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Lübbener hilft Walen ins Meer

Zahlreiche Helfer versuchten die massenhaft gestrandeten Wale in Neuseeland zu retten. An anderer Stelle war der Lübbener Frank Selbitz dabei.
Zahlreiche Helfer versuchten die massenhaft gestrandeten Wale in Neuseeland zu retten. An anderer Stelle war der Lübbener Frank Selbitz dabei. FOTO: dpa
Lübben/Farewell Spit. Die Nachricht lief durchs gesamte Internet und in vielen Zeitungen: Ende vergangener Woche strandeten rund 650 Wale an der Küste von Cape Farewell im Norden der Südinsel von Neuseeland. Tausende von Helfern aus aller Welt, Einheimische und Touristen, kamen ihnen zu Hilfe. Ingvil Schirling

Es gab sogar Verkehrsstaus auf den Anreiserouten. Mittendrin am Strand, zwischen tonnenschweren Meeressäugern und fleißigen Helfern, ein Nachtwächter: Der Lübbener Frank Selbitz ist derzeit in Neuseeland unterwegs.

"Es war ein atemberaubender Anblick, als auch wir am Farewell Spit ankamen", berichtet er. "Hunderte von Wasserträgern waren bemüht, die tonnenschweren Wale, die hilf- und fast regungslos im Watt lagen, mit Wasser zu übergießen." Aus den vielen Wasserlöchern am Strand hätten die Helfer unablässig und mit Hilfe von Eimern Wasser herangetragen, um es über den Tieren auszugießen. "Stundenlang das Gleiche", sagt der Lübbener, "wobei sich der Helferkreis stets änderte". Im Schichtwechsel waren die hilfsbereiten Neuseeländer und ihre Gäste somit zugunsten der Tierrettung unterwegs.

Badehandtücher seien über die bis zu neun Meter langen Tiere gedeckt worden, um sie vor der direkten Sonneneinstrahlung zu schützen. Bei den Tieren handelte es sich Medienberichten zufolge um Grind- oder Pilotwale, die in allen Ozeanen der Südhalbkugel heimisch sind.

Besonders problematisch ist bei den Strandungen unter anderem, dass die Haut austrocknen kann. Dann würde sie sich wie bei einem Sonnenbrand abschälen, berichtet Frank Selbitz. Damit würde sich eine für die Tiere überlebenswichtige Schutzschicht lösen.

Den Anblick der zu Hunderten gestrandeten Meeressäuger wird er wohl nie vergessen: "Regungslos lagen die Tiere da, einzig ein kräftiges Pusten durch das Nasenloch war der Beweis, dass sie lebten." Ein zärtliches Streicheln der großen und kleinen Helfer gehörte dazu, um den Tieren und sich selbst während der nicht enden wollenden Zeit Mut zuzusprechen. Unterdessen durfte der Strom aus Wasserträgern, gefüllten und geleerten Eimern nicht abreißen. "Und er riss auch nicht ab, bis die Sonne am Abend hinter dem Küstengebirge verschwand", stellt der Lübbener bewundernd fest. Damit hatten die Helfer ihren wichtigsten Anteil geschafft. "Jetzt galt es nur noch, auf die mitternächtliche Flut zu warten und zu hoffen, dass die Tiere den Weg ins offene Meer schaffen würden."

Spannende Stunden für den Lübbener und seine Begleitung. Der Abschied fiel schwer. "Auch wir mussten ,unsere' Wale mit dem Steigen des Wassers ihrem weiteren Schicksal überlassen." Eine unruhige Nacht muss vor den beiden gelegen haben. Doch der nächste Morgen belohnte zumindest Frank Selbitz mit großer Erleichterung: "Mit Tagesanbruch stellten wir fest, dass sie es geschafft hatten."

Hunderte von anderen Walen schafften es allerdings nicht. Freud und Leid lagen am Morgen nach der Flut nah beieinander. Der einsame Strand von Farewell Spit war bedeckt von vielen toten Meeressäugern. 240 schafften es, 350 fanden dort ihr Ende, weitere 20 wurden eingeschläfert, geht aus Medienberichten hervor. Auch Frank Selbitz war schockiert von dem Anblick. Dass 650 Pilotwale auf Grund liefen, gilt ihm zufolge als größte Massenstrandung von Walen in der Geschichte Neuseelands seit 1918. Über die Ursache hätten auch die helfenden Laien vor Ort heftig diskutiert, berichtet der Lübbener. Fehlender Orientierungssinn? Störung durch Unterwasserlärm? Ein krankes Leittier, dem die Mehrheit folgt? Erklärungsmöglichkeiten gibt es viele. Warum es sich aber um mehrere Hunderte Tiere handelte, blieb vor Ort eine ungelöste Frage, sagt Frank Selbitz.