die Grundschüler auf die 615 Meter lange Runde. Nach einer Stunde haben die besten 19 Runden absolviert.
Voller Energie starten die Grundschüler auf die 615 Meter lange Runde. Nach einer Stunde haben die besten 19 Runden absolviert. FOTO: LR / Katrin Kunipatz
Lübbener Grundschüler absolvieren in einer Stunde 3373 Runden. Mit ihrem Einsatz wollen sie der Familie eines verunglückten Mädchens helfen. Von Katrin Kunipatz

Eine Stunde laufen, hieß es für die Kinder an der Friedrich-Ludwig-Jahn-Grundschule. Am Dienstagvormittag fand hier der fünfte Sponsorenlauf statt. Vor dem Start erklärt der Drittklässler Lennard Blumenberg noch einmal kurz, worum es geht: „Bitte, strengt euch an, denn wir brauchen das Geld, um ein neues Haus und ein neues Auto zu bezahlen.“ Beim „wir“ meint er vor allem seine gleichaltrige Cousine Fenia und deren Eltern. Mario Blumenberg, Fenias Vater, ist am Dienstag ebenfalls zur Lübbener Grundschule gekommen. Nach einer Routine-Operation gab es einen schlimmen Vorfall, erklärt er den Kindern. Seit vier Monaten sei Fenia in der Reha. „Es ist ein langwieriger Prozess sie wieder ins normale Leben zu holen“, so Mario Blumenberg.

Den Schülern der 1. Grundschule in Lübben ist das Schicksal des Mädchens vertraut, selbst wenn die Neunjährige eigentlich in Gröditsch zur Schule geht. Ihr Cousin Lennard hatte kurz nach Weihnachten die Idee, den diesjährigen Sponsorenlauf Fenia zu widmen. Die Resonanz sei groß, so Kathrin Gammelin. Die stellvertretende Schulleiterin brachte vor einigen Jahren die Idee eines Sponsorenlaufs an die sportbetonte Grundschule in Lübben. Wirklich alle Schüler haben in diesem Jahr Sponsoren gefunden, die für jede gelaufene Runde einen vorher vereinbarten Betrag bezahlen. Manche Kinder haben auch mehr Unterstützer. Bei Lennard seien es sogar 20, so Gammelin.

 Eltern und Lehrer versorgen in der Boxengasse auf dem Schulhof die Läufer mit Essen und Trinken und zählen die Runden.
Eltern und Lehrer versorgen in der Boxengasse auf dem Schulhof die Läufer mit Essen und Trinken und zählen die Runden. FOTO: LR / Katrin Kunipatz

Jede Menge Energie steckt in den 280 Grundschülern. Vor dem Start toben die Jüngeren über den Schulhof, die Älteren erwärmen sich. Obst, Gemüse, Gummibären, Salzstangen türmen sich auf den Tischen in der „Boxengasse“. Zur Versorgung während des Laufs hat jeder hier auch seine persönliche Trinkflasche deponiert. Lehrer und Eltern stehen bereit, um jede einzelne Runde jedes Schülers zu notieren. Und dann endlich startet Schulleiter Jürgen Scheinpflug den Lauf. Jeder in seinem Tempo begeben sich die Kinder auf die 615 Meter lange Runde um das Schulhaus und die Turnhalle herum. Selbst Stürze halten nicht auf. Aufrappeln und weiter geht es, selbst wenn die Hose ein Loch hat.

Die letzten Minuten sagt Schulleiter Scheinpflug einzeln an und mobilisiert nach fast einer Stunde Laufen die Reserven der Kinder. Einige spurten gar durch die Boxengasse, um noch eine weitere Runde zu schaffen. Zum Schluss sind es 3373 Runden. Etwas weniger als im vergangenen Jahr, weil durch die Bauarbeiten vor der Schule die Strecke 45 Meter länger war. Insgesamt haben die Schüler in dieser einen Stunde 2074 Kilometer zurückgelegt, eine Strecke bis nach Istanbul in der Türkei. Die besten Mädchen schafften 17 Runden (10,45 Kilometer): Lucinda (3b), Mara (4a) und Mariam (6b). Auf 19 Runden (11,68 Kilometer) kamen die besten Jungen: Ferdinand (2b), Paul (4a), Magnus und Arne (5b) sowie Malte und Konstantin (6a). Der kuschlige, schwarz-weiße Wanderpokal in Form eines Ochsen ging an die Klasse 6a. Im Durchschnitt war jeder Schüler dieser Klasse 14,7 Runden gelaufen.

 Diese drei Rindviecher – Rudolf, Rudi und Renate (v.h.n.v.) – gehen als Wanderpokale an die besten Klassen.
Diese drei Rindviecher – Rudolf, Rudi und Renate (v.h.n.v.) – gehen als Wanderpokale an die besten Klassen. FOTO: LR / Katrin Kunipatz

Wie viel Geld die Kinder erlaufen haben, werde erst in einigen Wochen feststehen, wenn alles ausgewertet ist. „Aber schon jetzt sind auf dem Konto des Fördervereins Spenden für Fenia eingegangen“, sagt Kathrin Gammelin. Spendendosen, die die 6. Klassen gebastelt haben, stehen in Geschäften der Stadt. Und nach dem Sponsorenlauf übergaben Eltern der Klasse 1b einen Scheck über 1150 Euro an Mario Blumenberg. Unter dem Motto „Wir alle für Fenia“ hatten Kinder und Eltern 670 Osterpräsente gebastelt und verkauft. Fenias Vater half wiederum dem Förderverein, die gespendeten Hotdogs an die Läufer zu verteilen. Am Ende des Vormittags war er überwältigt von der Hilfe, die seiner Familie zuteil wird.

 Hotdogs gabe es für die Kinder nach dem Lauf. Fenias Vater unterstützte den Förderverein der Schule beim Verteilen.
Hotdogs gabe es für die Kinder nach dem Lauf. Fenias Vater unterstützte den Förderverein der Schule beim Verteilen. FOTO: LR / Katrin Kunipatz