Von Andreas Staindl

Diese Museumsnacht in Lübben war anders. Sie stellte den Dichter und Schriftsteller Theodor Fontane in den Mittelpunkt. Gäste konnten sich ihm auf verschiedene Weise näher. Vor allem aber haben sie seinen 200. Geburtstag gefeiert. Zahlreiche Besucher hatten am Samstagabend Lust darauf. Sie sind der Einladung des Museums Schloss Lübben zahlreich gefolgt. Schon mit Beginn der Veranstaltung war das Schloss gut besucht. Im Museum, Wappensaal und in Räumen der früheren Gaststätte im Erdgeschoss gab es Mitmachaktionen, wurden spannende Einblicke in Historisches gegeben. Fontane war fast immer dabei – fiktiv oder in Gedanken.

Mal hören, was andere so über Fontane denken, wie sie sich vom Schriftsteller geistig berührt fühlen. David Hadwiger aus Potsdam hat sich inspirieren lassen. Er taucht ein in Poesie und Lyrik, bringt seine Gedanken zu Papier. Der Potsdamer schreibt seine Gefühle, Empfindungen und Beobachtungen auf. Doch diese öffentlich machen, sie einem Publikum präsentieren? David Hadwiger hatte Lust darauf und auch den Mut dazu. „Ich möchte andere Leute animieren, es selbst mal zu probieren und ihre Gedanken aufzuschreiben.“ Er brachte nicht nur seine eigene Texte mit nach Lübben, sondern hat diese auch noch auf der offenen Lesebühne vorgestellt. Den Zuhörern gefiel es, sie applaudierten anerkennend.

Die Veranstalter vom Museum hatten Hobby-Autoren aufgerufen, ihre Texte unter dem Motto „Entdecke den Fontane in Dir“ auf der Bühne im Wappensaal vorzustellen. Mit Peter Dumat konnten sie einen zweiten Vorleser gewinnen. Der Autor aus Berlin „fesselte“ die Zuhörer während einer Lesung rund um das Fontane-Zitat „Kummer sei lahm! Sorge sei blind! Es lebe das Geburtstagskind!“.

Schon zu Beginn der Museumsnacht war der Wappensaal gut besucht. Auch in anderen Räumen gingen Besucher auf Entdeckungstour. Corinna Junker hatte dazu eingeladen. Die Museumschefin führte die Gäste in Bereiche des Hauses, in die Besucher normalerweise nicht kommen. Auf den Dachboden etwa. Dort lagern zahlreiche Utensilien längst vergangener Zeiten – wertvolle und weniger bedeutsame, mit Erinnerungen behaftet auf jeden Fall. „Ein spannender Fundus“, sagt Marco Schulz aus Berlin. „Schön, dass Dinge aus der Vergangenheit nicht einfach weggeworfen, sondern aufbewahrt werden.“

Der Lagerort unterm Dach des Museums ist allerdings alles andere als ideal. Die Temperaturen schwanken. Zudem leben dort Fledermäuse. Doch es gibt eine Lösung. Die historischen Dinge werden demnächst in freigewordene Räume im Lübbener Rathaus umgelagert, sagt Corinna Junker.

Der Nachwuchs hatte besonderen Spaß am Stöbern auf dem Dachboden. Er ließ sich aber auch zum Basteln animieren. Rote und gelbe Blüten etwa wurden gestaltet. Sie sollen den Kahn schmücken, mit dem sich das Museum am Kahnkorso während des Spreewaldfests am kommenden Sonntag beteiligt. Zudem haben junge, aber auch reifere Besucher gelbe Quietsch-Enten für das Entenrennen, ebenfalls während des Spreewaldfests, kreativ hergerichtet.

Und Fontane? Der war irgendwie überall dabei. Manchmal schlüpften Besucher in die Haut des Dichters. Sie stülpten sich einen schwarzen Zylinder auf den Kopf, ließen sich so vor einem Fontane-Motiv fotografieren. Zuvor konnten sie zehn Fragen beantworten, quasi den Fontane in sich entdecken. Auch diese Idee kam an. Die Auseinandersetzung mit dem Schriftsteller und die gedankliche Annäherung an ihn waren ausdrücklich gewünscht.

Und wer Fontane mit nach Hause nehmen wollte, der konnte auch das. Sebastian Franzka machte das möglich. Der Künstler aus Lübben hat T-Shirts mit einem Motiv mit der Aufschrift „Lies mehr Fontane“ für Erwachsene sowie mit dem Schlossgeist Lobko und der Fledermaus Tilli für Kinder gestaltet. Je später der Abend umso mehr Besucher schlenderten mit Fontane T-Shirts durch das Schloss.

Die Gäste zog es zunehmend in den Wappensaal. Dort präsentierte sich die frühere „Rainbirds“-Sängerin Katharina Franck. Sie brachte unter anderen neu vertonte Texte des märkischen Schriftstellers mit nach Lübben. Ein Geburtstagsständchen, wenn man so will. Verpassen konnte man es kaum, zumindest nicht, wenn man in der Nähe des Schlosses war. Denn die Fassade des Objekts wurde zur Innenstadtseite hin magisch beleuchtet. Wechselnde Motive, ein faszinierendes Farbenspiel, auch Fotos mit Lübbener Motive machten neugierig und sorgten für Aufmerksamkeit.