Da liest Kleine vor, was in der letzten Lebenssekunde vor einem tödlichen Aufprall passiert. Mit dieser und anderen Veranstaltungen zur Woche der Verkehrssicherheit am OSZ haben die Schüler gelernt, ihre Verhaltensweisen im Straßenverkehr zu hinterfragen.
Was Brigitte Kleine vorträgt, könnte aus einem Grusel-Film stammen: Brechende Fingerknöchel, ein zermalmter Autobug, eine den Körper durchbohrende Lenksäule und Splitter, die die Lunge zerreißen. So verläuft die letzte Sekunde im Leben eines Autofahrers, der auf ein festes Hindernis prallt. Dazu muss er nicht einmal, das zeigt ein Lehrfilm später, besonders schnell sein. Robert Androck (20) aus Cottbus ist beeindruckt. „Eigentlich schnalle ich mich ja nicht an, wenn ich mal schnell zum Baumarkt muss“ , sagt der Azubi. Der Film habe aber gezeigt, dass ein Unfall auch schon bei 40 Kilometern pro Stunde tödliche Folgen haben kann, wenn der Fahrer den Sicherheitsgurt nicht angelegt hat. „Das Anschnallen werde ich künftig wohl nicht mehr weglassen“ , sagt Robert.
In einer anderen Klasse testen Brigitte Kleine und ihre Kollegin Elke Ewald, beide von der Abteilung Prävention der Polizei, ob die jungen Fahrer die Führerscheinprüfung erneut bestehen würden. Die Schüler arbeiten die Fragebögen durch, die sonst Prüflingen vorgelegt werden. Nur drei der knapp 20 Schüler haben weniger als zehn Punkte, hätten die theoretische Prüfung also erneut erfolgreich abgeschlossen, so die Polizistinnen.

Führerschein nicht bestanden
Das Ergebnis deckt sich mit der Bilanz in Königs Wusterhausen und Schönefeld. An den dortigen OSZ-Standorten hat die Woche der Verkehrssicherheit bereits stattgefunden. „34 von 500 Schülern hatten weniger als zehn Fehler“ , liest Elke Ewald aus ihrer Statistik vor.
Im nächsten Klassenraum steht Polizeihauptmeister Heinz-Ulrich Sauer. Der Wasserschutzpolizist informiert über das richtige Verhalten auf dem Wasser - zum ersten Mal bei der Info-Woche am OSZ. Schulleiter Klaus Fährmann hält das Wissen über die Vekehrsregeln auf dem Wasser von Dahme und Spree für wichtig. Noch hätten zwar die wenigsten eigene Boote, „aber Papas Yacht borgen sie sich doch mal aus“ . Sauer bestätigt, dass Aufklärung wichtig ist: „Die meisten denken, dass auf dem Wasser keine Regeln gelten. Sie sind überrascht, dass die Höchstgeschwindigkeit bei 25 Kilometern pro Stunde liegt.“ Auch Fragen zu Alkoholkontrollen und Geschwindigkeitsmessungen muss Sauer stets beantworten.
Traditionell gibt es bei der Woche der Verkehrssicherheit ein Geschicklichkeitstraining für die Schüler, die den Führerschein besitzen. Sie hatten einen Parcours aus engen, durch Kegel gekennzeichneten Kurven zu absolvieren. Viele nahmen einige der Kegel mit den Reifen mit.

Exakt lenken und gut schauen
„Den Schülern wird klar“ , sagt Jens Polley vom Fahrsicherheitszentrum in Linthe (Potsdam-Mittelmark), „dass es nicht auf Schnelligkeit ankommt, sondern auf korrektes Lenken und sorgfältiges Schauen.“ Auch die Sitzposition spiele eine Rolle. Wer falsch sitze, könne nicht gut lenken.
Schulleiter Klaus Fährmann hält die Woche der Verkehrssicherheit, die es seit 1998 in diesem Umfang an den drei OSZ-Standorten gibt, für notwendig. „Es gibt Jahre“ , sagt er, „da kommen fünf meiner etwa 2500 Schüler bei Verkehrsunfällen ums Leben.“ Das Info-Angebot umfasst neben der Schulung und Geschicklichkeitstraining durch die Polizei Vorträge von Verkehrsrechtsanwälten und Kfz-Sachverständigen. (dö/dh)